Wie der Verein Swiss Tennis mitteilt, spielte die Schweizer Delegation an der U18-EM in Klosters so erfolgreich wie noch nie und holte vier Medaillen.
Schweizer Delegation an der U18-EM in Klosters
Schweizer Delegation an der U18-EM in Klosters - Swiss Tennis
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Ganz zum Schluss erklang der Schweizer Psalm doch noch in der Arena Klosters. Dies zu Ehren des Swiss-Tennis-Teams, welches die erfolgreichste Nation unter den 38 Teilnehmerländern gestellt hatte. Karolina Kozakova, Céline Naef, Mika Brunold und Trainer Kai Stentenbach waren bei dieser Ehrung noch zugegen. «Ich bin stolz auf unser Team, es war eine fantastische Woche», bilanzierte Stentenbach.

Im Champions-Tiebreak riss der Faden

Tatsächlich spielte die Schweiz so erfolgreich wie noch nie an einer EM im Prättigau, vier Medaillen sind eine Premiere. Es fehlte nur die Krönung in Form einer Goldmedaille. Am nächsten kam dem Titel das Duo Kozakova/Naef, das sich im Final gegen die Slowakinnen zurück kämpfte und das Champions-Tiebreak erzwang.

Dort schien das Momentum auf der Seite der beiden Schweizer Freundinnen, die oft und oft erfolgreich zusammenspielen, doch nach der 2:0-Führung riss der Faden. Die Osteuropäerinnen gewannen acht Punkte in Serie und legten so die Grundlage zum Sieg.

Jimenez Kasintseva bringt Andorra auf die Tennis-Landkarte

Im Einzel hatte Naef eine ganz schwere Aufgabe gehabt. Nach dem deutlichen Halbfinalsieg gegen die Deutsche Joelle Steur traf sie im Showdown auf Victoria Jimenez Kasintseva, die topgesetzte Spielerin aus Andorra.

Die Linkshänderin, welche im WTA-Ranking bereits Platz 154 belegt, hatte in den beiden Runden zuvor zwar Dreisätzer bestreiten müssen – unter anderem im hoch klassigen Halbfinal gegen die als Wunderkind gehandelte Tschechin Brenda Fruhvirtova – hatte aber dennoch mehr Kraftreserven als Naef, weil sie nicht auch noch im Doppel engagiert war.

Naef wehrte sich nach Kräften, Jimenez Kasintseva konnte aber die Pace hoch halten und den Sieg holen. «Ich freue mich sehr, dass ich für mein Land gewinnen konnte», so die Siegerin, der es im Prättigau sehr gut gefallen hat. «Es ist wunderschön hier und die Schweiz erinnert mich an Andorra. Auch bei uns hat es viele Berge.»

Bisher sind andorranische Erfolge im Tennis rarer als Schneefall auf Mauritius, das könnte sich aber in Bälde ändern. «Vicky», wie sie genannt wird, wird von den Experten sehr grosses Potenzial attestiert, und es würde sehr überraschen, wenn man nicht auch von ihr in Zukunft bei den Erwachsenen viel hören würde.

Hervorragendes Spiel für den Schweizer Schreck

Starkes Tennis zeigte auch Gilles Bailly. Der Belgier hatte sich im Turnierverlauf als Schweizer Schreck entpuppt, im Achtelfinal Dylan Dietrich und im Halbfinal Kilian Feldbausch ausgeschaltet. Im Final gegen Dino Prizmic aus Kroatien blieb er dann ungefährdet und wie im gesamten Turnierverlauf ohne Satzverlust. Er hat damit seine starke Form, die ihn in Roland Garros bis in den Final geführt hatte, konservieren können. «Es läuft mir wirklich hervorragend», freute sich der 16-Jährige.

Freuen darf sich auch Feldbausch, der Klosters wie Naef mit zwei Medaillen verlassen hat. Der erst 16-Jährige deutete sein grosses Potenzial erneut mehrfach an, im Einzel und im Doppel, wo er mit Mika Brunold erst im Endspiel an den topgesetzten Tschechen scheiterte.

«Hoffentlich bleibt die EM noch viele Jahre in Klosters»

Stentenbach, der das Schweizer Team zusammen mit Michael Lammer betreute, wand dem Oktett, dem auch noch Chelsea Fontenel, Paula Cembranos, Patrick Schön und Dylan Dietrich angehörten, ein Kränzchen: «Wir hatten einen sehr guten Teamgeist, alle haben sich gegenseitig unterstützt.»

Der Ausbildner, der auch schon Hoffnungen wie Simona Waltert und Alina Granwehr betreut hat, hatte in vielen Bereichen Grund zur Freude: «Wir haben tolle Matches gesehen und starke Fights. Es macht grossen Spass, die EM hier zu spielen, und ich hoffe, dass sie noch viele Jahre hier in Klosters ausgetragen wird.» Mindestens 2023 wird dies der Fall sein, anschliessend läuft der Vertrag mit Tennis Europe, dem kontinentalen Dachverband aus. Das Interesse weiterzumachen, ist aber beidseitig gross, eine grössere Win-win-Konstellation kann es kaum geben.

Der Wimbledonsieger als Ehrengast

Bei den Siegerehrungen war ein ganz Grosser des Welttennis zugegen. Jan Kodes, Wimbledonsieger 1973, dreifacher Grand-Slam-Sieger und ehemaliger Weltranglisten-Vierter, übergab die Medaillen und gab den jungen Zukunftshoffnungen einige sympathische Tipps mit. Liane Alban, zusammen mit Hans Markutt das Erfolgs-Mixed-Doppel über viele Jahre in Klosters, wurde gestern für ihre Verdienste zur Ehrenpräsidentin ernannt.

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