Lia Wälti: «Rückkehr zu YB? Ich schaue nicht soweit voraus»
Lia Wälti ist zurück in England. Kurz vor dem Saisonstart mit Brighton spricht die Nati-Kapitänin über eine mögliche Rückkehr zu YB und die Zukunft in der Nati.

Das Wichtigste in Kürze
- Lia Wälti geht in ihre 14. Saison als Profi-Fussballerin.
- An ein baldiges Karriere-Ende denkt die 33-Jährige (noch) nicht.
- Hier kommt das grosse Interview mit der Nati-Kapitänin.
Nau.ch: Lia Wälti, wie hast du dich bei deinem neuen Club Brighton eingelebt?
Lia Wälti: Sehr gut! Das Wetter ist schön, die Stadt ist farbig, es hat viele Restaurants und der Strand ist in der Nähe. Wir haben intensive Trainingswochen hinter uns. Das hilft, um das Team und den Verein schnell kennenzulernen. Aktuell wohne ich in einem der Clubhäuser etwas ausserhalb der Stadt.
Nau.ch: Nach sieben Jahren bei Arsenal kehrst du nach England zurück. Was hat dich zum Wechsel bewogen?
Lia Wälti: Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. In England ist die Professionalität auf einem anderen Level, das habe ich erst richtig gemerkt, nachdem ich gewechselt habe.
Auch wenn Italien ein fussballverrücktes Land ist, gibt es im Frauenfussball noch viel Potenzial nach oben. Man muss aber auch sagen: Generell kann man die Infrastruktur nicht mit jener in England vergleichen – Das sind unterschiedliche Welten.

Nau.ch: Du musstest dich nach der Heim-EM wegen eines Abszesses operieren lassen – zuvor hattest du mit Knie-Problemen zu kämpfen. Spielst du heute beschwerdefrei?
Lia Wälti: Ich wage es fast nicht zu sagen, aber ja, ich spiele beschwerdefrei. Das Knie ist gerade zum Turnier verheilt, dennoch war ich bei der EM nicht bei 100 Prozent. Der Abszess hat mich allerdings nicht gross eingeschränkt.
Ich blicke aus physischer Sicht auf ein sehr gutes Jahr zurück. Ich fühle mich sehr gut und freue mich darauf, wenn es richtig losgeht.
Macht Wälti bis zur EM 2029 weiter?
Nau.ch: Du hast deine Karriere bei YB lanciert, ist eine Rückkehr nach Bern für dich denkbar?
Lia Wälti: Ich schaue nicht soweit voraus. Aktuell habe ich in Brighton einen mehrjährigen Vertrag und fühle mich körperlich gut. Was danach kommt, wird sich dann zu gegebener Zeit zeigen.
Ich denke momentan an meinen Vertrag in Brighton und die WM-Quali mit der Nati. Natürlich reizt mich auch die EM 2029 in Deutschland. Aber ich war nie ein Fan von Planung. Ich nehme Jahr für Jahr und solange ich Spass daran habe, mache ich weiter.

Nau.ch: Kommendes Jahr findet in Brasilien die WM statt. Wird das dein letzter grosser Auftritt im Nationalteam?
Lia Wälti: Das kann ich so nicht sagen. Ich muss natürlich schauen, ob ich dem Team – in welcher Rolle auch immer – noch helfen kann. Wir haben eine super Truppe mit vielen jungen talentierten Spielerinnen.
Nau.ch: Seit der Heim-EM ist ein gutes Jahr vergangen. Welche positiven Entwicklungen nimmst Du wahr?
Lia Wälti: Das ist nach so einer kurzen Zeit schwierig zu beurteilen. Wenn man nach Holland blickt, das 2017 die EM gewonnen hat, sieht man, dass jetzt eine starke Generation hervorgekommen ist. Gut möglich, dass ein ähnlicher Effekt hierzulande in ein paar Jahren eintreten wird.
Der grosse Wunsch? «Eine Familie»
Nau.ch: Du selber hast als Juniorin lange bei den Buben gespielt. War das eine gute Erfahrung?
Lia Wälti: Daran habe ich nur positive Erinnerungen. Es hat mich enorm weitergebracht. Die körperlichen Unterschiede sind in jungen Jahren gering, da kann man problemlos mithalten.
Erst ab der U16 wurde es dann schwierig, als die Jungs einen grossen Wachstumschub hatten. Aber ich hatte danach keine Mühe, mich physisch in der NLA bei den Frauen zu behaupten.

Vielleicht gab es ab und zu einen Spruch von gegnerischen Eltern oder Gegenspielern. Aber das habe ich damals gar nicht wahrgenommen. Ich wurde im Team immer respektiert und fühlte mich wertgeschätzt.
Nau.ch: Was sind deine Ziele nach der Karriere? Bleibst du dem Fussball als Trainerin erhalten?
Lia Wälti: Das ist aktuell noch schwierig zu sagen. Ich habe meine Trainerinnen-Diplome gemacht. Ich gehe jetzt in meine 14. Profi-Saison und das ist mit enormem Aufwand verbunden. Ob ich diesen Aufwand nach meiner Karriere noch betreiben möchte, weiss ich noch nicht.
Aber ich bin kein Mensch, der die Füsse stillhalten kann. Ich habe meinen Bachelor-Abschluss gemacht, habe kürzlich ein Kinderbuch rausgebracht (Nau.ch berichtete, Anm.) und auch eine Sportagentur gegründet. Das gibt mir die Sicherheit, dass nach dem Fussball etwas kommt.
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Nau.ch: Zu guter Letzt: Gibt es einen Wunsch, den du dir abseits des Sports noch erfüllen möchtest?
Lia Wälti: Ich hätte gerne eine Familie. Ich hatte eine wunderbare Kindheit und es ist ein schöner Gedanke, meine Eltern zu Grosseltern zu machen.
Früher glaubte ich immer, dass ich bereits mit 22 Jahren zum ersten Mal Mami werde. Heute sehe ich das deutlich entspannter.
Testspiel gegen Ex-Club
Am 21. August trifft Lia Wälti in einem Testspiel auf Sydney Schertenleib. Zum Auftakt der Liga empfängt sie mit Brighton & Hove Albion ihren Ex-Klub Arsenal. Dort spielt seit dieser Saison mit Géraldine Reuteler eine Nati-Kollegin.












