Nico Hischier: «Ich bin immer auf der Suche nach Verbesserungen»
Nico Hischier ist mit den New Jersey Devils in die neue NHL-Saison gestartet. Gleichzeitig engagiert er sich als Investor beim Unternehmen Sensopro.

Am 1. Oktober ist Nico Hischier mit den New Jersey Devils in die neue NHL-Saison gestartet, auf die er sich einmal mehr in der Schweiz vorbereitet hat. Gleichzeitig hat er den Sommer genutzt, um sich geschäftlich zu engagieren – als Investor und Mitinhaber beim auf Koordinationstraining spezialisierten Unternehmen Sensopro aus Münsingen.
SLAPSHOT: Wie haben Sie den Sommer verbracht?
Nico Hischier: Es war sehr schön, danke!
SLAPSHOT: Eine Schrecksekunde gab es allerdings beim «Aareböötle» …
Hischier: Das ist eine andere Geschichte. Es klang danach, als ob ich eine Familie vor dem Ertrinken gerettet hätte. Aber das wurde aufgebauscht. Sie sind mit dem Boot steckengeblieben, aber am Ertrinken war niemand.
Meine Kollegen und ich sowie andere Leute waren vor Ort, haben die Polizei kontaktiert, die auch schnell kam. Sie hatten die Tools wie lange Seile, um diese Menschen aus dieser Situation zu befreien, und wir haben ein wenig geholfen. Mehr war da nicht.

SLAPSHOT: Es hat getönt, als seien Sie in Lebensgefahr gewesen.
Hischier: Da sieht man, dass auch mal etwas dazuerzählt wird und eine Geschichte entsteht, die eigentlich gar keine Geschichte sein sollte.
SLAPSHOT: Wie lange haben Sie gebraucht, um die WM wegzustecken?
Hischier: Die Final-Niederlage wird mich ein Leben lang ein wenig stören. Ich reflektiere danach jeweils die WM, die Spiele und versuche dann, dies aus einer anderen Perspektive anzuschauen und in einer Schublade abzulegen. Im Sommer, wenn ich mit Kollegen und der Familie zusammen bin und Ferien habe, ist dies relativ einfach.
Wenn man dann wieder darüber spricht, wird diese Schublade aber aufgezogen. Momentan habe ich das verarbeitet, aber die Niederlage stört mich nach wie vor und macht mich auch traurig. Als Sportler will man immer gewinnen.
Gleichzeitig erfüllt es mich mit Dankbarkeit, dass ich mit diesem Team diese Heim-WM erleben durfte. Ich will bewusst wahrnehmen, dass dies nicht selbstverständlich ist. Ebenso wenig selbstverständlich ist, dass wir den Final erreicht haben.
SLAPSHOT: Es war eine spezielle Reise …
Hischier: Diese Erinnerungen werden für immer bleiben, auch wenn es natürlich noch cooler gewesen wäre, wenn wir den Titel gewonnen hätten. Aber der Sport ist schlussendlich einfach so – und die Erde dreht sich weiter.
Irgendetwas hat gefehlt. Was dies war, würde ich gerne präzisieren. Aber es ist schwierig, genau zu definieren, was gefehlt hat. Grundsätzlich versuche ich, diese WM in positiver Erinnerung zu behalten.
SLAPSHOT: Die Stimmung war einzigartig, auch die Atmosphäre rund ums Stadion. Das war der Lohn für eure Leistungen.
Hischier: Genau das haben wir auch auf dem Eis gefühlt. Eine solche Unterstützung ist in Amerika oder auch an anderen Weltmeisterschaften nicht denkbar. Es gibt immer ein Wochenende, an dem das Stadion rot ist. Doch jetzt war dies in jedem Spiel so. Und dafür bin ich sehr dankbar.
SLAPSHOT: Wie haben Sie das Sommertraining absolviert?
Hischier: Mehr oder weniger so wie immer. Aber irgendwie ist der Sommer zu kurz für mich, es geht relativ schnell wieder aufs Eis.
SLAPSHOT: Macht das Sommertraining auch Spass oder ist es mehr ein Übel?
Hischier: Wenn ich Spass sage, lüge ich Sie an. Es macht Spass, andere Leute wiederzusehen und mit ihnen zu arbeiten, miteinander zu trainieren. Aber man probiert, immer an seine Grenzen zu gehen, und das ist kein schönes Gefühl.
Es ist aber ein Teil dieses Berufs, und ich weiss, dass es mir dann während der Saison zugute kommt. Ich spiele aber definitiv lieber Eishockey, als das Sommertraining zu absolvieren. Ich weiss nicht, wie viele Eishockeyspieler sagen, dass ihnen das Sommertraining Spass macht.
Schön ist aber, dass man am Morgen ins Training geht, arbeitet und Sport treibt, was gesund ist. Gesundheit und Wohlbefinden haben für mich eine grosse Bedeutung. Sport ist unglaublich wichtig für den Menschen.

