Die Dokumentation «Rap Hack» enthüllt, wie manipulativ der Streaming-Markt beispielsweise auf Spotify ist. Ein Schweizer Musikmanager ist gar nicht überrascht.
Rap-Hack Spotify
Musikmanager Baldy Minder ist nicht überrascht über die Enthüllungen bei «Rap-Hack». - Nau/Youtube/@Y-Kollektiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • In der Reportage «Rap Hack» zeigt ein Hacker, wie manipulativ Streaming-Dienste sind.
  • Die Dokumentation geht derzeit viral. Viele glauben nicht, dass dies möglich sei.
  • Der Schweizer Musikmanager Baldy Minder ist keineswegs überrascht.

Das Video «Rap Hack» geht derzeit viral. Die Dokumentation des deutschen Y-Kollektivs zeigt, wie erschreckend einfach Musiker ihre Klickzahlen bei Streaming-Diensten wie Spotify manipulieren. Die Empörung auf den Sozialen Netzwerken ist riesig. Wenig überrascht hingegen sind Schweizer Musikmanager wie Baldy Minder (Wurzel 5, PVP, Greis, Baze, Gimma).

Nau.ch: Die Reportage «Rap Hack» sorgt für extrem viele Reaktionen. Es geht dabei um manipulative Streamingdienste.

Baldy Minder: Ja. Für mich ist das eigentlich keine grosse Überraschung. Ich hab das schon immer geahnt und teilweise auch gewusst. Zum Beispiel, dass man Views bei Youtube kaufen kann, das weiss man schon länger in der Branche.

Musik
Baldy Minder ist Musikmanager der Berner Rap-Crew Chlyklass und Gründer des Labels «equipeMusic», bei dem beispielsweise Gimma unter Vertrag steht. - Nau

Nau.ch: Auf den sozialen Netzwerken wird heftig darüber diskutiert. Auch, ob das bei Spotify und Co. wirklich möglich ist.

Baldy Minder: Warum nicht? Wenn man Kreditkarteninfos hacken kann, warum sollte man keine Konten auf Spotify knacken können? Dafür muss man wohl nicht einmal ein richtig guter Hacker sein, um das zu schaffen.

Früher hat man beispielsweise erlebt, dass Musikmanager bein Einkaufen von CDs ihrer Künstler erwischt wurden. Dies, um den Chart-Einstieg der Künstler zu verbessern. Das ist Genre-unabhängig und hat nichts mit der Rapszene zu tun. Beschissen wird wohl in jeder populären Musiksparte.

Nau.ch: Können Sie sich das auch in der Schweiz bei unseren Künstlern vorstellen?

Baldy Minder: Ich weiss, dass viele Schweizer Künstler Youtube-Views kaufen. Das sieht man relativ häufig. Inwiefern die Schweizer Acts auch Spotify-Streams gekauft haben, kann ich nicht abschätzen. Ich denke weniger, weil sich das hier einfach weniger lohnt.

Klar, du wirst dann in der Single-Hitparade auf SRF 3 gespielt. Aber der Markt ist einfach zu überschaubar. Er ist zu klein, dass es sich lohnen würde, einen Hacker einzustellen, dem man dann gutes Geld zahlen muss. In «Rap-Hack» ist die Rede von 50’000 Euros, welche die Manager diesem «Kai» jeweils bezahlt haben für eine Million Streams.

Hacker Streamingdienst
Der Screenshot aus der Reportage des Y-Kollektivs zeigt den Hacker Kai an seinem Arbeitsplatz, an dem er Streams auf Spotify und Co. manipuliert. - Youtube/@Y-Kollektiv

In der Schweiz würde das zu sehr auffallen, wenn ein Act über Nacht plötzlich 100’000 mehr Streams auf Spotify hätte. Aber wer weiss, vielleicht gibt es ja so etwas in klein?

Nau.ch: Das klingt sehr pessimistisch. Was muss jetzt passieren?

Baldy Minder: Es bräuchte wohl so etwas wie Kontrollmechanismen und Sanktionen von Spotify und Co., die dafür sorgen würden, dass nicht mehr betrogen werden kann. Bei Künstlern, die ich herausbringe, sind alle Views und Streams echt.

Da wird nicht beschissen. Ich versuche meinen Acts klar zu machen, dass das wichtigste Gut eines Künstlers seine Echtheit ist. Seine Authentizität.

spotify
Baldy Minder ist Manager der Berner Rap-Crew Chlyklass. - Facebook/chlyklass

Damit hat man vielleicht kurzfristig weniger Erfolg und es braucht mehr Geduld. Dafür ist Erfolg dann meistens von längerer Dauer und echter. Vielen jungen Künstlern fehlt diese Geduld, sie wollen mit dem Kopf durch die Wand, bekannt werden. So erliegen sie auch der Verlockung, Youtube-Views zu kaufen.

Nau.ch: Und. Geht dieser Plan auf?

Baldy Minder: Natürlich nicht. An den Konzerten, wenn sie denn überhaupt welche haben, kommen dann oftmals nur wenig Leute. Ich glaube an eine gewisse Selbstregulierung in der Musiklandschaft.

Schlussendlich entscheidet immer noch die Qualität der Musik. Der Geschmack der Leute durch Streams beeinflussen ist schwierig. Das hoffe ich zumindest. Aber wer weiss: Vielleicht täusche ich mich ja und bin einfach ein Romantiker.

In der Reportage des Y-Kollektivs erklärt Hacker Kai, wie er «mega einfach» die Streaming-Charts manipulieren kann.
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