Faire Chance für FCB-Lichtsteiner – auch nach Klatsche bei YB
Der FCB gewinnt im Klassiker – und reist jetzt zu Leader YB. Droht Stephan Lichtsteiner jetzt ein Dämpfer gegen die Berner? Willkommen beim Fussball-Talk.

Das Wichtigste in Kürze
- Mit 2:1 setzt sich der FC Basel nach unruhigen Tagen im Klassiker gegen den FCZ durch.
- YB gewinnt zuhause dank drei Traumtoren 4:2 gegen Aufsteiger Vaduz.
- Am Samstag wartet der Kracher gegen die Bebbi auf die Berner.
- Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.
Nau.ch: Wir starten natürlich mit dem FCB-Sieg im Klassiker gegen den FCZ. Mischi, wie fällt Dein Fazit aus?
Mischi Wettstein: Man freut sich eine ganze Woche auf den Klassiker – und dann erhält man eine Halbzeit lang Magerkost serviert. Etwa so, wie wenn ich mich auf ein saftiges Steak freue und dann nur Gemüse auf dem Teller liegt. Zur Pause war offensichtlich: Der FCB brauchte neue Impulse – und die konnte nur «Magic Shaq» liefern.

Zum Glück sah das auch Trainer Stephan Lichtsteiner so. Mit Shaqiri wird das FCB-Spiel ein anderes, es ist ideenreicher, unberechenbarer und dadurch besser. Und das ohne, dass Shaq wie bei seiner Drei-Tore-Gala im Letzigrund Anfang Jahr den Zauberstab auspackt.
Christoph Böhlen: Ich habe gleich mehrere Fragen zum Klassiker, Mischi. Zuerst die Wichtigste: Warum steht Xherdan Shaqiri in so einem Spiel nicht in der Startelf?
Mischi Wettstein: Shaq hat nicht alle Trainings voll durchgezogen. Auch gegen Thun kam er als Joker, hat damals sogar getroffen. Am Samstag hatte er grossen Einfluss auf das Spiel seines Teams. Solange es funktioniert, ist daran doch nichts falsch?
Christoph Böhlen: Ich finde, man macht sich angreifbar, wenn man seinen besten Spieler draussen lässt. Aber zu Stephan Lichtsteiner kommen wir später. Zuerst möchte ich wissen, was du zu deinem FCZ sagst. Dich muss der nicht gepfiffene Penalty in der Nachspielzeit doch wurmen?

Mischi Wettstein: Aus meiner Sicht lief bei dieser Szene alles richtig: Der Schiri sieht ein Hands, zeigt sofort auf den Punkt. Dann reagiert der VAR schnell und schreitet regeltechnisch korrekt ein. Schiesst ein Spieler seinen Mitspieler an, gibt es keine Absicht und somit kein Handspiel – also kein Elfmeter. Gemäss Reglement ist das alles korrekt. Ob diese Regel aber sinnvoll ist, darüber müssen wir nicht sprechen…
Abgesehen davon hat der FCZ Chancen für mindestens einen Punkt. Aber wenn man die Tore nicht macht, respektive wenn FCB-Goalie Mirko Salvi sein Team wie gegen Kamberis Kopfball rettet, geht man eben mit leeren Händen aus dem Stadion.
Christoph Böhlen: Zur Handsregel möchte ich mich nicht äussern, ich habe den Überblick längst verloren. Aber jetzt zurück zu FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner, um den es in den letzten Tagen etliche Diskussionen gab. Wie siehst du das Theater?

Mischi Wettstein: Ich möchte mal etwas klarstellen: Es heisst, er habe die Mannschaft verloren. In jedem Team gibt es immer wieder Gruppen, die nicht ganz glücklich sind. Vielleicht spielt der eine oder andere nicht mehr regelmässig oder sitzt auf der Tribüne.
Dass solche Spieler keine Lobeshymnen auf einen Trainer singen, ist doch klar. Aber es gibt ja auch neue und frische Spieler, die wollen alles geben und sich zeigen. Wie soll er die bereits verloren haben? Da muss man einfach mal einen Punkt machen, zumal einige FCB-Spieler ja auch klar dementieren, dass Lichtsteiner die Garderobe verloren habe…
Christoph Böhlen: Ich bleibe dabei: Wenn man Shaqiri von Beginn an bringen würde, wäre ein Teil der Diskussion doch schon vom Tisch. Als Trainer musst du aus meiner Sicht dein Team um deinen wichtigsten Spieler aufbauen.
Mischi Wettstein: Es hat ja trotzdem funktioniert mit Shaq! Er hilft mit, das Spiel zu drehen. Ich weiss nicht, ob man einen Rückstand aufholen würde, hätte der Trainer die Kabine komplett verloren… Die Kunst liegt halt auch darin, wie man damit umgeht.
Ich schaue zu deinen Bernern: Dort spielen Loris Benito und Sandro Lauper auch nicht immer, aber dort gibt es keine Stimmung gegen den Trainer. Aber bei YB kann man sich auch nicht einfach direkt beim Chef ausheulen gehen, wenn man unzufrieden ist.
Am Rheinknie scheint das anders zu laufen – und so ist ruhiges Arbeiten für einen Trainer schwierig. Ich würde mir wünschen, Club-Boss Dave Degen würde hinstehen und für Ruhe sorgen. Denn aus meiner Sicht muss man Stephan Lichtsteiner mindestens bis zur ersten Nati-Pause Zeit lassen.

