Welche Rolle spielt Politik bei neuen Technologien? Und wie wird sie geprägt? Die Nationalräte Min Li Marti und Jörg Mäder erzählen im Deep Tech Podcast.
Die Nationalrät*innen Min Li Marti und Jörg Mädder im Deep Technology Podcast.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Politik ist der Technologie oft einen Schritt hintendrein.
  • Der Austausch rund um neue Technologien sollte alle Menschen miteinbeziehen.
  • Die Nationalräte Min Li Marti und Jörg Mäder sehen Spott auf die Politik zukommen.

Im Deep Technology Podcast geht es darum, wie Menschen über neue Technologien und ihren Einfluss auf die Gesellschaft denken.

Manuel Stagars unterhält sich in dieser Episode mit Min Li Marti und Jörg Mäder. Marti ist Nationalrätin der SP und Chefredaktorin der Wochenzeitung P.S. Mäder ist Nationalrat der Grünliberalen, Umweltwissenschaftler, Softwareentwickler und Lehrer.

Wer ist für die Regulierung von Technologien verantwortlich? In den bisherigen Episoden waren viele der Meinung, die Regulierung sei Sache der Politik. Hier gebe es einigen Nachholbedarf. «Solche generellen Aussagen helfen uns wenig», findet Marti. «Das muss viel konkreter sein.»

«Die Leute fühlen sich nicht ernstgenommen»

Und da wären wir schon beim nächsten Problem: der Austausch zwischen Gesellschaft und Politik. «Das funktioniert nur halbwegs», findet Marti. Der Dialog finde in fast schon elitären Kreisen statt. «Es sind die immergleichen Leute, die viel wissen und meist auch schon in der Tech-Branche arbeiten.»

Fühlen Sie sich bei digitalen Themen von der Politik ernstgenommen?

Miteinbezogen sollten auch jene werden, die sich weniger gut auskennen. Marti: «Widerstand gegen Technologien wie 5G ist oft Symptom von Unzufriedenheit. Die Leute fühlen sich nicht ernst genommen.»

Spott wegen Fake-News?

Unternimmt die Politik genug für den Datenschutz? Jörg Mäder: «Wir sind ganz klar noch nicht so weit, dass wir sagen können: Wir haben es im Griff.»

Im letzten Jahrhundert sei zum Beispiel radioaktive Zahnpasta ein Verkaufshit gewesen. Verschrieben worden gegen Haarausfall, für weisse Zähne – ein Wundermittel eben. Radioaktivität war damals das Verkaufsargument schlechthin.

Deep Technology Podcast
Min Li Marti und Jörg Mäder im Deep Technology Podcast. - zVg.

Mäder: «Heute blicken wir zurück und können nur darüber lachen. Wahrscheinlich wird man in zwei oder drei Generationen darüber lachen, wie wir mit Datenschutz, Fakenews und Deepfake umgegangen sind.»

«Haben viele Grundrechte aufgegeben»

In Diskussionen um Datenschutz und Überwachung ist die Terror-Bekämpfung ein klassisches Beispiel. Wie weit sollte die Menschheit gehen, um Verbrechen zu verhindern?

Mit Algorithmen lässt sich schon heute gewissermassen die Wahrscheinlichkeit für ein Verbrechen schätzen. Stichwort: Minority Report. Was einst Science Fiction war, wird immer mehr Realität. Marti findet, dass wir hier schon viele Grundrechte aufgegeben werden.

Überwachungszentrum
Eine Überwachungskamera an einer Gebäudewand. (Symbolbild) - Pixabay

«Wie viel das in der Realität bringt, wissen wir noch gar nicht». Dafür aber ist schon länger klar, dass auch Algorithmen diskriminierend sein können. Und das nicht nur bei Themen wie Gesichtserkennung.

Diese und weitere Fragen und Antworten rund um neue Technologien und Politik in dieser Episode des Deep Technology Podcasts.

Der Podcast erscheint wöchentlich und ist hier, auf Spotify, auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf deeptechnology.ch abrufbar.

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