Felsenau gibt es jetzt auch aus der Dose
Die Berner Brauerei Felsenau wagt einen Schritt, den sie lange ausgeschlossen hatte: Ihr beliebtes Lagerbier gibt es neu auch in der Aluminiumdose.

Lange setzte die Berner Brauerei Felsenau auf ihre charakteristische Bügelflasche. Nun kommt das beliebte Lagerbier auch im Aluminium Kleid daher: Seit kurzem ist es in der Brauerei, in Getränkemärkten und bei Coop als Halbliter Dose erhältlich.
Sag niemals nie. Manchmal steckt in diesen drei Worten schon die ganze Geschichte. Als Bernard Fuhrer, Geschäftsführer der Berner Brauerei Felsenau, 2018 in einem Interview mit der Berner Zeitung gefragt wurde, ob es dereinst auch Felsenau-Bier aus der Dose geben werde, antwortete er zwar offen, aber doch ziemlich klar: «Sag niemals nie. Aber nein, Dosenbier ist bei uns momentan kein Thema.»
Die Brauerei setze vielmehr auf die sehr beliebte, charakteristische Bügelflasche. Acht Jahre später zeigt sich: Das «niemals nie» war gut gewählt. Denn seit kurzem gibt es das beliebte Felsenau-Lagerbier tatsächlich auch in Aluminium verpackt. Und zwar als Halbliter-Dose. Erhältlich direkt bei der Brauerei, in Getränkemärkten und bei Coop.
Warum die Dose plötzlich Sinn ergibt
Ein Bruch mit der Tradition? Vielleicht auf den ersten Blick. Denn Felsenau ist für viele Bernerinnen und Berner nicht nur Bier, sondern auch ein Stück Stadtgefühl: die Brauerei an der Aare, das Quartier, der eigenständige Auftritt, das «Hauptstadtbier» und natürlich die Bügelflasche mit Wiedererkennungswert. Gerade diese Flasche gehört seit Jahren zur Felsenau-Welt. Sie steht für Handwerk, Regionalität, für ein Bier, das nicht beliebig wirken will.
Doch auch Traditionsbrauereien müssen sich bewegen, wenn sich die Gewohnheiten der Kundschaft und die Anforderungen des Handels verändern. «Im Detailhandel zeigt sich seit einiger Zeit ein klarer Trend: Für die Kühlregale werden vermehrt Dosen bevorzugt. Sie lassen sich platzsparend stapeln, kühlen rasch und sind unkompliziert mitzunehmen», erklärt Bernard Fuhrer.
Auch für unterwegs, beispielsweise an die Aare, zum Grillieren, ans Picknick oder zum Feierabend-Apéro im Park, sei die Dose leichter und gäbiger als Glas. Die neue Halbliter-Dose soll die Bügelflasche somit nicht ersetzen, sondern dort ergänzen, wo ein anderes Format gefragt ist. Felsenau bleibt Felsenau. Nur kommt das Lager neu auch in einer Form daher, die besser zu gewissen Konsummomenten passt.
Eine Brauerei mit langer Berner Geschichte
Dass dieser Schritt auffällt, hat viel mit der Geschichte der Brauerei zu tun. Die Brauerei Felsenau gehört zu Bern wie die Aare, das Münster und der Bärengraben. Seit 1881 wird im Felsenau-Quartier Bier gebraut. Die Brauerei bezeichnet sich als älteste eigenständige Brauerei der Stadt Bern und genau diese Eigenständigkeit ist Teil ihrer Identität.
Gegründet wurde die Brauerei im 19. Jahrhundert, in einer Zeit, in der Bier in der Schweiz zunehmend professioneller gebraut und verkauft wurde. Während in der Branche später viele Betriebe verschwanden, fusionierten oder von grösseren Gruppen geschluckt wurden, blieb Felsenau ein eigenständiger Berner Betrieb. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Als regionale Brauerei musste sie sich immer wieder behaupten.
In der Felsenau tat man dies nicht mit Lautstärke, sondern mit Beständigkeit. Mit Bieren, die in Bern verankert sind. Mit einem Auftritt, der nicht austauschbar wirkt. Und mit Produkten, die für viele längst mehr sind als ein Getränk. Wer ein Felsenau öffnet, öffnet für einen Moment auch ein Stück Bern.
Die Bügelflasche bleibt Kult
Besonders eng mit dieser Wahrnehmung verbunden ist die Bügelflasche. Sie ist mehr als nur Verpackung. Das Öffnen mit dem typischen «Plopp» gehört für viele zum Biergenuss dazu.
In einer Zeit, in der vieles schneller, leichter und glatter wird, wirkt die Bügelflasche beinahe nostalgisch, aber gerade deshalb auch sympathisch. Für Felsenau wurde sie zu einem starken Erkennungszeichen.

Das zeigte sich besonders mit dem Bärner Müntschi, das 1997 lanciert wurde und in der Bügelflasche rasch viele Herzen eroberte. Es stand im Regal anders da als viele andere. Es war handfest, bernisch, ein wenig eigensinnig.
Kein Abschied, sondern ein neues Kapitel
«Die neue Halbliter-Dose ist somit nicht das Ende der Bügelflasche. Sie ist auch kein Bruch mit der Geschichte der Brauerei», sagt der Geschäftsführer. Vielmehr zeige sie, dass Tradition nicht Stillstand bedeuten müsse: «Felsenau bleibt der eigenen Herkunft treu, reagiert aber auf neue Realitäten.»
Und vielleicht ist genau das die moderne Form von Tradition: nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. Aus «kein Thema» ist also ein neues Kapitel geworden. Und Bernard Fuhrers damaliger Satz hat sich bewahrheitet: Man soll wirklich niemals nie sagen.
Auch nicht bei einer Brauerei, die seit über 140 Jahren weiss, wie man in Bern Bier braut. In diesem Sinne: Proscht!








