Ist lügen die neue Wahrheit? Gemäss Forschung sind wir mit dem Lügen in bester Gesellschaft.
Puppen
Entdecken Sie die Wahrheit. - Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Wir lügen zweimal täglich – im Durchschnitt.
  • Es wird mit Technologien immer schwieriger, die Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden.
  • André Gassmann ist Coach und schreibt für Nau.ch über die Wahrnehmung unserer Welt.

«Lügen haben kurze Beine» heisst es. Und doch kommt die Lüge häufiger als erste ans Ziel. Die drei Herren oben im Bild sind in diesem Rennen sicherlich unterschiedlich schnell unterwegs (gewesen).

Lügen Sie bewusst?

Fachpersonen sind sich einig. Wir können sie kaum vermeiden, die Lüge. Sie soll uns vor drohenden Konsequenzen bewahren oder uns einen bewussten Vorteil verschaffen.

Und trotzdem bleibt da die Frage nach der Moral.

Darf ich bei der Bewerbung falsche Angaben machen? Soll ich den Seitensprung gestehen? Darf ich bewusst falsche Informationen verbreiten?

Pinocchio
Pinocchio – Sinnbild der Lüge. - Unsplash

Wir alle ahnen, wie hoch die Dunkelziffer sein muss, wenn wir im Durchschnitt zweimal täglich lügen. Zu diesem Schluss kommt nämlich die «Pinocchio-Studie» aus dem Jahr 2015.

Lügen will gelernt sein

Die Deutsche Professorin Kristina Suchotzi ist Lügenforscherin und Mitverfasserin der Pinocchio-Studie.

Gemäss der Studie sind es drei Kriterien, die Lügner erfolgreich machen: Die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu steuern, der Wille zum Lügen und wie häufig wir es praktizieren.

Aber aufgepasst, diese Fähigkeiten können im Alter nachlassen.

Sind Notlügen harmlos?

Wer auf Lügen reinfällt, ist weder naiv noch dumm. Jeder ist, zumindest statistisch gesehen, gleichzeitig Täter und Opfer, wenn es ums Lügen oder die Wahrheit geht.

Die Wahrheit sollte das erstrebenswerte Ziel sein, an dem wir uns ausrichten. Das gilt auch für die Notlüge, die doch eine Lüge bleibt.

Unser Zusammenleben baut grundsätzlich auf gegenseitigem Vertrauen auf. Ob in der Familie, im Beruf und wünschenswert auch in der Politik.

«Deep Fakes» für eine bessere Welt?

Die «Lüge wie gedruckt» ist längst abgelöst durch digitale Möglichkeiten. Heute lassen sich Ansprachen von Staatsfrauen (und - männern) täuschend echt mit moderner Videotechnologie, sogenannten Deep Fakes, simulieren.

Worte, die nie gesagt wurden, von Menschen, die gar keine sind. Sie haben nicht den Hauch einer Chance, die Lüge in der Manipulation zu erkennen.

Wenn Vertrauen ein so hohes Gut ist, weshalb hat sie für viele einen so geringen Wert?

Die Wahrheit wäre leichter

Im persönlichen Gespräch steht, auch bei der Lüge, immerhin die Wahrheit im Fokus. Denn alles was gesagt und getan wird soll verhindern, die Wahrheit preiszugeben. Womöglich über einen längeren Zeitraum.

Eine Höchstleistung des Gehirns, die Energie kostet. «Gerade kleine Kinder schaffen dieses Zurückhalten häufig noch nicht», sagt Kristina Suchotzki.

Schafft das Lügen ab

Vielleicht sollte es uns nachdenklich stimmen, dass kleine Kinder das Lügen erst von uns lernen müssen. Wir könnten als Erwachsene ganz einfach mit gutem Beispiel vorangehen.

Ich halte weiterhin zur Wahrheit auch wenn ich sie nicht immer erkenne. Den Reflex zum Lügen erkenne ich bestimmt, ich hab ihn ja gelernt.

Und wenn Sie das nächste Mal einer Person ins Gesicht lügen, seien Sie wenigstens ehrlich dabei.

Der Autor
André Gassmann. - zVg

Über den Autor: André Gassmann ist Coach für erweiterte Intuition und Wahrnehmung, Dozent, Kommunikationsexperte und Ritual- und Zeremonienleiter. Gemeinsam mit seiner Frau Karin unterstützt er als «Die Heldenflüsterer» Menschen im Erforschen und Integrieren ihrer Feinfühligkeit ins Leben. Er entdeckt täglich eine Welt, wie er sie noch nie gesehen hat.

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