Saskia Maurer: Zwischen verschiedenen Welten
Saskia Maurer wagt den Sprung nach Nordamerika. Nach der WM spielt die Schweizer Nationaltorhüterin in Las Vegas um ihren Platz unter den Besten der Welt.

Als sich für Saskia Maurer die Tür zum Profihockey öffnete, war sie in Magglingen im WK. Der Draft der Professional Women’s Hockey League (PWHL) wurde zwar per Livestream übertragen, doch die Schweizer Nationaltorhüterin wusste nicht, ob ihr Name überhaupt aufgerufen werden würde.
Kontakte zu Teams hatte es zuvor gegeben. Ausgerechnet mit Las Vegas, wo sie nach der WM in Dänemark im November ihre Karriere fortsetzen wird, aber nicht. «Ich war überrascht», sagt sie. «Aber ich habe immer auf ein Team aus einem speziellen Ort gehofft.»
Maurer war noch nie in Las Vegas, ihre bisherigen Erfahrungen in den USA machte sie in Minnesota, wo sie zwischen 2021 und 2023 ein College besuchte und Eishockey spielte. Die Vorfreude auf die neue Stadt ist gross, doch die 25-Jährige wechselt aus sportlichen Gründen und mit Ambitionen nach Nordamerika.
«Ich gehe nicht dorthin, um eine gute Zeit zu haben. Ich möchte auch spielen und mich in der Liga etablieren können.» Dass sie diesen Schritt wagen würde, war für Maurer nach dem Draft rasch klar. Die Olympischen Spiele in Mailand waren die Gelegenheit, sich zu präsentieren und für den Draft zu empfehlen.
Aber ihr ist auch die Aussicht auf Einsätze wichtig. Wer von Anfang an als dritte Torhüterin vorgesehen ist, hat es schwer. Ihre genaue Rolle kennt Maurer zwar noch nicht. Doch für sie war schnell klar, es probieren zu wollen. Sie sagt: «Wenn ich diese Chance nicht nutze oder es nicht einmal probiere, werde ich es irgendwann bereuen.»
Olympia hat das Leben verändert
Die Olympischen Spiele haben mehr verändert, als Maurer zuvor erwartet hatte. Sie selbst hatte ihre Chancen auf eine Berücksichtigung im Draft eher zurückhaltend eingeschätzt. Die Leistungen im amerikanischen College-Eishockey hätten bei der Auswahl grosses Gewicht, erklärt sie. Sie war zwei Jahre dort, beendete das College aber nicht.
«So dachte ich, dass meine Chancen nicht gut stehen. Ich bin nicht davon ausgegangen, im Draft berücksichtigt zu werden.» Mit ihren starken Auftritten an Olympia rückte sie dennoch in den Fokus. Auf die Frage, ob das Turnier ihr Leben verändert habe, sagt sie: «Das würde ich schon sagen.»
Nun wartet eine Liga, in der sie sich täglich mit den Besten messen kann. Genau darin liegt für Maurer der grösste Reiz. «In dieser Liga spielen die besten Spielerinnen der Welt. Nur schon mit ihnen trainieren zu können, wird grossartig. Da kann man viel mitnehmen, lernen und besser werden.»
Einige Namen aus ihrem künftigen Team kennt sie bereits, darunter Erin Ambrose und die andere Torhüterin Nicole Hensley. Persönlich ist die Mannschaft für sie jedoch noch unbekannt. Der Wechsel ist deshalb auch ein Schritt aus der Komfortzone.