Christoph Böhlen: Bei YB ist Trainer Seoane aber auch so gut wie unantastbar. Das war in dem Moment klar, als man den Meistercoach zurückgeholt hat. Wie viel Zeit würdest du Lichtsteiner denn geben?
Mischi Wettstein: Nach dem YB-Match in Bern hat der FCB noch drei weitere Heimspiele gegen Sion, Lugano und St. Gallen. Zwischendrin steigt noch ein Spiel beim FCL. Danach kann man ein Fazit ziehen. Vorher wäre es ein Witz! Schliesslich hat man Lichtsteiner zum Langzeitprojekt erklärt. Darum hat Steph jetzt auch eine faire Chance verdient.
Sollte man aber beim FCB schon jetzt nicht mehr sicher sein, müsste man konsequent handeln. Und kein Affentheater machen und auf die nächste Niederlage warten…
Nau.ch: Zunächst geht es jetzt mal bei YB weiter. Die Berner gewinnen am Sonntag 4:2 gegen Aufsteiger Vaduz.
Mischi Wettstein: Ich habe nicht gewusst, ob du im Stadion bist, Böhli. Ich habe mir das Spiel im TV genau angeschaut und sage dir: «Geflasht» hat mich diese Partie also nicht. YB hat die Pflicht erfüllt. Aber wenn du als YB am Samstag ein Feuerwerk gegen den FCB zünden willst, braucht es mehr. Ach, wie viele Tore hat eigentlich dein Essende erzielt?

Christoph Böhlen: Ich habe ja schon vor dem Spiel gesagt, dass ich Respekt vor dem Aufsteiger habe. Vaduz spielt einen guten Fussball und ist sehr unangenehm. Am Ende hat YB trotzdem verdient gewonnen, die Offensive ist einfach zu stark.
Noch ist die Defensive nicht ganz sattelfest, auch weil Abwehrchef Cédric Zesiger verletzt fehlt. Aber mit diesem Angriff kannst du das kompensieren. Ich bin mir sicher: Die YB-Offensive wird den FCB am Samstag aus dem Wankdorf fegen! Und dann wird auch Essende wieder treffen – der spart sich die Tore halt auf, solange die Kollegen scoren.
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Mischi Wettstein: Unmöglich ist das nicht, wenn ich mir die linke Abwehrseite des FCB anschaue. Ich weiss nicht, was Cisse in diesem Team verloren hat. Und Neuzugang Akpe Victory zeigt immer wieder Hochs und Tiefs. Zum Glück hat der FCB hinten Daniliuc und Tsunemoto, die beiden funktionieren tadellos.
Nau.ch: Nur drei Spiele wurden am Wochenende ausgetragen, es fehlt noch eure Meinung zum 1:0-Sieg des FCL gegen Lausanne.
Mischi Wettstein: FCL-Trainer Udo Portmann hat mir bei meinem Besuch Anfang August erklärt: «Simon Simoni bleibt definitiv die Nummer 1. Die Goalie-Diskussion wird nur ausserhalb geführt.» Da sieht man wieder einmal, wie schnelllebig das Fussballgeschäft ist.

Beim 1:0-Sieg über Lausanne steht mit Karlo Letica die neue Nummer 1 im Tor, weil man sich beim FCL doch noch eines Besseren besinnt hat. Das ist ein vernünftiger Entscheid, vor allem nach den fehlerhaften Auftritten von Simoni. Mit Letica bringt der Club nun Ruhe rein und startet gegen dessen Ex-Club gleich mit einem Zu-Null-Sieg.
Nau.ch: Der Grund für die «Mini-Runde» am vergangenen Wochenende sind die Europapokal-Playoffs der Schweizer Clubs. Eure Prognose für die Rückspiele am Donnerstag?
Mischi Wettstein: Ganz einfach: Zwei Clubs kommen weiter, zwei fallen raus.
Christoph Böhlen: Das geht hoffentlich noch etwas konkreter, Mischi?
Mischi Wettstein: Was ist denn mit dir los? Das ist doch klar: Lugano ist gesetzt und wird sich nach dem 2:1 gegen Maccabi Tel Aviv durchsetzen. Zudem erwarte ich auch vom FCSG, dass er das 1:2 gegen Nordsjaelland noch dreht. Für den FC Sion ist Gegner Ajax Amsterdam zu stark, das hat das 2:4 im Hinspiel gezeigt.

