Gesundheit Aargau: Was steckt hinter der Frühjahrsmüdigkeit?
Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, fühlen sich viele Menschen plötzlich müde und antriebslos. Das ist die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Frühjahrsmüdigkeit ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Anpassungsreaktion.
- Typische Symptome sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Kreislaufbeschwerden.
Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen endlich steigen, fühlen wir uns oft müde und antriebslos. Dieses Phänomen nennt man Frühjahrsmüdigkeit. Es tritt vor allem zwischen März und Mai auf. Doch was steckt wirklich dahinter und wie kann man die Müdigkeit gezielt lindern?
Wenn der Körper sich umstellen muss
Frühjahrsmüdigkeit ist eigentlich gar keine Krankheit. Eher eine ganz normale Anpassungsreaktion des Körpers, wenn es Frühling wird. Nach den langen, dunklen Wintermonaten muss sich unser Organismus plötzlich auf mehr Licht, höhere Temperaturen und veränderte Tagesrhythmen einstellen.
Dieser Umstellungsprozess kann mehrere Wochen dauern und belastet das innere Gleichgewicht vorübergehend. Es kann also durchaus sein, dass wir uns auch noch im April schlapp und ohne Energie fühlen.

Eine wichtige Rolle spielen die Hormone Melatonin und Serotonin. Melatonin macht müde und wird vor allem bei Dunkelheit ausgeschüttet, während Serotonin stimmungsaufhellend und aktivierend wirkt.
Mit dem zunehmenden Tageslicht sinkt die Melatoninproduktion und die Serotoninbildung steigt. Diese Umstellung geschieht nicht von heute auf morgen und kann vorübergehend zu einem Ungleichgewicht führen.
Zusätzlich reagiert auch das Herz-Kreislauf-System auf den Frühling. Die höheren Temperaturen lassen die Blutgefässe erweitern. Es kann passieren, dass der Blutdruck gesenkt wird. Einige Menschen spüren das als Schwindel, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme.
Tageslicht wirkt sich auf unsere innere Uhr aus
Wie häufig Frühjahrsmüdigkeit vorkommt, lässt sich nicht exakt sagen, weil sie keine eigenständige Diagnose ist.
Das Bundesamt für Gesundheit hat 2023 festgestellt, dass rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung in Mitteleuropa im Frühling unter saisonalen Anpassungsbeschwerden leiden. Darunter fallen Müdigkeit, leichte Stimmungsschwankungen bis hin zu verminderter Leistungsfähigkeit.

In einer Studie der Universität Zürich von 2024 wird gezeigt, dass die zunehmende Tageslichtdauer direkt auf unsere innere Uhr wirkt. Sie kann kurzfristig zu Schlafstörungen und Erschöpfung führen. Besonders deutlich ist das bei Menschen, die im Winter nur wenig natürliches Licht abbekommen haben.
Typische Symptome im Alltag
Die Beschwerden schleichen sich meist langsam ein und werden nicht immer gleich mit dem Jahreszeitenwechsel in Verbindung gebracht. Typisch sind anhaltende Müdigkeit, ein deutlich erhöhter Schlafbedarf und Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen.

Auch Kopfschmerzen oder Kreislaufbeschwerden können hinzukommen, besonders bei schnellen Wetterwechseln. Gelegentlich treten leichte Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit auf. All diese Symptome sind in der Regel vorübergehend und verschwinden, sobald sich der Körper an die neue Jahreszeit gewöhnt hat.
Gesundheit: Was im Alltag wirklich hilft
Auch wenn die Frühjahrsmüdigkeit von allein wieder vergeht, kann man den Körper bei der Umstellung gut unterstützen. Eine der wirksamsten Massnahmen ist regelmässige Bewegung an der frischen Luft.
Tageslicht bringt den Hormonhaushalt schneller ins Gleichgewicht. Schon kurze Spaziergänge wirken sich positiv auf Kreislauf und Stimmung aus.

Ebenso zentral ist ein stabiler Schlafrhythmus. Feste Schlaf- und Aufstehzeiten helfen dem Körper, sich schneller an die veränderten Lichtverhältnisse anzupassen. Eine optimale Schlafhygiene unterstützt die Erholung zusätzlich. Darunter fällt zum Beispiel das Lüften, regelmässig die Bettwäsche wechseln und zeitig ins Bett gehen.
Auch die Ernährung spielt eine grosse Rolle. Frisches Obst, Gemüse und ausreichend Flüssigkeit versorgen den Stoffwechsel mit Vitaminen und Mineralstoffen. Schweres und fettiges Essen sollte man dagegen eher reduzieren, weil es zusätzlich belastet.
Wechselduschen oder kurze kalte Reize aktivieren den Kreislauf und fördern die Durchblutung. Aber auch hier vorsichtig, erst herantasten. Bei Vorerkrankungen immer erst den Arzt konsultieren.
Wann man genauer hinschauen sollte
In den allermeisten Fällen ist Frühjahrsmüdigkeit harmlos und verschwindet innerhalb weniger Wochen von allein. Es gibt jedoch Situationen, in denen man besser genauer hinschaut.

Hält die Müdigkeit besonders lange an oder ist sie sehr stark ausgeprägt, können auch andere Ursachen dahinterstecken. Etwa ein Eisenmangel, Schilddrüsenprobleme oder chronische Schlafstörungen.
Auch anhaltende depressive Verstimmungen sollten ernst genommen werden. In solchen Fällen lohnt es sich, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen und die Beschwerden abklären zu lassen.















