Ist die nordische Diät die neue Mittelmeerkost?

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    Bern,

    Die mediterrane Küche bekommt Konkurrenz – und zwar von der nordischen Ernährung. Stimmt die Annahme, dass letztere genau so gut für die Gesundheit ist?

    Diät Fisch nordisch
    Zur nordischen Diät gehört vor allem viel Fisch. - Unsplash

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die nordische Ernährung basiert auf regionalen Lebensmitteln Skandinaviens.
    • Vollkorngetreide, Wurzelgemüse und viel Fisch gehören dazu.
    • Einen wirklichen Unterschied zur mediterranen Ernährung gibt es nicht.
    • Experten plädieren für eine Ernährungsweise «nach dem europäischen Aspekt».

    Der Norden ist in. Nicht nur in der Mode oder der Inneneinrichtung, auch in Sachen Ernährung schauen so einige Menschen in Richtung Skandinavien.

    Nordische Ernährung, New Nordic Diet oder Wikinger-Diät sind hier die Stichwörter.

    Was kommt dabei auf den Teller? Und bringt diese Ernährungsform für Gesundheit und Lebenserwartung genauso viel wie die mediterrane Ernährung, die als Goldstandard gilt?

    Regionale Lebensmittel stehen im Mittelpunkt

    Die nordische Küche basiert auf den regionalen Lebensmitteln und traditionellen Ernährungsweisen der nordeuropäischen Länder.

    Sie wurde um das Jahr 2010 herum von dem Komitee «Nordic Food Policy Lab» entwickelt. Ziel dieser Initiative der nordeuropäischen Ministerpräsidenten: mehr regionale und nachhaltige Nahrungsmittel auf den Tisch bringen.

    «Dabei geht es vor allem um pflanzliche und unverarbeitete Lebensmittel, die in den nordeuropäischen Ländern zu finden sind», sagt Carolin Groth. Sie ist Referentin für Lebensmittel und Ernährung.

    Randen Wurzelgemüse Speiseplan
    Gesunde Knolle: Wurzelgemüse wie Randen steht bei der nordischen Ernährung regelmässig auf dem Speiseplan. - Zacharie Scheurer/dpa-tmn

    Zur nordischen Ernährung gehören Vollkorngetreide, vor allem Roggen, Gerste und Hafer. Eine wichtige Rolle spielen auch Wurzelgemüse wie Randen und Karotten, ausserdem Beeren und regionales Obst wie Äpfel und Birnen.

    «Auch Nüsse, Pilze und Hülsenfrüchte gehören zum Speiseplan», sagt Carolin Groth.

    Diese pflanzlichen Lebensmittel werden durch fettreichen Fisch wie Lachs und Makrele und fettarme Milchprodukte ergänzt.

    Öle bestehen in der nordischen Ernährung meist aus Raps, Sonnenblumen und Leinsamen. Fleisch steht laut Groth selten auf dem Speiseplan, meist nur einmal die Woche.

    Ähnlichkeit zur Mittelmeerkost

    «Eine wirkliche Abgrenzung von der typischen Mittelmeerkost gibt es aber nicht, denn die Grundidee ist bei beiden Ernährungsformen ähnlich», sagt Carolin Groth.

    Denn auch die Mittelmeerkost punktet durch viele pflanzliche Lebensmittel.

    Neben Gemüse sind hier laut Groth vor allem Obst, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte sowie Getreide, Fisch und Olivenöl zu finden. Fleisch und Milchprodukte kommen ebenfalls eher selten auf den Tisch.

    All das versorgt den Körper gut mit Vitaminen, Mineral-, Ballast-, und sekundären Pflanzenstoffen.

    Fisch Fett Omega-3 Zellen
    Fisch liefert Omega-3-Fettsäuren, einen wichtigen Baustein für unsere Zellen. - Christin Klose/dpa-tmn -

    Dazu kommen Fisch und pflanzliche Fette, also eine gute Versorgung mit gesunden Fettsäuren. «Dass bei beiden Ernährungsweisen Fleisch nur selten verzehrt wird, ist aus gesundheitlicher Sicht positiv», sagt Groth.

