Diesen neuen FC Thun zu unterschätzen, wäre ein Fehler
Rund 60 Scorerpunkte sind weg, Der Meister steht vor einer schwierigen Saison. Doch wer den FC Thun deshalb unterschätzt, macht einen Fehler. Ein Kommentar.

Das Wichtigste in Kürze
- Im ersten Pflichtspiel der Saison gelingt dem FC Thun gegen Dinamo Zagreb fast ein Coup.
- Trotz vieler Abgänge holen die Oberländer ein 1:1 – und überzeugen weiter im Kollektiv.
67 Tage nach der grossen Meisterparty in der Thuner Innenstadt sind sie fast alle wieder da: Club-Ikone Hanspeter Latour lässt sich das Hinspiel der Champions-League-Quali gegen Dinamo Zagreb ebensowenig entgehen wie Meistertrainer Mauro Lustrinelli.

Letzterer hat den FC Thun ebenso verlassen wie die Meisterhelden Bertone, Rastoder, Meichtry und Imeri. Rund 60 Super-League-Scorerpunkte sind damit weg – und nicht wenige sehen den Überraschungs-Meister sogar als Abstiegskandidaten.

Vor allem die erste Halbzeit gegen Dinamo Zagreb zeigt aber: An den Grundtugenden der Berner Oberländer hat sich nach dem Umbruch nichts geändert. Neo-Trainer Gian-Luca Privitelli (48) setzt im Grossen und Ganzen auf die gleichen taktischen Elemente wie sein Vorgänger.

Das bekommen die Kroaten zu spüren: Thun verteidigt hart, leidenschaftlich – und schaltet schnell um. Die Führung zur Pause ist hochverdient. Dass der kroatische Rekordmeister nach der Pause aufdreht und kurz vor Schluss zum Ausgleich kommt, ist nicht gestohlen.
Und auch die grössten Thuner Fans werden in der 2. Halbzeit phasenweise gemerkt haben, dass es am kommenden Dienstag in Zagreb knüppelhart wird.
Diesen FC Thun darf man nicht unterschätzen
Aber man sieht: Den FC Thun darf man auch in der neuen Saison nicht unterschätzen!
Es bleibt unangenehm, gegen die eingeschworene Truppe zu spielen. Und mit Nico Maier, Nicolas Bürgy oder Nassim Zoukit sind Spieler gekommen, die sich rasch ins Teamgefüge integrieren können.

Vor dem Spiel gegen Dinamo sagt Thun-Präsident Andres Gerber bei SRF: «Ich sage nicht, dass wir wieder Meister werden – aber wir wollen es zumindest offen lassen. Es kann auch sein, dass wir gegen den Abstieg kämpfen müssen. Es ist ein schmaler Grat.»
Beim FC Thun ist man sich der möglichen Schwierigkeiten bewusst.
Man darf sich fragen, ob andere Teams in der Super League eine ebenso realistische Selbstwahrnehmung haben.
Auf jeden Fall darf diese Thuner auch in der kommenden Saison niemand unterschätzen!














