Dieses Mal widmen wir unsere Ausflugstipps ganz dem Thema «Kultur».
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Das Laténium in Neuenburg macht neueste archäologische Erkenntnisse einem grossen Publikum zugänglich. - BLS

Das Wichtigste in Kürze

  • Erlebnis der Sinne in Walkringen, Rüttihubelbad und Emmentaler Kulturerbe in Langnau i. E.
  • Archäologie erleben in Neuenburg und Badespass im Walliser Rhonetal
  • Kunst mit regionalem Bezug am Lago Maggiore und in Neuenburg Dürrenmatts Bildwelt erleben

Vom Malerpinsel über die Wasserrutschbahn bis zum Kaleidoskop: In den abertausend Jahren Menschheitsgeschichte haben menschliche Kreativität und Experimentierfreude eine Unzahl Kulturgüter hervorgebracht.

Grund genug für uns, diese Kreativität zu feiern. Und euch sechs ÖV-kompatible Ausflüge zu präsentieren, bei denen ihr kulturelle Leistungen erleben könnt.

Ein Ausflug für alle Sinne

Wir Menschen verfügen über hochsensible Sinne; im modernen Alltag werden diese aber oft einseitig beansprucht. Augen und Ohren werden überreizt, während der Tastsinn auf Bürostühlen und Schulbänken zu verkümmern droht.

Deswegen führt euch unser erster Ausflugstipp nach Walkringen, Rüttihubelbad im Emmental. Hier befindet sich das Sensorium Rüttihubelbad mit seinen 80 Erlebnisstationen. Diese sprechen auf betont spielerische Art Gesicht, Gehör, Geschmack, Geruch und Gefühl an.

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Im Farbenraum entstehen aus weissem Licht farbige Schatten. Wer wissen will, wie das funktioniert, findet im Sensorium Antworten. - BLS

Spannend wird es, wenn ihr euch im Dunkeln durch ein Labyrinth tastet oder Zerrspiegel euch lustige Doppelgänger präsentieren. Mythisch kann dem zumute werden, der am Lithophon wie Orpheus stumme Steine zum Klingen bringt.

Im Sensorium bleibt es aber nicht bei überraschenden Erfahrungen, sondern ihr erforscht auch die dahinter waltenden Naturgesetze. Und ihr lernt, welche Bedeutung sensibilisierte Sinne für Orientierung, Körperwahrnehmung und unser Sozialleben haben.

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Im Sensorium werden die Besuchenden, ob gross oder klein, für einen Moment aus der Sphäre der abstrakten Begriffe und virtuellen Welten herausgeholt und erleben die Wirklichkeit mit allen Sinnen. - BLS

Schon die Dichter der Romantik versuchten, Farben zu hören und Töne zu sehen, und so zu der «totalen Wahrnehmung» vorzustossen. Solche «synästhetischen Erfahrungen» könnt ihr auch im Sensorium erleben, wenn Chladnische Klangfiguren und Klangschalen Töne sicht- und fühlbar machen.

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Im Wasserprisma biegen sich gerade Linien, und dunkle Gegenstände erscheinen farbig. - BLS

Seid ihr neugierig geworden? Wollt ihr eure Sinne schärfen und einzigartige Sinneserlebnisse mit der ganzen Familie teilen? Dann klickt hier und erfahrt alles über das Angebot des Sensoriums, inklusive ÖV-Fahrplan und Öffnungszeiten.

Ein Haus voller Emmentaler Geschichte(n)

Im «Chüechlihus» in Langnau findet ihr Kulturerbe der Region Oberemmental aus mehreren Jahrhunderten: In 25 Räumen erzählt die Dauerausstellung von Geschichte, Alltag, Gewerbe, Handwerk und bedeutenden Persönlichkeiten der Region.

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Das Chüechlihus selber ist auch eine Attraktion. Erbaut um 1526, ist es das älteste (fast) original erhaltene Gebäude der Region. Seinen Namen hat es aus der Zeit, als es eine Kaffeewirtschaft beherbergte, wo unter anderem «Chüechli», d. h. Kleingebäck, serviert wurden. - BLS

Aufschlussreiche Einblicke in die Emmentaler Geschichte gibt die grosse Langnau-Keramik-Sammlung im Chüechlihus. Sie erinnert daran, wie sich Langnau im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum für hochwertige Keramikwaren entwickelte.

Ausserdem findet ihr im Chüechlihus eine grosse Sammlung von milchwirtschaftlichen Geräten aus Holz, sogenannter Weissküferei. Die meist gebogenen oder geschweiften Formen aus hellem, einheimischem Holz zeugen von hohem handwerklichem Können.