    Zur nordischen Ernährung fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse

    Für den Ernährungsmediziner Prof. Johannes Wechsler ist hingegen klar: Die nordische Ernährung kann mit der Mittelmeerdiät nicht mithalten.

    «Für die nordische Diät kann ich keine Lanze brechen, weil es dazu keine gesicherten Erkenntnisse gibt», sagt der Ernährungsmediziner.

    Für die nordische Diät müssten demnach die Fakten sprechen. Nämlich, dass Menschen in Skandinavien länger leben als im Süden. «Aber die Lebenserwartung ist im Norden wie im Süden Europas fast identisch, sie liegt bei etwa 85 Jahren. Plus oder minus ein Jahr ist dabei völlig egal.»

    Auch die Sterblichkeitsraten sind innerhalb der EU ähnlich. Sie sind laut Wechsler aber eher abhängig von der medizinischen Versorgung und weniger von der Ernährung.

    Auf die nordische Diät umschwenken, in der Hoffnung, das Leben zu verlängern – das geht demnach nicht auf.

    Einige Nährstoffe könnten fehlen

    Die nordische Küche könne dem Körper zudem nicht alles geben, was er brauche, sagt Wechsler.

    «Denn sie ist relativ vitamin- und ballaststoffarm, dafür aber fettreich. Der Norweger isst nämlich wenig Orangen oder Salat. Das wächst halt da oben nicht.» Seiner Ansicht nach fehlen in der nordischen Ernährung auch die Ballaststoffe – etwa aus dunklen Brotsorten.

    Das Sinnvolle und Gute aber an dieser Ernährungsweise ist die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren. «Man isst also viel Fisch. Und man isst wenig Fleisch.»

    Eine Ernährung nach dem europäischen Aspekt

    Im Norden, im Süden, ganz woanders: Wo und wie isst es sich denn nun besonders gesund?

    Bei keiner wissenschaftlich fundierten Ernährungsempfehlung gehe es darum, die traditionellen Gerichte wie die Pizza in Italien oder die Rösti in der Schweiz abzuschaffen, betont Wechsler.

    Diese Ernährungsweisen gehören zur Kultur einer Region. «Es ist rein die Menge, die den Unterschied ausmacht. Jeder Schweinsbraten ist gesund, solange der Mensch nicht jeden Tag Riesenportionen davon isst.»

    Wechsler spricht sich daher für eine Ernährungsweise aus, die dem nordischen und dem mediterranen Aspekt übergeordnet ist – eine nach dem europäischen Aspekt.

    So sieht die optimale Ernährung aus

    «Eine vernünftige Ernährung hat wissenschaftliche Grundprinzipien. Und diese kann man in Helsinki genauso wie in Rom einhalten.»

    Ernährung Diät Prinzipien Experten
    Eine gesunde Ernährung folgt laut Experten wissenschaftlichen Prinzipien und nicht dieser oder jener exklusiven Diät. - Unsplash

    Die optimale Ernährung sollte laut Wechsler fett- und salzarm sein und wenig tierisches Eiweiss und Fett enthalten. Auch kurze Kohlenhydrate, also Zucker, und Cholesterin isst man besser nur in Massen.

    Stattdessen: viel Gemüse, Salat, Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren, etwa durch Fisch zweimal pro Woche.

    «Aber viel wichtiger als die Ernährung ist die Energiebilanz: Jede Ernährung, die im Übermass zugeführt wird, ist schädlich», sagt Wechsler.

    Wer zu viel Salz und Fett isst, erhöht sein Risiko etwa für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Sachen Lebenserwartung ist sich der Ernährungsmediziner daher sicher: «Wir haben also noch Luft nach oben!»

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