Neues Portal will die Lust an der Stadt neu wecken
Mit Slow in the City startet ein neues Schweizer Städtereise-Portal. Im Interview erklären die Köpfe dahinter, wie ihr Anti-Overtourism-Ansatz funktioniert.

Das Wichtigste in Kürze
- Reisejournalistin Silvia Schaub und Reiseblogger Andreas Güntert haben ein neues Projekt.
- Mit dem Portal «Slow in the City» wollen sie ein Gegengift zum Overtourism bieten.
- Sie wollen Orte in bekannten Städte vorstellen, die man nur mit viel Musse findet.
Paris erstickt in der Schlange vor dem Eiffelturm, auf dem Mailänder Domplatz drängen sich die Touristen schon am frühen Morgen. City-Dichtestress allüberall – muss das sein?
Muss es nicht und soll es auch nicht. Das finden Silvia Schaub und Andreas Güntert. Ihr Gegengift zum Overtourism: das neue Städtereiseportal Slow in the City.

Gemeinsam wollen die Aargauer Journalistin und der Zürcher Reiseblogger den Code der Städtereise neu schreiben. Weg von den abgehakten Hotspots, hin zu den echten Perlen, die man nur mit der richtigen Portion Musse findet.
Im Interview erklären Silvia Schaub und Andreas Güntert, wie ihr Portal funktioniert. Und wie man Städte abseits der touristischen Hektik geniesserisch entdeckt.
Travelnews: Blogs und Reiseportale gibt es in Hülle und Fülle. Was macht Slow in the City einzigartig?
Silvia Schaub: Viele Städte sind heute Opfer des Massentourismus. Wir sind das Gegenprogramm zum Overtourism und zeigen Stadtgegenden abseits der üblichen Hotspots.
Andreas Güntert: Wir sorgen dafür, dass unsere User weder Täter noch Opfer des Overtourism werden. Mit uns taucht man ohne Stress in das echte City-Feeling ein.
Travelnews: Wie setzt ihr das konkret um?
Güntert: Wir suchen, finden und zeigen ruhige Rückzugsorte in Städten, die eigentlich aus allen Nähten platzen. Dafür nutzen wir die Hilfe von Locals und bieten Tipps, die man nicht überall findet.
Travelnews: Könnt Ihr ein paar Beispiele nennen?
Schaub: In der Rubrik «10.000 Schritte» führen wir Gäste auf Spaziergängen in neue Gebiete. Wir zeigen grüne Oasen, lokale Märkte und beim Shopping spielen bei uns nicht die immer gleichen Ketten, sondern die sogenannten «Local Champions» abseits der Trampelpfade die Hauptrolle. Und unsere Rubrik «Dicke Daten» warnt davor, wann eine Stadt überfüllt und überteuert ist. Das macht sonst niemand.
Güntert: Selbst in den beliebtesten und belebtesten Städten kann man ruhige Ecken finden. Je nach Wahl der Tageszeit zeigt sich einem die City ganz anders.

Travelnews: Warum eigentlich der Name «Slow in the City»?
Güntert: Silvia hat die Internet-Adresse bereits 2015 registriert. Jetzt, über zehn Jahre später, füllen wir die Idee mit Leben.
Schaub: Wir übertragen das bisher ländlich geprägte Konzept des «Slow Tourism» vom Land in die Stadt. Wir sind dort, wo auch die Einheimischen gerne sind.
Travelnews: Wer ist eure Zielgruppe?
Güntert: Ich denke eher an ein reiferes Publikum ab 50 Jahren, das Entschleunigung sucht.
Schaub: Ich sehe das breiter. Trend-Reports zeigen, dass auch junge Menschen zunehmend Lust auf langsames, authentisches Reisen haben.
Güntert: Auf jeden Fall richten wir uns an ein online-affines Publikum, jung und alt. Über unser Portal können Reisen direkt gebucht werden. Dazu arbeiten wir mit Railtour Suisse zusammen, dem Schweizer Marktführer für Zugreisen.

Travelnews: Was ist die grösste Herausforderung?
Schaub: Die Künstliche Intelligenz. Sie macht es einfacher, individuelle Reisen zu planen. Dieser Konkurrenz müssen wir uns stellen.
Güntert: Unser Alleinstellungsmerkmal ist der sogenannte «Human Touch». Wir wollen Menschen durch Persönlichkeit und echte Inspiration gewinnen. Das ist etwas, das eine Maschine so (noch) nicht bieten kann.
Travelnews: Was sind die nächsten Ziele und Meilensteine bei Slow in the City?
Schaub: Nach Paris und Milano folgen Hamburg und Wien. Auch Schweizer Städte und sogenannte «B-Städte» stehen auf dem Plan.
Güntert: Ein Meilenstein wird erreicht sein, wenn unsere User per Voting selbst mitbestimmen können, welche Stadt wir als Nächstes erschliessen.
Travelnews: Wo steht ihr in drei Jahren?
Güntert: Slow in the City soll bis in drei Jahren – gerne auch schon vorher – ein bekannter Name für nachhaltige Städtereisen in Europa sein. Die erste Adresse, an die man denkt, wenn man einen Citytrip mit Tiefgang plant.
Der Blog
Das Schweizer Portal Slow in the City ist im April 2026 gestartet, mit Fokus auf europäische Städte, die innerhalb von vier bis sechs Bahnstunden ab der Schweiz erreichbar sind.
Als erste Städte wurden Mailand und Paris aufgeschaltet; später im Jahr kommen Hamburg und Wien hinzu. Slow in the City hat aber auch ein Herz für kleinere Cities, sogenannte «B-Städte» wie beispielsweise Frankfurt, Dijon, Turin oder Salzburg. Die Userinnen und User sollen darüber hinaus regelmässig abstimmen können, wo die nächsten Reisen hinführen.








