«Nach einem Cupfinal bist du grosser Held – oder der grosse Clown!»
Marco Zwyssig war Profi beim FCSG. Der Kult-Innenverteidiger über die Cupfinal-Niederlage 1998 und was er den Espen gegen FC Stade Lausanne-Ouchy zutraut.

Das Wichtigste in Kürze
- Am 24. Mai 2026 kommt es zum Cupfinal zwischen dem FCSG und dem FC Stade Lausanne-Ouchy.
- Der ehemalige FCSG-Profi Marco Zwyssig stand 1998 ebenfalls in einem Cupfinal.
- Er verrät, wie er sich damals gefühlt hat und wem er dieses Jahr den Sieg zutraut.
Nau.ch: Marco Zwyssig, am kommenden Sonntag, 24. Mai 2026, steht der FC St. Gallen 1879 gegen FC Stade Lausanne-Ouchy im Schweizer Cupfinal. Sie selbst haben einen solchen 1998 als Profi des FCSG einmal miterlebt: Wie fühlt man sich da als Spieler?
Marco Zwyssig: Es ist ein sehr spezieller Moment. Die Anspannung ist höher als vor einem normalen Meisterschaftsspiel. Man weiss: Nach der Partie ist man entweder der grosse Held oder der grosse Clown. Beim Cupfinal geht es nur um den Sieg und Fehler lassen sich nicht einfach beim nächsten Match wiedergutmachen.
Nau.ch: Der Final 1998 gegen den FC Lausanne-Sport ging nach einer 2:0-Führung mit 5:6 nach Penaltyschiessen verloren. Wie war die Gefühlslage nach dem Spiel?
Marco Zwyssig: Wir fühlten uns alle leer. Es war eine riesige Enttäuschung, denn wir hätten das Spiel eigentlich gewinnen müssen. Ich selbst habe einen der Penaltys verschossen, daran hatte ich einige Tage zu beissen.
Aber als Profifussballer muss man mit solchen Rückschlägen umgehen können. Siege, Niederlagen, Verletzungen: Es ist ein ständiges Auf und Ab. Wenige Tage nach dem Cupfinal musste ich in die Nationalmannschaft einrücken und meinen Fokus neu setzen. Schliesslich musste ich in der Nati unter anderem mit Lausanne-Torhüter Martin Brunner trainieren.

Nau.ch: Was trauen Sie dem FCSG im Cupfinal 2026 zu?
Marco Zwyssig: Die Voraussetzungen, den Cup zu holen, sind sicherlich sehr gut. Der FCSG hat während der laufenden Super-League-Saison ziemlich konstant ein gewisses Niveau auf den Platz gebracht. Das gilt auch für die Intensität und Einstellung. Ich glaube fest an einen Sieg. Es wird aber nicht so sein, dass sie den FC Stade Lausanne-Ouchy an die Wand spielen und haushoch gewinnen werden.
Nau.ch: Wo sehen Sie mögliche Stolpersteine auf dem Weg zum lang ersehnten Cupsieg?
Marco Zwyssig: SLO hat nichts zu verlieren und es handelt sich keineswegs um eine schlechte Mannschaft. Ausserdem schreibt der Cup bekanntlich seine eigenen Geschichten. Zudem sind die Challenge-League-Vereine leistungsmässig nicht mehr so weit von den Super-League-Clubs entfernt wie früher. Das hat zum Beispiel das Penaltyschiessen im Cup gegen den FC Wil gezeigt.
Nau.ch: Gehen Sie auch an den Cupfinal?
Marco Zwyssig: Nein, ich bin beruflich in Kroatien und kann das Spiel leider nicht im Stadion live verfolgen.
Nau.ch: Kommen wir zurück zu Ihnen und Ihrer Karriere. Nach drei Jahren beim FC Gossau wechselten Sie 1996 als 25-Jähriger zum FCSG und wurden Profi. Wie kam es dazu, zumal Sie für einen Fussballer bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht hatten?
Marco Zwyssig: Ich habe bis kurz vor meinem 21. Geburtstag beim FCSG im Nachwuchs gespielt, bin aber für die erste Mannschaft nie in Frage gekommen. So stand ich während meines Betriebsökonomie-Studiums an der Hochschule St. Gallen für den FC Gossau auf dem Platz.
Kaum war ich dort, erhielt ich regelmässig Angebote des FCSG. Ich wollte mein Studium aber nicht für etwas Ungewisses abbrechen. Kurz vor dem Abschluss hatte ich aber das Gefühl, dass es mit der Profikarriere klappen könnte.
Mitentscheidend war sicher auch der damalige FCSG-Trainer Roger Hegi. Ihn kannte ich bereits aus der gemeinsamen Zeit bei Gossau.

Nau.ch: Sie gelten in der Ostschweiz als Fussballlegende. Unter anderem dank des Meistertitels in der Saison 1999/2000, dem ersten seit 96 Jahren für den FCSG. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Marco Zwyssig: Natürlich erinnere ich mich nicht an jedes einzelne Spiel, aber insbesondere die letzten Partien der Saison haben sich eingeprägt. Es war eine spezielle Zeit. Wir waren eine eingeschworene Einheit mit einem riesigen Zusammenhalt.
Dazu hatten wir mit Teamkollegen wie Charles Amoah, Ionel Gane oder Luíz Filho Jairo sehr gute Einzelspieler. Es hat einfach alles gepasst. Sonst wird man als krasser Aussenseiter, der wir definitiv waren, nicht Meister.
Nau.ch: Sind Sie auch heute noch mit dem FCSG und dem FC Gossau verbunden?
Marco Zwyssig: Ja, mit dem FCSG nur schon aus beruflichen Gründen. Ich bin seit 2021 beim Schweizerischen Fussballverband in der Nachwuchsförderung tätig (siehe «Die Person Marco Zwyssig»).
Also schaue ich mir oft Nachwuchsspiele des FCSG an und treffe mich mit den Verantwortlichen. Beim FC Gossau bin ich unter anderem im Verein der Ehemaligen. Zudem spielt mein Sohn in der zweiten Mannschaft. So bin ich regelmässig als Fan in der Arena Buechenwald zu Gast.
Hinweis
Dieses Interview ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.

Zur Person
Der heute 54-jährige Marco Zwyssig ist in St. Gallen geboren. Nach der Zeit im Nachwuchs des FC St. Gallen 1879 spielte er von 1993 bis 1996 beim FC Gossau.
Nach dem Abschluss als Betriebsökonom an der Hochschule in St. Gallen wechselte er als Profi zum FCSG, wo er im Jahr 2000 Schweizer Meister wurde. Ab 2001 folgte eine ein Engagement beim FC Tirol Innsbruck, mit dem er ebenfalls den Meistertitel feiern konnte.
Zurück in der Schweiz spielte er beim FC Basel 1893 (3x Meister). Zudem kam er zu 20 Einsätzen (1 Tor) in der Schweizer Nationalmannschaft. 2005 trat der Vater von zwei Kindern vom Profisport zurück.
Seit dem 1. Juli 2021 ist er Footeco-Chef für die Region Zürich und St. Gallen. Dabei ist er unter anderem für die Entwicklung, Begleitung und Beobachtung von Spielerinnen und Spieler Footeco- und U-15-Stufe verantwortlich. Zudem ist der St. Galler beim U-15-Nationalteam zusammen mit Régis Rothenbühler an der Seite von Coach Massimo Immersi Assistenztrainer.








