Tatsachen: Die Illusion des sauberen Autos

Maia Schmied
Maia Schmied

Fortschritt um jeden Preis? Warum die Transformation der Mobilität an globalen Lieferketten, CO2-Rucksäcken und der Realität der Infrastruktur scheitert.

GMC Hummer EV
Ressourcenfresser ab Werk: Für die Produktion eines einzigen Hummer EV wird ein Vielfaches an Rohstoffen und Wasser im Vergleich zu herkömmlichen PKW benötigt. - GMC

Auch, wenn es in den Medien oft anders dargestellt wird: Wer ein neues Elektroauto kauft, rettet damit nicht automatisch das Weltklima. Die Produktion moderner Fahrzeuge hinterlässt erhebliche ökologische Fussabdrücke in der Natur.

Ein zentraler Faktor dabei ist, dass moderne Mobilität heute nach immer komplexerer Technik und ressourcenintensiven Batterien verlangt. Für die Herstellung eines einzigen Stromers werden tonnenweise Rohstoffe abgebaut.

XPeng
Der unsichtbare Rucksack: Laut Green-NCAP-Daten verursacht die Produktion des XPENG G9 (ohne Batterie) rund 48.6 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilometer über den Lebenszyklus – der Hebel im Werk. - XPENG

Lithium und Kobalt stammen oft aus Minen mit fragwürdigen Umwelt- und Sozialstandards. Die energieintensive Verarbeitung dieser Materialien geschieht zudem meist mit Strom aus fossilen Quellen.

Der CO2-Rucksack und die Realität der Lieferketten

So startet jedes neue Fahrzeug mit einem massiven CO2-Rucksack auf der Strasse. Das vermeintlich saubere Auto erweist sich bei ganzheitlicher Betrachtung oft als Trugschluss.

Die Politik drängt derweil mit regulatorischen Vorgaben und Subventionen zu einem raschen Verbrenner-Aus. Dabei ignorieren Verantwortliche in Brüssel und Bern des Öfteren die technologische und physikalische Machbarkeit.

Ein einseitiger Fokus blendet die globalen Lieferketten und deren ökologische Schattenseiten oft aus. Reine Messungen am Auspuff verfälschen die tatsächliche Öko-Bilanz eines Fahrzeugs erheblich.

Infrastrukturdefizite und die Kehrseite der Zertifikate

Die Infrastruktur für Millionen neue Ladestationen hinkt den politischen Zielvorgaben hinterher. Am Ende droht den Konsumenten durch den rasanten Wandel eine Einschränkung ihrer Mobilität.

Viele Hersteller werben heute offensiv mit einer komplett klimaneutralen Fahrzeugproduktion. Diese Bilanzen basieren jedoch meist auf dem rechnerischen Zukauf von CO2-Zertifikaten.

Land Rover 130
Der Alu-Kompromiss: Die extrem robuste Monocoque-Architektur des Defender besteht grösstenteils aus Alu – dessen Erstverhüttung extrem energieintensiv ist und immense Mengen CO2 freisetzt. - Land Rover

Die eigentliche Umweltbelastung wird dadurch teilweise in Schwellenländer wie Chile oder China verlagert. Dort belasten ein enormer Wasserverbrauch und chemische Prozesse die lokalen Ökosysteme nachhaltig.

Wirtschaftliche Konsequenzen und verändertes Konsumverhalten

Das ökologische Problem wird somit oft nur geografisch verschoben. Der europäische und Schweizer Markt läuft Gefahr, durch die Verengung auf eine einzige Technologie den Anschluss zu verlieren.

Bewährte und optimierte Verbrennungsmotoren werden durch die Gesetzgebung frühzeitig verdrängt. Gleichzeitig steigen die Anschaffungskosten für Neuwagen, was die individuelle Mobilität verteuert.

Zudem wächst die wirtschaftliche Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen und Batteriezellen kontinuierlich. Die Folge ist, dass ältere Fahrzeuge länger gefahren werden, was den ambitionierten Klimazielen letztlich zuwiderläuft.

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