Respekt hat sie vor allem vor der sportlichen Aufgabe. Ihr Ziel ist klar: «Ich will als Nummer 1 oder 2 spielen. Das wird sicher nicht einfach, aber unmöglich ist es auch nicht.» Sie halte es für möglich, als Nummer 2 zu starten und über Einsätze die Gelegenheit zu erhalten, sich zu beweisen.
Bis dahin lebt sie zwischen verschiedenen Welten – mit dem vertrauten Alltag in Bern, der bevorstehenden WM und dem geplanten Umzug nach Übersee. Wann genau sie in die USA fliegt, weiss sie zum Zeitpunkt des Gesprächs ebenso wenig wie, wo sie wohnen wird.
Einzelheiten sollen sich aber zeitnah klären. Zunächst gilt ihre Aufmerksamkeit aber sowieso den SCB Frauen. «Ich versuche, es zu geniessen, weil ich mich in Bern sehr wohl fühle und sehr gute Möglichkeiten zum Trainieren habe. Ich spiele auch sehr gerne bei den SCB Frauen, wir haben ein cooles Team.»
Noch ist sie mittendrin, trainiert und spielt. Gleichzeitig wird ihr immer bewusster, wie schnell die verbleibende Zeit vergeht. «Ich habe immer gearbeitet und trainiert. Und plötzlich wird einem bewusst, dass es Schlag auf Schlag geht.»
Abschluss mit einem Rekord?
Für ihren letzten Auftritt ist ein besonderer Rahmen vorgesehen. Am 25. Oktober spielen die SCB Frauen direkt nach den Männern, die daheim auf Lugano treffen, in der PostFinance Arena gegen Gottéron und wollen den Schweizer Zuschauerrekord im Frauen-Hockey knacken, der seit Januar dieses Jahres bei 4997 Fans liegt.
So viele Fans besuchten damals das Meisterschaftsspiel zwischen den ZSC Lions und dem EVZ. Maurer freut sich auf diesen Abschluss, rechnet aber auch damit, dass ihr der Abschied nahegehen wird. «Ich habe das Gefühl, es wird cool – und auch emotional.»
Abseits des Eises versucht sie zuvor, möglichst viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Einfach ist das nicht: Von Montag bis Freitag arbeitet sie im kaufmännischen Bereich in einem 70-Prozent-Pensum. Dazu kommen Trainings und Spiele. Für Freunde bleibt oft kaum Zeit.
Gerade jetzt spürt sie, was dieser dicht gefüllte Alltag bedeutet. Vermissen wird sie in den USA ihre Familie und Freunde – und auch die Schweizer Küche, wie sie sagt. Gleichzeitig kann sie sich in der Profiliga erstmals auf ihren Sport konzentrieren.
«Darauf freue ich mich. Einfach mal nur Eishockey, das wird speziell. Als junge Spielerin hatte ich sicher das Ziel, Profi zu werden. Aber je älter ich wurde, desto mehr realisierte ich, dass dies als Frau in der Schweiz nicht möglich sein wird.» Mit der PWHL kam neue Hoffnung – und die wird sich nun erfüllen.
Eine WM-Medaille im Fokus
Vor dem Beginn dieses neuen Lebens steht aber ein grosses Ziel mit dem Nationalteam an. Maurer will sich für die WM in Dänemark aufdrängen und zeigen, dass sie dazugehört. Nach dem Gewinn von Olympia-Bronze in Milano Cortina ist nun eine WM-Medaille ihr klares Ziel.
Allerdings warnt sie davor, den Weg dorthin zu unterschätzen. Wegen des veränderten Modus muss sich die Schweiz den Platz im Viertelfinal zuerst erarbeiten, statt ihn wie in der Vergangenheit «gratis» zu haben. Gerade die Spiele gegen Deutschland oder Österreich stuft sie als schwierig ein.

Je nach Turnierverlauf wird nach der WM kaum mehr Zeit für einen Abschied zu Hause bleiben. Eventuell reist sie direkt aus Dänemark nach Las Vegas, um das Abenteuer Profi-Eishockey in Angriff zu nehmen. Im Idealfall kann sie noch einen oder zwei Tage daheim verbringen.
Für eine Abschiedsparty bleibt aber kaum Zeit. Sollten die SCB Frauen den Meistertitel gewinnen, könnte sie auch da nicht dabei sein. Doch dafür hat sie eine Lösung bereit, wie sie lachend sagt: «Sie müssten dann ihre Abschlussreise nach Las Vegas machen.»
Bereits fix ist dagegen, dass Saskia Maurer im ersten Spiel der PWHL mit Las Vegas daheim auf Detroit trifft, das Team ihrer Nati-Kollegin Andrea Brändli. Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Schweizer Frauen-Nati im Tor viel Qualität besitzt.








