Tina* tindert sich durch Bern und Umgebung. In dieser Serie berichtet sie über ihre Dates. Langsam setzt eine Tinder-Depression ein. Ob sie dieser entkommt?
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Tina* ist 25 Jahre alt und single. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Tina* ist 25 Jahre alt und seit einigen Monaten wieder Single.
  • Samstags und sonntags spricht sie über ihre neuesten Abenteuer.
  • So langsam vergeht ihr die Tinder-Lust. Gibt es noch Hoffnung?
  • P. S. Beim Daten nimmt Tina natürlich auf die geltenden Corona-Massnahmen Rücksicht.

Ein ganzes halbes Jahr bin ich als Single unterwegs. Zu viele neue Gesichter habe ich in dieser kurzen Zeit kennengelernt. Daher war es Zeit für eine Pause. Einen Monat lang habe ich nicht ein einziges Date. Stattdessen unglaublich viel Zeit für mich.

Ich hatte einfach keinen Bock mehr, jemanden kennenzulernen. Keine Lust auf Smalltalk im Stil von «Hoi, wie geht's?». «Du langweilst mich jetzt schon», wäre in jedem Fall die richtige Antwort darauf gewesen. Doch jeder Tinder-Wisch sorgt für eine Endorphin-Ausschüttung – das ist wissenschaftlich bewiesen.

Der Vorname der Vergangenheit

Nach vier Wochen habe ich die Tinder-Lethargie überwunden, hole mir den Endorphin-Kick bewusst wieder. Und lande bei Adriano*. Ein Vorname, den ich bis zu diesem Zeitpunkt gemieden habe. Der Grund dafür? Mein Ex hatte denselben.

Doch irgendwas an Adrianos Tinder-Profil weckt mein Interesse. Seine Bilder liefern eine perfekte Mischung: sportlich, elegant, ein bisschen Abenteuer, eine gewisse Sympathie und doch etwas Arrogantes. Was mich aber wirklich packt, ist eines seiner Interessen: Spiritualität. Sie steht im Einklang mit dem Profilbild, welches ihn vor einem buddhistischen Tempel zeigt.

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Adriano fühlt sich zum Buddhismus hingezogen. - Pexels

Ein Tag zieht ins Land, bis Adriano sich bei mir meldet: «Ich denke, wir passen zu 90 Prozent zusammen.» Na, da bin ich mal gespannt! «Du bist dir deiner Sache ziemlich sicher, oder?», antworte ich. Adriano will wissen, über welches Thema ich mich mit ihm gerne austauschen würde. Ich will mehr über diese Spiritualität wissen.

Die Nachrichten werden immer länger. Wir wechseln auf Whatsapp. Und plötzlich schneit die erste Sprachnachricht rein. Ich bin froh, dass ich seine Stimme bereits vor unserem ersten Date einmal hören kann. Er klingt sympathisch, spricht ruhig. Ein Widerspruch zu seiner Erscheinung. Die wirkt mit all den Tattoos eher hart und distanziert.

Mut zur Neuorientierung

Ich schlage vor, dass wir unsere Konversation bald mal von Angesicht zu Angesicht fortführen. Und so treffen wir uns am Samstag beim Loebegge in Bern. Mit zwei Kaffeebechern in der Hand treffe ich pünktlich ein und warte. Plötzlich berührt mich jemand von hinten sanft am Arm. Sofort weiss ich, dass es Adriano sein muss.

Drei Küsschen und wir machen uns auf den Weg an die Aare. Von der ersten Sekunde an passt es – zumindest für mich. Wir spazieren dem Fluss entlang, er erzählt mir von sich, seinem Leben und dass er sich derzeit ein Time-Out nimmt. Seinen alten Job hat er an den Nagel gehängt, um sich neu zu orientieren – seine Leidenschaft zu finden. Ich bin begeistert von seinem Mut – wow!

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Monatelang hat Tina den falschen Sachen hinterhergejagt. - Pexels

Und dann sagt Adriano etwas, das in mir plötzlich für Klarheit sorgt. «Ich habe die Zeit der One-Night-Stands hinter mir. Was ich suche, ist eine feste Beziehung mit Tiefe, eine Frau fürs Leben.» Monatelang habe ich mich mit Fuckboys rumgeschlagen – und jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich suchte dabei eigentlich nach Liebe und Bestätigung. Heute bin ich auf dem Weg, mir diese selbst zu geben – und fühle mich besser denn je.

«Willst du das denn auch?», will Adriano wissen. Ja, bitte! Kein Smalltalk mehr, keine Oberflächlichkeit, keine Enttäuschung oder Herzschmerz. «Aber sowas von», antworte ich – und bin erneut begeistert (Wow zum Zweiten!).

Den Schalk im Nacken

Durch die Gespräche erfahre ich immer mehr von Adriano. Er ist ein Empath. Soll heissen, seine Sinne sind schärfer: Er nimmt Stimmungen und Gefühle anderer Menschen intensiver wahr. Ich merke, dass hinter der harten Oberfläche eine sensible und warme Seele steckt.

Vier Stunden sind wir insgesamt unterwegs. Ich bin noch mit meinen Freundinnen verabredet. Deshalb muss ich mich langsam von Adriano verabschieden.

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Bevor ich mich von Adriano verabschiede, geniessen wir ein Kaffee auf der grossen Schanze in Bern. - Keystone

«Wollen wir uns vielleicht nächste Woche wiedersehen?», schlage ich vor. «Uh, da muss ich erst meinen Kalender checken. Warte – ach, keine Termine. Ich bin ja arbeitslos», scherzt er. «Wollen wir wandern gehen?», schlägt Adriano vor. Ich strahle und nicke. «Unbedingt», antworte ich. Mein erster Eindruck (nur, falls ich es noch nicht erwähnt habe): WOW!

Wollten Sie sich schon einmal beruflich neu orientieren?

Wie die Wanderung mit Adriano verläuft, erfahrt ihr in Staffel 3 – Folge 7. Nächsten Samstagabend, selbe Zeit, selber Ort.

*Die Namen sind zur Verfremdung der Personen abgeändert.

Bisher in der 3. Staffel erschienen:

Folge 1 – «Der Dresscode für erstes Date steht, wann?»

Folge 2 – «Ich habe meinen Freunden erzählt, dass ich Tinder-Tina von Nau.ch date...»

Folge 3 – «Ob es am Alkohol liegt, dass es bei ihm nicht klappt?»

Folge 4 – «Ob es wohl beim zweiten Versuch klappt?»

Folge 5 – «Ich habe die Schnauze voll von dieser Dating-App!»

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