SLAPSHOT: Wird das Gesundheits- und Körperbewusstsein mit steigendem Alter grösser?
Hischier: Ich denke schon. Aber ich frage mich auch: Wieso ist das nicht schon früher der Fall? Und nicht erst, wenn Beschwerden auftauchen. Leichte Bewegungen sind wichtig, gleichzeitig sagt man aber, dass Spitzensport teilweise zu viel ist.
SLAPSHOT: Blicken wir vorwärts. Was haben Sie sich für die neue Saison vorgenommen? Die Qualifikation für die Playoffs?
Hischier: Auf jeden Fall! Wir haben eine Bounce Back Season, in der wir all jenen, die uns abschreiben, zeigen wollen, dass wir ein gutes Team sind. Ich hoffe, dass wir mal eine verletzungsfreie Saison spielen können. Es muss uns gelingen, konstant aufzutreten – und dann, davon bin ich überzeugt, können wir sehr gut sein.
Das haben wir auch schon gezeigt. Wir hatten letzte Saison einen sehr guten Start und sind dann eingebrochen. Diese Konstanz zu erreichen, ist auch für ein gutes Team schwierig, denn eine Saison ist ein Auf und Ab. Die Frage ist dann, wie schnell man eine Abwärtstendenz stoppen kann.
SLAPSHOT: Sie haben im Sommer bei New Jersey einen neuen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Mussten Sie lange überlegen?
Hischier: Es war mein Ziel, bei New Jersey zu bleiben. Ich habe natürlich mit dem neuen GM gesprochen und wollte den Plan der Organisation hören. Ich fand diesen Plan interessant und bin froh, dass wir uns schnell einigen konnten, sodass ich mich wieder aufs Eishockey konzentrieren konnte.
Klar, es gab schon auch andere Gedanken. Doch New Jersey hat mich gedraftet und mir als Athlet meinen Traum erfüllt. Als Athlet kann man dies am besten mit Erfolg zurückgeben.

Für mich war wichtig, nicht jetzt, wo es etwas schlechter läuft, wegzurennen. Sondern zu zeigen, dass ich zum Klub stehe. Ich will ein Teil der Lösung sein. Und mithelfen, alles wieder in die richtige Spur zu bringen.
SLAPSHOT: Loyalität ist Ihnen wichtig …
Hischier: Ja, aber ich bin nicht naiv. Ich weiss auch, dass New Jersey in einem oder zwei Jahren sagen könnte, dass man mich nicht mehr will. Loyalität hat im Profisport nicht immer einen grossen Stellenwert. Aber die Verlängerung hat sich richtig angefühlt.
Wenn mich New Jersey eines Tages nicht mehr möchte, kann ich einfacher damit leben, als wenn ich heute sagen würde: Ich habe keinen Bock mehr auf euch, tschüss zusammen. Solche Werte sind mir wichtig, und der Entscheid wurde auch durch mein Bauchgefühl unterstützt.
SLAPSHOT: War das Bauchgefühl auch für den Einstieg bei Sensopro positiv?
Hischier: Da haben das Bauchgefühl und der Verstand mitgespielt. Gesundheit und Wohlbefinden werden mich auch nach dem Eishockey interessieren. Das ist extrem wichtig. Sensopro hat diesbezüglich alle wichtigen Tools. Zudem ist in den letzten Jahren mein Interesse am Koordinationstraining gestiegen.
Das körperliche Training im Zusammenhang mit dem Gehirn, dem mentalen Bereich. Sensopro unterstützt das. Ich bin immer auf der Suche nach Verbesserungen. Nach dem einen Prozent, das mich besser macht – und genau in diesem Bereich sehe ich grosses Potenzial.
Andererseits habe ich so die Chance erhalten, mich persönlich weiterzuentwickeln. Ich bin ein aktiver Begleiter und nicht einfach nur Investor. Ich komme in eine neue Welt und kann auch betreffend Business etwas lernen.
Nico Hischier
Geboren: 4. Januar 1999
Grösse: 186 cm
Gewicht: 91 kg
Bei den New Jersey Devils seit: 2017
Vertrag bis: 2032
Stationen als Spieler: Halifax Mooseheads (QMJHL), EHC Visp (NLB und div. Stufen), SC Bern, SC Bern Future (div. Stufen)
SLAPSHOT: Ihr Fünfjahresvertrag ist mit 58,5 Millionen Dollar dotiert. Was bedeutet Ihnen Reichtum?
Hischier: Ich bin sehr dankbar, dass ich mein Hobby als Beruf ausüben kann. Es ist öffentlich bekannt, dass man da sehr gut entschädigt wird. Mir ist bewusst, dass mir das finanzielle Stabilität und Sicherheit gibt. Dafür bin ich sehr dankbar. Mir ist auch bewusst, dass Geld in gewissen Situationen helfen kann.

Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Geld allein nicht glücklich macht. Es kann in gewissen Situationen helfen, aber man muss an anderen Orten danach suchen, was einen richtig glücklich macht. Mir ist aber auch bewusst, dass ich in dieser Hinsicht privilegiert bin und dies in gewissen Sachen hilfreich sein kann.
SLAPSHOT: Ist Ihnen wichtig, was Sie mit diesen finanziellen Möglichkeiten machen?
Hischier: Ich bin nicht einer, der das Geld links und rechts rausschiesst. Ich überlege mir bei Investments: Macht das Sinn? Gesundheit und Wohlbefinden werden für mich ein Leben lang ein grosses Thema sein, weil es das Wichtigste ist, dass man gesund bleibt. Bei Sensopro habe ich die Möglichkeit, etwas Tolles mitzugestalten.








