Eine halbe Million Fälle von sogenannten «Rache-Pornos» müssen von Facebook monatlich untersucht werden. Auch der Schweizer Polizei ist das Vorgehen bekannt.
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Ungewollte Bilder geraten auf Social Media schnell in Umlauf. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Facebook untersucht monatlich eine halbe Million «RachePorno»-Posts.
  • Diese werden von Ex-Partnern auf Facebook und Instagram geladen und verbreitet.
  • Auch Schweizer Polizisten ist das Phänomen bekannt.

Es ist eine üble Verletzung der Privatsphäre und strafbar: Dennoch kommt es auf Facebook und Instagram weltweit monatlich zu einer halben Million sogenannter «Rache-Porno»-Einträgen.

Wütende oder gekränkte Ex-Freund/Innen laden Bildmaterial oder Videos ihres (Ex)-Partners auf die Plattform. Nacktbilder, obszöne Fotos oder Videos mit pornografischem Inhalt sollen das Gegenüber schikanieren.

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Facebook versucht private Bilder gar nicht erst hochzuladen. - Pixabay

Um solche Einträge zu verhindern, hat Facebook ein Team mit 25 Personen zusammengestellt. Dieses kümmert sich ausschliesslich um gemeldete Posts dieser Art.

Das Team arbeitet daran, Bildmaterial schnellstmöglich zu löschen und anhand künstlicher Intelligenz Inhalte bereits vor dem Hochladen zu erkennen. Damit soll verhindert werden, dass die Rache-Pornos in Umlauf geraten.

Im Interview mit «NBC News» sprach das Facebook-Team zum ersten Mal darüber, wie schwer es sei, solche Einträge zu verhindern.

Auf Facebook, Pornoseiten und in Google Suchergebnissen

Um eine effektive Taktik zu finden, hat sich die Crew mit Rache-Porno-Opfern aus den USA, England und anderen Ländern ausgetauscht. Viele der Opfer erklärten, dass der bis dahin bestehende Meldeprozess verwirrend und unsensibel sei.

Die grösste Herausforderung ist die rasche Verbreitung von Bildmaterial im gesamten Internet. So werden Rache-Pornos nicht nur auf Facebook, sondern auch auf pornografischen Seiten oder als Suchergebnisse bei Google angezeigt.

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Nachrichten mit intimen Inhalten verbreiten sich unter Jugendlichen besonders schnell. - Keystone

Auch in der Schweiz kennt man das Problem. «Wenn solche Meldungen bei uns eingehen, nehmen wir entsprechend Ermittlungen auf. Gemäss unserer Erfahrung werden Bilder, Videos und Texte mit intimen Inhalten oft durch Jugendliche selbst hergestellt. Anschliessend landen sie im Netz», erklärt Dino Dal Farra, Mediensprecher der Kapo Bern.

Eine oft unterschätzte Gefahr

«Durch die Dynamik der digitalen Welt ist die Gefahr sehr gross, die Kontrolle über diese Inhalte zu verlieren.»

Noch eine Herausforderung macht der Polizei in diesem Bereich zu schaffen: «Eine Nachverfolgung, wo sich das Material befindet und welcher Personenkreis letztlich Zugriff darauf hat, gestaltet sich als enorm schwierig.»

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Auf der Homepage der Schweizerischen Kriminalprävention finden Jugendliche Hilfe. - www.skppsc.ch

Deshalb klärt die Kapo Jugendliche auf und rät, sich frühzeitig Gedanken über die Folgen zu machen. «Mit Blick auf den drohenden Kontrollverlust über die Daten ist aus unserer Sicht besondere Zurückhaltung geboten.»

Auch Eltern, die gegenüber ihren Kindern einen Verdacht hegen, sollen das Thema ansprechen und über die Konsequenzen aufklären.

Straftatbestand reicht für Anklage

Wer Rache-Pornografie verbreitet, muss mit einem Strafverfahren rechnen. «Die Täter können wegen übler Nachrede, Verleumdung oder Beschimpfung angeklagt werden. Aber auch Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte, unbefugtes Beschaffen von Personendaten, Nötigung oder Pornografie können zur Anzeige führen.»

Letztlich obliegt die Beurteilung, welche Straftatbestände erfüllt sind sowie die rechtliche Würdigung, stets bei der Justiz.

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