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Liebevoll gestaltete Keramik-Dosen, -Terrinen und -Butterfässer zierten im 18. Jahrhundert die Stuben vieler wohlhabender Langnauer. - BLS

Die Flüehliglas-Sammlung erinnert dagegen an die Zeit, als in den Emmentaler und Entlebucher Waldgebieten in Waldglashütten die Öfen qualmten. Während in Flühli erst ab 1723 geglast wurde, gehen die Anfänge der regionalen Glaserei bis ins sechzehnte Jahrhundert zurück.

Als 1870 die Produktion definitiv nach Hergiswil wechselte, betrieb man die Öfen bald mit Kohle und Elektrizität. So endete schliesslich das romantische Waldleben der Glaser, an das die Flüehliglas-Sammlung heute noch erinnert.

Nicht nur junge Eltern werden Interesse haben an der Ausstellung von Spielzeug aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert. Dazu erfahrt ihr in der aktuellen Sonderausstellung, wie in früheren Zeiten «Kindheit» gedacht wurde. Zusammen dürfte das genügend Stoff liefern, um die Diskussion um die Weihnachtsgeschenke noch einmal neu zu entfachen.

Wer sich für das Chüechlihus interessiert, findet hier Informationen zum ÖV, Öffnungszeiten und vieles mehr.

50 000 Jahre Menschheitsgeschichte – und ein richtig schönes Panorama

Mitten in einem malerischen Park am Ufer des Neuenburgersees liegt das Laténium, das grösste Archäologiemuseum der Schweiz. Es führt seine Besucherinnen auf interaktive und spielerische Art durch 50 000 Jahre Geschichte in der Region Neuenburg.

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3 Hektaren umfasst der Park vor dem Laténium; hier entspannt man und geniesst den Blick auf den See und das grandiose Alpenpanorama. Aber nicht nur das: ein keltischer Brunnen, eine römische Kanalisation und ein neolithisches Dorf geben Einblick in den Alltag von damals. Und nachgestellte Vegetationstypen von der Tundralandschaft der Eiszeit bis zum Eichenmischwald der Jungsteinzeit machen die Illusion perfekt. - Quentin Bacchus

Zu Beginn des Besuchs lernt ihr, was die Region Neuenburg für die Besiedlung und Durchreise so attraktiv machte. Zwischen Rhein und Rhone gelegen, haben hier nämlich Reisende und Händler von Ostsee, Mittelmeer und Atlantik ihre Spuren hinterlassen.

Mit diesem Verständnis beginnt eure Reise gut 3000 Exponaten entlang rückwärts in der Zeit: Ihr erhaltet Einsicht in Handwerk und häusliches Leben im Mittelalter, und Amphorenfunde berichten vom regen Handel auf den Römerstrassen.

Prächtiges Zaumzeug und kunstvoll gefertigte Gegenstände lassen euch über die wahre Natur der als grob verschrienen Kelten sinnieren. Und die Pfahlbauten führen euch bis ins fünfte Jahrtausend vor Christus.

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Ein eigener Teil des Museums ist den 5000 Jahren Schiffahrt auf dem Neuenburger See gewidmet. Vom bronzezeitlichen Einbaum über das gallo-römische Plankenschiff bis zur Fischerjolle des frühen zwanzigsten Jahrhunderts könnt ihr euch ein Bild der Schiffahrtsgeschichte machen. - Quentin Bacchus

Während dem Gang durch das Museum beschäftigen euch Fragen wie: Was trugen die Menschen damals für Kleider? Was assen sie? Und wie kommen Glasperlen aus Verona, Silexwerkzeuge aus Maastricht und Bernsteinperlen von der Ostsee in unsere Region?

Ihr begegnet einem einzigartigen Menhiren, und eine Pfeilspitze berichtet vom erfolglosen Kampf eines jungen Jägers mit einem Höhlenbären. Schmuckschnecken aus dem Mittelmeerraum sprechen von Nomadenzügen vor weit über 10 000 Jahren. Und die ältesten Knochenfunde der Schweiz bezeugen, dass Neandertaler vor 45 000 Jahren ihre Höhle mit Vielfrassen und Höhlenbären teilten.

Hat euch das Archäologie-Fieber gepackt? Dann klickt hier und lest alles über Eintrittspreise, Öffnungszeiten und Anfahrt per ÖV.

Brigerbad

Unser nächster Tipp führt euch ins Wallis nach Brigerbad und beschäftigt sich mit einer der ursprünglichsten Leidenschaften des Menschen: baden. Heute ein hochmodernes Thermalbad, blicken die grössten Freiluftthermen der Alpen auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück.

