Aargauer Bob-Talent (22) muss Karriere früh beenden
Nils Reich stand kurz vor seinem Weltcup-Debüt im Bob. Nach mehreren schweren Stürzen muss der 22-Jährige seine Laufbahn nun abrupt beenden.

Das Wichtigste in Kürze
- Nils Reich beendet mit 22 Jahren seine Bob-Karriere.
- Grund sind mehrere schwere Stürze und verlangsamte Reaktionszeiten.
- Der Schweizer Bob-Verband verliert damit ein weiteres Nachwuchstalent.
Nils Reich hatte alle Zutaten für eine grosse Bob-Karriere. Er ist der Sohn von Olympia-Silbermedaillengewinner Christian Reich und galt als Europacup-Pilot mit Weltcup-Ambitionen für den kommenden Winter.
Nun ist damit bereits Schluss, mit erst 22 Jahren.
Zu viele Stürze in zu kurzer Zeit
Wie Reich gegenüber dem «Blick» erklärt, gaben mehrere Verletzungen innert weniger Monate den Ausschlag. Auf der berüchtigten Bahn in Altenberg zog er sich letzten Winter eine Gehirnerschütterung zu. Kurz darauf brach er sich in Winterberg bei einem Sturz mit rund 140 km/h drei Wirbel.
Im Frühling folgten weitere Rückschläge: Gerissene Fussbänder bei einem Sturz über eine Hürde sowie eine Ellbogenfraktur im Training.

Auffällig wurde für Reich zudem, dass er im Alltag ungewöhnlich schnell ermüdete, etwa bei der Arbeit oder beim Autofahren.
Eine neurologische Abklärung bestätigte seinen Verdacht: Seine Reaktionszeit hatte sich verlangsamt. Die Ärzte machten deutlich, dass ein weiterer Kopfsturz unkalkulierbare Folgen haben könnte.
Reich rang lange mit sich selbst, entschied sich letztlich aber gegen das Risiko. «Ich bin in meinem ganzen Leben nur dreimal mit dem Bob gestürzt und muss aufhören. Während andere stürzen und am nächsten Tag wieder fahren», sagt er.
Ohnehin dünne Personaldecke wird noch knapper
Der Rücktritt kommt für den Schweizer Bob-Verband zur Unzeit. Erst kürzlich hatten mit Melanie Hasler und Cédric Follador bereits zwei weitere Spitzenathleten ihre Laufbahnen beendet.
Swiss Sliding dürfte deshalb in der kommenden Saison Mühe haben, sämtliche verfügbaren Welt- und Europacup-Plätze zu besetzen.
Für Reich selbst hat sich beruflich bereits eine Lösung ergeben: Als Kundenberater bei einer Kantonalbank arbeitet er künftig vollzeit.
Dem Bobsport bleibt er als Trainer verbunden. Zudem überlegt er sich eine Rückkehr zum Fussball, diesmal als Feldspieler statt als früherer Nachwuchsgoalie des FC Aarau.