Und über den Auftritt des FC Thun sage ich nur: Du hast mich belächelt, als ich den Meister als Abstiegskandidat getippt habe… Aber vielleicht ist dir und deinen Thuner Fans und Freunden nach dem 0:7 das Lächeln jetzt auch vergangen? Besser wird es beim FCT ohne Matoshi und Heule nicht. Ich habe Dir vorausgesagt: Wer hoch fliegt, der fällt tief.
Christoph Böhlen: Vorneweg: Ich glaube, Lugano wird der einzige Schweizer Club sein, der sein Playoff-Duell gewinnt. Aber zurück zum FC Thun: Zugegeben, ich habe mich wohl von den Partien gegen Luzern und Dinamo Zagreb blenden lassen…
Was die Berner Oberländer in Polen gezeigt haben, war unter aller Kanone. Nach den vielen Abgängen fehlt es an Qualität, zudem spielt Thun aus meiner Sicht zu naiv. Und wenn dann noch einige Spieler mit dem Kopf nicht mehr ganz bei der Sache sind, dann führt das auch mal in ein Debakel. Ich bin gespannt, wie sich Thun am Sonntag beim Duell Meister gegen Vizemeister in St.Gallen schlägt. Mit einem Auftritt wie in Polen, droht gleich die nächste «Brause»….
Mischi Wettstein: «Brause»… Was ist das wieder für ein Ausdruck, Böhli? Mein Blick gilt dem Spiel Vaduz gegen GC. Der Aufsteiger aus dem Ländle hat gegen YB zum wiederholten Mal gezeigt, dass er spielerisch keine schlechte Mannschaft ist. Aber es stehen 0 Punkte zu Buche, das hilft Trainer Marc Schneider nicht. Jetzt müssten die ersten Zähler gegen GC kommen – wenn nicht jetzt, wann dann?
Nau.ch: Was ist euch sonst noch aufgefallen?
Mischi Wettstein: Böhli, ich gratuliere dir noch zur «Leistung» deiner Aarauer gegen Yverdon: Trotz einer Halbzeit in Überzahl holt der FCA keinen Punkt… Der Blick auf die Tabelle zeigt mir: Der Zug für den direkten Aufstieg ist schon jetzt am davonfahren. Lausanne-Ouchy hat nach vier Spielen schon sechs Punkte mehr gesammelt.
Christoph Böhlen: Ich mag mich erinnern, dass Yverdon Anfang Saison mein Aufstiegstipp war. Die Waadtländer liegen nur zwei Zähler hinter Ouchy. Insofern ist alles im Lot. Aber du hast recht, für den FC Aarau wird das eine zähe Saison. Dafür nimmt Absteiger Winterthur langsam Fahrt auf, auch wenn der Sieg bei Rappi nicht so locker zustande kommt, wie das 2:0 vermuten lässt.

| Super League (24.08.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 4 | 3 | 0 | 1 | 16:6 | 10 | |
| 2. | ![]() | 3 | 3 | 0 | 0 | 11:2 | 9 | |
| 3. | ![]() | 4 | 3 | 1 | 0 | 7:4 | 9 | |
| 4. | ![]() | 3 | 2 | 0 | 1 | 7:5 | 7 | |
| 5. | ![]() | 3 | 2 | 1 | 0 | 8:6 | 6 | |
| 6. | ![]() | 4 | 1 | 1 | 2 | 4:4 | 5 | |
| 7. | ![]() | 4 | 1 | 2 | 1 | 4:8 | 4 | |
| 8. | ![]() | 3 | 1 | 2 | 0 | 3:4 | 3 | |
| 9. | ![]() | 3 | 1 | 2 | 0 | 5:11 | 3 | |
| 10. | ![]() | 4 | 1 | 3 | 0 | 4:10 | 3 | |
| 11. | ![]() | 3 | 0 | 2 | 1 | 3:7 | 1 | |
| 12. | ![]() | 4 | 0 | 4 | 0 | 7:12 | 0 | |
| Super League (24.08.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 4 | 10 | |
| 2. | ![]() | 3 | 9 | |
| 3. | ![]() | 4 | 9 | |
| 4. | ![]() | 3 | 7 | |
| 5. | ![]() | 3 | 6 | |
| 6. | ![]() | 4 | 5 | |
| 7. | ![]() | 4 | 4 | |
| 8. | ![]() | 3 | 3 | |
| 9. | ![]() | 3 | 3 | |
| 10. | ![]() | 4 | 3 | |
| 11. | ![]() | 3 | 1 | |
| 12. | ![]() | 4 | 0 | |
