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Schweizweit einzigartig: Das Wasser in der Grotte in Brigerbad strömt direkt aus dem Inneren des Felsens, der die Badenden umgibt. - BLS

Schon die alten Römer kurierten in den angenehmen Quellen ihr Heimweh nach wärmeren Gefilden. Im fünfzehnten Jahrhundert wurden die Quellen aber von einem Bergsturz verschüttet, nur um im sechzehnten Jahrhundert umso glanzvoller zu erstrahlen.

Denn zu dieser Zeit kam es zu einem eigentlichen Badeboom in Brigerbad. Neue Badehütten, ein grösseres Gasthaus und die Gartenanlage mit Spazierwegen und Reben machten aus den Thermen ein blühendes Kurbad.

Nachdem sie zwischenzeitlich Kaspar Stockalper gehörten, dem «König von Simplon», wechselten die Quellen über die Jahrhunderte mehrmals die Besitzerfamilie. Anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts wurden sie dann fast nur noch von Einheimischen benutzt.

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Romantiker jubeln: Seit dem Umbau 2013/2014 ist das Thermalbad ganzjährig geöffnet, und nicht nur in der Sommersaison. - BLS

Die Geschichte der modernen Thermen beginnt in den 1930er Jahren mit dem Einzug der Elektrizität in Brigerbad. Denn mit elektrischen Pumpen konnte man das warme Thermalwasser in zwei neugebaute Schwimmbäder pumpen.

Von da an wurde das Bad in regelmässigen Abständen um neue Attraktionen erweitert. Das berühmte Grottenschwimmbad zum Beispiel kam in den 1960er Jahren dazu.

Heute wie zu Cäsars Zeiten ist das lithiumhaltige Natrium-Calcium-Sulfatwasser bei Rheuma- und Arthrosebeschwerden eine Wohltat. Der moderne Spa-Bereich mit Saunen, Kneipp-Becken und Dampfbädern würde aber wohl jeden Römer vor Neid erblassen lassen.

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Von den zahlreichen Unterwasser-Massagedüsen, wie sie das Bad heute hat, konnten die alten Römer nur träumen. - BLS

Ihr sucht schon eure Badehose? Hier findet ihr alle Informationen zu Eintrittspreisen und ÖV-Verbindungen für Brigerbad.

Bildende Kunst am Lago Maggiore

In Pallanza am Lago Maggiore begrüsst seit über 100 Jahren das «Museo del Paesaggio» Kunstliebhaber und neugierige Laien. Während die Namen der ausgestellten Künstler nicht jedem etwas sagen werden, ist das Konzept des Museums sehr ansprechend.

Es widmet sich nämlich in erster Linie Kunst und Künstlern aus der Region. Daher kommt auch der Name «Museo del Paesaggio», und nicht etwa, weil es sich der Landschaftsmalerei verschrieben hätte. Zeitlich findet ihr hier Werke vom fünfzehnten bis zum mittleren zwanzigsten Jahrhundert.

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«Piazza del Municipio a Intra» des gebürtigen Ferrareser Luigi Litta, aus dem Jahr 1850.
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Der Märjelen-See am Ostrand des Aletschgletschers inspirierte den Norditaliener Carlo Cressini zum romantisch anmutenden Bild «Le gelide acque del lago di Märjelen». Der «Hochgebirgsspezialist» bearbeitete ab den 1890ern hauptsächlich Sujets aus dem Veltlin, dem Ossola-Tal und den Berner Alpen.

Die Dauerausstellung des Museums verteilt sich auf zwei Etagen. In der oberen Etage findet ihr die Gemäldesammlung und die Werke von Arturo Martini. Er gilt als vielleicht wichtigster italienischer Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts.

Die Sammlung gibt mit einem facettenreichen Querschnitt durch sein Werk Einblick in die Evolution des Künstlers. Sie zeigt seine Fähigkeit, mit verschiedenen Materialien wie Terracotta, Bronze und Holz umzugehen. Und die drei ausgestellten Martini-Gemälde illustrieren, was passiert, wenn ein Bildhauer zum Pinsel greift.

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Diese zwei Porträtbüsten und die kleine Figur links zeugen von der Freundschaft zwischen Paolo Troubetzkoy und George Bernard Shaw, dem Dichter des 'Pygmalion'. Für alle, die ein Faible für Zusammenhänge haben: Paolo Troubetzkoy ist der Cousin des Sprachwissenschaftlers Nikolai Troubetzkoy; Sprachwissenschaftler ist auch die Figur des Professor Higgins aus Shaws 'Pygmalion'; und in Ovids 'Pygmalion' schafft es ein Bildhauer, wie Troubetzkoy einer war, die von ihm geschaffene Statue zum Leben zu erwecken.
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Auch diese zauberhafte Gips-Skulptur stammt von Troubetzkoy; sie zeigt seine Frau Elin Sundström.

