Diesel 2026: Für wen sich der Selbstzünder noch rechnet
Rekordpreise an der Zapfsäule, nur noch 6 Prozent Marktanteil, kaum noch neue Modelle: Der Diesel scheint erledigt. Für diese Autofahrer-Typen aber noch nicht.

2.46 Franken kostete ein Liter Diesel in der Schweiz Mitte September im Schnitt. So teuer war er noch nie. Trotzdem fahren hierzulande noch rund 1.9 Millionen Fahrzeuge mit Selbstzünder.
Im Neuwagenmarkt spielt der Diesel kaum noch eine Rolle. Von Januar bis August 2026 lag sein Anteil laut Auto-Schweiz bei 5.5 Prozent. 2015 war es noch über ein Drittel. Elektroautos kamen im gleichen Zeitraum auf 24.8 Prozent.
Auch das Angebot schrumpft: Neue Kleinwagen gibt es laut ADAC nicht mehr mit Dieselmotor. Auto-Schweiz-Direktor Thomas Rücker spricht von einem strukturellen Wandel im Markt.
Der Steuernachteil an der Säule
Der Preisunterschied zu Benzin liegt nicht nur am Ölmarkt. In der Schweiz wird Diesel mit 79.57 Franken pro 100 Liter höher besteuert als Benzin mit 76.82 Franken.

In Deutschland ist es umgekehrt, dort ist Diesel steuerlich bevorzugt. Die aktuelle Preisspitze erklärt der TCS mit dem Krieg im Iran.
Ab wann der Diesel günstiger fährt
Bei diesen Preisen muss ein Diesel pro Kilometer deutlich sparsamer sein. Erst ab rund 12 Prozent weniger Verbrauch als beim Benziner fährt er günstiger.
Ein Rechenbeispiel: Der Diesel braucht 5.5 Liter, der Benziner 7 Liter auf 100 Kilometer. Dann spart der Diesel rund 1.65 Franken pro 100 Kilometer.

Kostet er in der Anschaffung 2000 Franken mehr, ist dieser Aufpreis erst nach gut 120'000 Kilometern wieder eingefahren. Wer jährlich 30'000 Kilometer fährt, schafft das in rund vier Jahren.
Wo der Diesel seine Stärken hat
Seine Stärken spielt der Diesel bei hohen Laufleistungen und auf der Autobahn aus. Wer schwere Anhänger oder Wohnwagen zieht, profitiert vom hohen Drehmoment bei tiefer Drehzahl.
Für bestehende Fahrzeuge gibt es zudem den Biodiesel HVO 100 aus Altfetten und Altölen. Er senkt den CO2-Ausstoss laut TCS um 80 bis 90 Prozent.
Eine Stichprobe des TCS ergab 2025 allerdings Mehrkosten von 20 bis 28 Rappen pro Liter. Zudem bieten in der Schweiz bislang nur wenige öffentliche Tankstellen HVO 100 an.
Euro 7 ist kein Todesurteil
Ab dem 29. November 2026 gilt in der EU für neue Fahrzeugtypen die Abgasnorm Euro 7. Ein Jahr später muss sie jeder neu zugelassene Personenwagen erfüllen.

Die Grenzwerte für Schadstoffe im Abgas bleiben laut ADAC aber auf Euro-6-Niveau. Neu sind Vorgaben für Bremsabrieb, die auch Elektroautos betreffen.
In Deutschland verlieren Diesel-Occasionen laut Marktbeobachtern bereits stärker an Wert als Benziner. Wer wenig und meist kurz fährt, für den lohnt sich der Diesel heute kaum noch.
Diesel in der Schweiz – Zahlen & Fakten
- Marktanteil Neuwagen Jan.–Aug. 2026: 5.5 % (2015: über 35 %)
- Bestand: rund 1.9 Mio. Fahrzeuge mit Dieselmotor (Sept. 2026)
- Preise (16.10.2026): Diesel CHF 2.45, Bleifrei 95 CHF 2.16 pro Liter
- Rekord Diesel: CHF 2.46 (Mitte September 2026)
- Steuern pro 100 l: Diesel CHF 79.57, Benzin CHF 76.82
- Gewinnschwelle: Diesel muss ca. 12 % weniger verbrauchen als der Benziner
- HVO 100: minus 80–90 % CO2, 20–28 Rp./l teurer (TCS 05/2025)
- Euro 7: neue Typen ab 29.11.2026, alle Neuwagen ab 29.11.2027







