Swiss Re fängt sich nach Absturz zu Jahresbeginn wieder

Die Swiss Re hat sich nach dem Absturz zu Jahresbeginn wieder gefangen. Der zweitgrösste Rückversicherungskonzern der Welt konnte im zweiten Quartal den happigen Verlust des Startquartals wieder ausbügeln.

Swiss Re befördert Claudia Cordioli - Keystone

Somit erzielte der Traditionskonzern unter dem Strich im gesamten ersten Halbjahr einen kleinen Reingewinn von 157 Millionen US-Dollar. Das Resultat ist aber trotz der Erholung in letzter Zeit noch ganz weit weg vom Vorjahressemester, als die Swiss Re einen Reingewinn von 1 Milliarde Dollar eingefahren hatte.

Der markante Rückgang sei vor allem auf deutlich gesunkene Anlageergebnisse sowie auf Rückstellungen für den Ukraine-Krieg im ersten Quartal zurückzuführen, teilte die Swiss Re am Freitag in einem Communiqué mit. Zum Jahresstart hatten die Auswirkungen der Coronapandemie, die Talfahrt der Börsen und die Rückstellungen für den Ukraine-Krieg das Ergebnis verhagelt und einen Verlust von 248 Millionen Dollar eingebrockt.

Wegen des Absturzes der Börsen fiel das Ergebnis der Kapitalanlagen im gesamten ersten Halbjahr um rund 1 Milliarde schlechter aus als im Vorjahr. Hinzu kamen Abschreibungen von 50 Millionen unter anderem für Engagements mit Bezug zu Russland. Damit hat sich die Swiss Re fast vollständig vom Russland-Geschäft verabschiedet. Es bleibe nur noch eine Exposition von 6 Millionen Dollar übrig, sagte Firmenchef Christian Mumenthaler an einer Telefonkonferenz.

Immerhin sah die Swiss Re keine Notwendigkeit, die Rückstellungen für die Folgen des Ukraine-Kriegs von 283 Millionen Dollar noch weiter zu erhöhen. So gelang dem Konzern im zweiten Quartal ein Reingewinn von 405 Millionen Dollar. Man habe bis jetzt nur kleine Schadensmeldungen wegen des Ukraine-Kriegs verbucht, sagte Finanzchef John Dacey. Da werde wohl noch mehr kommen.

Allerdings sei die Swiss Re kein grosser Player im Ukraine-Versicherungsgeschäft. Und sowieso sei der Grossteil der Schäden in Ukraine nicht von Versicherungen gedeckt.

Für die gesamte Versicherungsbranche dürfte der Krieg Schäden in Grössenordnung einer mittlerer Naturkatastrophe verursachen. Das wären 15 bis 20 Milliarden Dollar. «Je länger der Krieg dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich diese Verluste realisieren», sagte Dacey.

Gestützt worden sei das Ergebnis durch die Ertragsstärke der Lebensrückversicherung (L&H Re) und dem Firmen-Erstversicherungsgeschäft Corporate Solutions sowie eine robuste Underwriting-Performance bei der Sachrückversicherung (P&C Re), sagte Konzernchef Christian Mumenthaler.

Im zweitgrössten Standbein, der Lebensrückversicherung (L&H Re), erzielte der Konzern wieder einen kleinen Gewinn von 2 Millionen Dollar nach einem Verlust von 129 Millionen im Vorjahressemester. Dies sei dem starken Rückgang der Coronatoten im zweiten Quartal zu verdanken.

Corporate Solutions (Corso) steuerte einen Gewinn von 220 Millionen bei. Das sind 42 Millionen weniger als vor einem Jahr.

In der grössten Sparte, der Sachrückversicherung (P&C Re), brach der Gewinn dagegen auf 316 Millionen Dollar ein nach 1,3 Milliarden vor einem Jahr. Hier schlugen die Schäden von Naturkatastrophen mit 938 Millionen Dollar zu Buche. Diese wurden verursacht durch Überschwemmungen in Australien und Südafrika, Stürme in Europa im Februar sowie einer Reihe von Hagelstürmen in Frankreich im Juni. Die Katastrophenschäden kosteten die Swiss Re über als 400 Millionen mehr als vor einem Jahr.

Trotz der schwachen ersten sechs Monate zeigt sich der Finanzchef optimistisch: «Wenn wir eine Eigenkapitalrendite von 10 Prozent im Gesamtjahr erzielen wollen, brauchen wir ein sehr starkes zweites Halbjahr an den Finanzmärkten und im Versicherungsgeschäft. Aber das ist erreichbar», sagte Dacey.