Der untere Stock des Museums ist gänzlich Paolo Troubetzkoy gewidmet. Der aussereheliche Sohn des Russen Fürst Pjotr Troubetzkoy und der Amerikanerin Ada Winans stammt gebürtig aus Intra am Lago Maggiore.

Seine bildhauerischen Arbeiten sind von Rodin beeinflusst und werden wegen ihrer Schönheit auch jedem Laien sofort gefallen. Nach seinem Tod 1938 ging sein gesamtes Werk in den Besitz des «Museo del Paesaggio» über.

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«Busta di Ragazza» von Arturo Martini - BLS

Wer mehr über das «Museo del Paesaggio» erfahren möchte, wird hier fündig. Dort erfahrt ihr auch, wie ihr mit dem ÖV innert nützlicher Frist nach Pallanza kommt.

Als Dürrenmatt zum Pinsel griff

«Dürrenmatt einmal anders», so oder ähnlich könnte der Untertitel des Centre Dürrenmatt in Neuenburg lauten. Das Museum beschäftigt sich nämlich mit den malerischen und zeichnerischen Arbeiten des Schweizer Universalgenies.

Wer nicht wusste, dass Dürrenmatt auch malte, ist mit Sicherheit in guter Gesellschaft. Der gebürtige Emmentaler präsentierte seine Werke nämlich zu Lebzeiten nur engen Freunden. Falls ihr jetzt Angst habt, dem Mann zu nahe zu treten, könnt ihr beruhigt sein: Es war sein ausdrücklicher Wille, dass das Bildwerk nach seinem Tod der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

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Ein Blick in das Arbeitszimmer Dürrenmatts. Auffallend das Teleskop des astronomisch interessierten Dichters und der ausserordentlich lange Tisch: Hier lagen der Legende nach immer zwei Stapel Blätter, die einen zum Malen und Zeichnen, die anderen zum Schreiben. - Simon Schmid – CDN

Dürrenmatt selbst meinte zur Stellung seines bildnerischen Werks: «Meine Zeichnungen sind nicht Nebenarbeiten zu meinen literarischen Werken[.] Sie sind die gezeichneten und gemalten Schlachtfelder, auf denen sich meine schriftstellerischen Kämpfe, Abenteuer, Experimente und Niederlagen abspielen.»

Mit diesem Zitat stellt er den Besuchenden des Zentrums quasi einen Blankoscheck zum Vergleichen aus. Kenner werden in dem Bildwerk nach Dürrenmatt-Themen wie dem Turm, dem Minotaurus oder dem Labyrinth suchen. Und wer ein bisschen weitergeht, wird sogar an der Botta-Architektur noch Spuren des literarischen Werks wittern.

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Das Centre Dürrenmatt ist bewusst interaktiv gestaltet: Im Schaudepot zum Beispiel können die Besuchenden einzelne Schubladen selbst öffnen und Theaterzeichnungen Dürrenmatts studieren. - Simon Schmid – CDN

Das Centre Dürrenmatt war von Anfang an als Ort der Begegnung konzipiert. Hier sollen die Besuchenden nicht in Ehrfurcht erstarren. Sondern sie sollen, in den Worten Bottas, «eine lebendige Begegnung mit dem Werk des grossen Denkers» erleben.

Deswegen gibt es im Centre interaktive Stationen, an denen ihr nachschauen könnt, wo in seinem literarischen Werk welche Themen auftauchen. So könnt ihr gemeinsam über die Zusammenhänge zwischen Literatur und Bildwerk fachsimpeln und habt eine gesicherte Diskussionsgrundlage.

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In dem weissen Haus in Neuenburg mit herrlichem Blick auf den See wohnte Friedrich Dürrenmatt fast 40 Jahre lang. In Schwarz gesellte sich im Jahr 2000 das mehrheitlich unterirdisch gelegene Centre Dürrenmatt hinzu. Die dunkle Farbe ist laut Botta ein Hinweis auf die sarkastische, dunkle Seite von Dürrenmatts Werk. - Simon Schmid – CDN

Ihr möchtet mehr wissen über das Centre Dürrenmatt? Hier findet ihr alles Relevante. Von der Anfahrt per ÖV über die Öffnungszeiten bis zu den verschiedenen Spezialausstellungen.