FC Thun darf sich feiern – der Schweizer Fussball sollte aufwachen
Der FC Thun komplettiert das Meisterstück und krönt sich als Aufsteiger zum Champion. Ein Grund zum Feiern – aber nur im Berner Oberland. Ein Kommentar.

Das Wichtigste in Kürze
- Der FC Thun hat als Aufsteiger den Meistertitel in der Super League perfekt gemacht.
- Der historische Erfolg spricht für sich – sagt aber auch viel über den Schweizer Fussball.
- Für die «grossen» Klubs muss das ein Weckruf sein. Ein Kommentar.
Eines vorweg: Ich ziehe mein Kapperl vor dem FC Thun und dem historischen Meistertitel, den die Berner Oberländer feiern. Als Aufsteiger zum Titel marschieren – und dann noch vorzeitig! – das nötigt mir eine ganze Menge Respekt ab.
Deshalb: Herzliche Glückwünsche ins Berner Oberland – Die Meisterfeier ist mehr als verdient!

Aber ich muss auch in der Stunde des Thuner Triumphs ehrlich sein: Dieser historische Erfolg sagt wenig Gutes über den Zustand des Schweizer Fussballs aus.
Der Schweizer Fussball ist ins Schwanken geraten
Ein Blick auf die Tabellen-Endstände der letzten zehn Jahre zeigt: Kontinuierlich vorne dabei sind – bis auf wenige Ausreisser – nur YB und der FC Basel. Dahinter schwanken Teams zwischen Europacup-Rängen und Abstiegsgefahr umher.

Als neutraler Beobachter dürfte man darüber jubeln, denn es sorgt für unvorhersehbare, spannende Saison-Verläufe. Aus sportlicher Sicht ist es aber ein schlechtes Zeichen, denn es zeigt an: Das Niveau in der Super League schwankt bedenklich.
Das macht sich auch international bemerkbar: Die Schweiz hat einen ihrer Europacup-Startplätze verloren. Selbst der frischgebackene Meister hat kommende Saison keinen Platz in einer Ligaphase sicher.
Ist der FC Thun als Meister ein Weckruf?
Ja, für den rein sportlichen Fussball-Fan ist ein Überraschungs-Meister spannender als immer der gleiche Champion. Entsprechend darf man auch grosse Freude am Meistertitel des FC Thun haben. Erst recht als Fan aus dem Berner Oberland.

Aber für den Schweizer Fussball, für die heimische Liga und den heimischen Nachwuchs, sind konstante Top-Teams unverzichtbar. Eine schwache, eine schwankende Liga schadet langfristig allen Beteiligten – sportlich wie wirtschaftlich.
Vielleicht ist der Sensations-Meister Thun genau der richtige Weckruf für den Schweizer Fussball.














