GC-Legende: «Rekordmeister»-Cabanas brilliert in Literaturclub
GC-Legende Ricardo Cabanas war im SRF-«Literaturclub» zu Gast. Der Ex-Natispieler spricht über sein Leben als Lehrer – und übt Kritik am modernen Fussball.

Das Wichtigste in Kürze
- Ricardo Cabanas war zu Gast im SRF-«Literaturclub».
- Der Ex-Nationalspieler und GC-Akteur arbeitet heute als Gymnasiallehrer.
- Er kritisiert die vielen Regeln und den Videoschiedsrichter im heutigen Fussball.
In seiner Karriere absolvierte Ricardo Cabanas 338 Partien für die Grasshoppers. Der dreifache Schweizer Meister stand zudem 51 Mal für die Schweizer Nati auf dem Platz.
Nicht zuletzt wegen seines legendären Ausrasters gegen Schiedsrichter Adrien Jaccottet war Cabanas als emotionaler Spieler bekannt. Nach dem 2:1-Sieg gegen den FCL verfolgte er den Unparteiischen bis vor dessen Garderobe mit den Worten: «Das ist GC! Rekordmeister! Was denkst du, wer du bist!»
Diese Zeiten sind definitiv vorbei: Cabanas arbeitet heute als Lehrer – und ist in der vergangenen Woche im «Literaturclub» auf SRF zu Gast. Dort spricht er unter anderem über sein Leben nach dem Profi-Fussball.
Vom Fussballplatz ins Klassenzimmer
Nach seinem Karriereende als Spieler arbeitete Cabanas zunächst als Jugendcoach bei den Grasshoppers und absolvierte berufsbegleitend die Erwachsenen-Matura.
Anschliessend studierte er Geschichte sowie spanische Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Zürich.
Zur Diskussion stand im SRF-«Literaturclub» unter anderem das Buch «Der Fussball-Sport im Prozess der Zivilisation» des Soziologen Norbert Elias.
Das beschreibt, weshalb Fussball mehr als reine Unterhaltung ist und seine Faszination aus dem Wechselspiel von Regeln und Emotionalität zieht. Ein Thema, zu dem sich Cabanas als ehemaliger Profi natürlich besonders äussern konnte.

Auf die Frage, ob er ein strenger Lehrer sei, antwortet er zurückhaltend: «Ich würde sagen eher nicht. Das müssten Sie aber meine Schüler fragen», sagt er lachend.
Cabanas ist vor allem von der spanischen Literatur fasziniert und will diese Begeisterung auch an seine Schüler weitergeben. So lesen sie im Unterricht etwa gemeinsam «Don Quijote de la Mancha».
Zwar sei er beim Lesen nicht so emotional wie einst auf dem Fussballplatz, trotzdem könne ihn Literatur durchaus berühren. Seinen Schülern versucht er zu zeigen, dass er genau das gerne macht und dass Lesen etwas Schönes sein kann.
Kritik an Regel-Flut und VAR im modernen Fussball
Angesprochen auf die vielen Regeln und den Videoschiedsrichter im heutigen Fussball, wird Cabanas deutlicher: «Man wird schon ein bisschen zu sehr in dieses Korsett reingedrückt. Das Einlaufen wird kontrolliert, der Jubel wird kontrolliert.»
Er ist überzeugt: «Ich hätte heute noch viel mehr Gelbe Karten, als ich damals hatte.»

«Man hat gewisse Dinge drin, die man nicht jeden Tag rauslassen kann», sagt Cabanas. Der Fussball sei auch ein Ventil, um das Wilde und Ungehaltene in einem geschützten Rahmen herauszulassen.
Dabei gehe es manchmal an die Grenze. Das Schöne sei, wenn man es schaffe, immer genau an dieser Grenze aufzuhören. Zudem sei es wichtig, dass man sich nach der Partie die Hand geben könne.
Auf seinen Wechsel zur Literatur angesprochen, erklärt Cabanas, dass es eine bewusste Entscheidung gegen den Fussball war. «Ich suchte etwas ganz Entferntes», sagt er.












