FC Winterthur – Beni Thurnheer: Hoffe, setzen jetzt auf eigene Junge
Der FC Winterthur steigt in die Challenge League ab. Zu den treuesten Fans des FCW zählte auch in den letzten vier Super-League-Jahren TV-Ikone Beni Thurnheer.

Das Wichtigste in Kürze
- Für den FC Winterthur geht es in der kommenden Saison in der Challenge League weiter.
- Edelfan Beni Thurnheer zieht nach der FCW-Ära in der Super League Bilanz.
- Die TV-Legende hofft, dass man bei Winti künftig mehr auf eigene Junge setzt.
Würde er oben auf der Haupttribüne auf einem fixen Platz sitzen, wäre er zwar nicht jeder Witterung ausgesetzt, es bestünde jedoch das Risiko, dass seine Sitznachbarn möglicherweise ständig gegen den FC Winterthur stänkern würden, lacht Beni Thurnheer.
Deswegen bevorzugt er seinen Platz auf der Estrade. «Da habe ich mir einen Platz mitten unter Eltern von FCW-Junioren gewählt. Da fühle ich mich sehr wohl.»

Vor und nach der Pause sei er jeweils in der Schnupfkurve anzutreffen, rede mit FCW-Legenden wie Ernst «Mannix» Meili über den laufenden Match oder tausche Anekdoten aus früheren Zeiten aus, so Thurnheer über seine Schützenwiese-Gepflogenheiten.
Redaktion: Welches Fazit ziehen Sie nach der zu Ende gegangenen Super-League-Ära?
Beni Thurnheer: Die abgelaufene Saison war die uncoolste und eigentlich exakt so rausgekommen, wie ich mir die erste Saison nach dem Aufstieg 2022 vorgestellt hatte. Mit dem kleinsten Budget konnte bereits damals das Ziel eigentlich nur sein, möglichst lange nicht zu viele Punkte Abstand auf den Zweitletzten zu haben.
Dadurch, dass es bereits in der ersten und mit Rang 6 erst recht in der zweiten Spielzeit viel besser rauskam, als erwartet, vergass man das erwähnte, realistische Szenario richtiggehend.

Redaktion: Und dann kam die vergangene Saison...
Thurnheer: Ja das war echt mühsam, da es von Beginn weg mit zwei Punkten aus den ersten neun Partien hoffnungslos war. Wir waren immer Letzte, hatten zuletzt 20 Punkte Rückstand auf den Drittletzten.

Da bleibt einzig die Erkenntnis, dass man in der Super League mit einem Budget von unter 15 Millionen Franken einfach nicht mehr konkurrenzfähig ist.
Redaktion: Thuns Budget war das zweittiefste, trotzdem sind sie überraschend Meister geworden.
Thurnheer: Unberechenbares ist im Fussball immer wieder möglich. Aber meist nur kurzfristig. Deshalb denke ich, dass die Berner Oberländer in der kommenden Saison wieder gegen den Abstieg kämpfen müssen.

Redaktion: Was denken Sie zu den vier Super-League-Trainern des FC Winterthur in den vergangenen vier Jahren?
Thurnheer: Es haben alle einen gewissen Erfolg feiern können. Patrick Rahmen vor allem in seiner ersten Wirkungszeit. Den grössten Effort hat aus meiner Sicht aber sicher Uli Forte erarbeitet. Er übernahm den FCW an Weihnachten 2024 in einer absolut unmöglichen Situation und schaffte im darauffolgenden Frühling dennoch den Klassenerhalt.
In der abgelaufenen Saison hatte Forte keine Chance mehr, da die besten Spieler verkauft wurden und die neu hinzugekommenen zu ungenügend performten. Die Rückkehr Rahmens hat zu etwas besseren Leistungen geführt, punktemässig änderte sich aber zu wenig.
Dass kein einziger Match zu null gespielt werden konnte, ist eigentlich gar nicht möglich und sagt deshalb einiges aus.

Redaktion: Das zu grosse Kader des FCW war auch immer wieder Thema.
Thurnheer: Aus meiner Sicht leidet ein grösserer Teil der Schweizer Liga darunter, möglichst viele Perspektivspieler zu verpflichten, um mit diesen danach das grosse Geld zu machen, siehe Basel, Zürich oder GC.
Der FCW hatte lange am alten System festgehalten, zuletzt aber auch viele neue Spieler verpflichtet und das Kader auf über 30 Kicker verbreitert, wovon einige zu wenig überzeugen konnten.

Redaktion: Was erhoffen Sie sich für die neue Saison?
Thurnheer: Dass Abgänge vor allem durch eigene junge Spieler ersetzt werden. Einen sofortigen Wiederaufstieg anzustreben, macht nur wirklich Sinn, wenn dann für die oberste Liga etwa 20 Millionen Franken Budget zur Verfügung stehen würden.
Aber auch sportlich wird es nicht einfach, da die Spitze der Challenge League durchaus vergleichbar mit dem unteren Ende der Super League ist und auch der Verlierer der Barrage zwischen GC oder Aarau wieder aufsteigen möchte.
Zumindest zuschauermässig werden wir in der Challenge League aber von Beginn weg die Nummer 1 sein. Denn, wenn die vier Jahre Super League etwas ausgelöst haben, dann sicher die riesige Fussballbegeisterung in Winterthur.
Hinweis
Dieses Interview ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.












