Darum spielt YB-Leihgabe Imeri dank Hypnose in Thun gross auf
Kastriot Imeri blüht beim Meister FC Thun auf. Der YB-Leihgabe half eine Hypnosetherapie. Was ist da genau geschehen? Und was heisst das für Imeris Zukunft?

Das Wichtigste in Kürze
- Nach einer Hypnosetherapie fühlte sich Kastriot Imeri mental und körperlich besser.
- Mentaltrainer und Hypnosetherapeut Kishore Hirt erklärt, was dahintersteckt.
- Mittels Hypnose können Athleten über mentale und körperliche Belastungen hinwegkommen.
Kastriot Imeri ist einer der Thuner Meisterhelden. Der Genfer wechselte vor drei Jahren für 3,5 Millionen Franken von Servette zu YB und stiess dort auf hohe Erwartungen. Erfüllen konnte der Mittelfeldspieler diese in zwei Saisons nicht – auch, weil ihn Verletzungen zurückwarfen.
Letztes Jahr folgte der Leihwechsel zum Kantonsrivalen FC Thun und Trainer Mauro Lustrinelli. Den Tessiner kannte Imeri bereits aus der U21-Nati.
Im Berner Oberland löste sich bei Imeri dann der Knoten.
Ein Grund für die starken Leistungen ist die Arbeit von Kishore Hirt. Der 37-jährige Mentaltrainer und Hypnosetherapeut hat ein Mandat beim FC Thun und arbeitet neben Fussballspielern auch mit Athleten aus anderen Sportarten zusammen.
Imeri: «Ich war mental freier»
Kastriot Imeri besuchte Hirt erstmals im letzten Dezember. In einem Instagram-Video schwärmt er von der Hypnosetherapie: «Sie hat bei mir sehr gut funktioniert. Ich hatte viele Verletzungen und mentale Probleme mit der Belastung und wiederkehrenden Verletzungen.»
Die Therapie habe ihm geholfen, sich «auf mich selbst zu konzentrieren».
So habe er Momente erlebt, die er vorher nie habe überwinden können, erzählt Imeri. «Ich glaube, das hat man auf dem Platz gesehen. Ich war mental viel freier, körperlich ging es mir auch viel besser. Das hat mir erlaubt, die Saison zu spielen, die ich dieses Jahr gespielt habe.»
Während der Hypnose sei er «wie auf einer kleinen Wolke gewesen», wobei er schwierige Momente seines Lebens nochmals durchlebt habe. «Dies brachte zum Vorschein, was tief in mir steckte. Das war ein magischer Moment. Man sieht und fühlt die Dinge anders.»
Nau.ch hat mit Mentaltrainer Kishore Hirt gesprochen und gefragt, was hinter der Hypnosetherapie steckt. Und wieso diese einem Sportler wie Kastriot Imeri zu besseren Leistungen verhilft.
Mit Wille, Glaube und Vertrauen
«Der erste Termin ist immer ein Kennenlernen», sagt der frühere Juniorentrainer von YB und Thun am Telefon. Es gehe darum, ein Gesamtbild zu erstellen. Auch externe Einflussfaktoren zu erkennen, die Erwartungen abzuklären und Ziele zu definieren, gehört zum Erstgespräch.
Wichtige Fragen seien etwa: Welche Faktoren nehmen Einfluss auf die aktuelle Situation, in der sich ein Sportler befindet? Welcher Typ Mensch ist er? Über welche Bewältigungsstrategien und Ressourcen verfügt er?
Drei Komponenten streicht Hirt als besonders wichtig heraus:
- Der Wille, selbst etwas zu verändern.
- Der Glaube daran, dass Hypnosetherapie etwas bringt.
- Das Vertrauen in Hirt, damit der Sportler oder die Sportlerin offen sein kann und sich sicher fühlt.
Bei ihm müsse sich der Athlet völlig entspannen können, um etwa mittels Atmung einen schläfrigen Zustand zu erreichen. So nähere man sich dann einer belastenden Situation aus der Vergangenheit an.
«Die Hypnose startet an einem Ort, an dem der Klient oder die Klientin sich wohlfühlt», erklärt Hirt. Wo genau der Sportler starten will, entscheide er selbst.

Im Falle eines Fussballspielers, der in seiner Vergangenheit mit Verletzungen zu kämpfen hatte, müsse man nicht direkt in die Situation eintauchen, in der er sich diese zugezogen hat. Dass der Spieler diese nochmal erlebt und retraumatisiert wird, sei nicht das Ziel.
Wichtig sei stattdessen ein Herantasten.
Schmerzen mit Hypnose auflösen
Setzt man sich mit einer schmerzhaften Erfahrung auseinander, will Kishore Hirt mit dem Athleten die Perspektive auf das Ereignis ändern. Im Falle einer Verletzung soll der Fokus beispielsweise vom Schmerz weggerichtet werden. Bei diesem «Reframing» geschieht eine Neubewertung der Situation.
Der Schmerz selbst soll fassbar werden – das gelingt laut Hirt, in dem man ihm eine Form oder Farbe zuordnet.
Was verletzungsanfällige Athleten oft hemmt, ist die Angst vor einer erneuten Blessur. Selbst wenn man laut Arzt wieder voll belasten darf, können Sportler unterbewusst blockiert sein. Mit Hilfe von Hirt soll das Selbstbewusstsein in den betroffenen Körperteil wiederhergestellt werden.

In der Hypnose geht der Sportler so zum Beispiel in ein Training von letzter Woche zurück, um die Angst oder den hinderlichen Schmerz erneut zu spüren. Das tut er auch, selbst wenn er in dem Moment bei Hirt liegt und sich nicht betätigt.
Die Schmerzen werden dann definiert, fassbar gemacht «und aufgelöst». Dazu setze man einen sogenannten Anker, erklärt Hirt. Das kann ein Schnipsen sein oder die Hand, die man aufs Herz legt. Die Anker seien jeweils individuell auf den Klienten angepasst.
«Der Anker verstärkt die neu bewertete Situation im Kopf auf diese Weise, was auf das körperliche Leiden Einfluss hat – der Fokus liegt nicht auf dem Schmerz, sondern auf der Lösung», sagt Hirt. Das bringe einigen Athleten grosse Erleichterung. «Es fliessen manchmal sogar Tränen.»
In den meisten Fällen geht Hirt in der Hypnosetherapie aber tiefer. Ängste oder Drucksituationen können ihren Ursprung weit in der Vergangenheit haben. Dem Auslöser kommt man mithilfe der Hypnose auf die Spur. «Mittels Regression soll Druck so abgebaut werden.»
Mit Hypnose zum Selbstvertrauen – und Erfolg
Das Ziel der Hypnosetherapie: «Im Kopf die belastenden Erlebnisse neu zu Verknüpfungen, denn der Kopf steuert den Körper. Das Gehirn ist die Steuerzentrale für Emotionen und Gefühle und somit auch Ängste und Schmerzen.»
Imeri ist das bei seiner Sitzung im Dezember gelungen, wie er im Video beschreibt.
Jene schwierigen und belastenden Gefühle lösen sich im Erfolgsfall auf, erzählt Mentaltrainer Hirt. «Das kann starke Energie auslösen und zu Erfolgserlebnissen führen. So findet man zurück zum Selbstvertrauen, und das hat unglaublichen Einfluss auf den Erfolg.»
Was geschieht bei Clubwechsel?
Ob die mentale Frische in einem neuen Umfeld und bei neuen Drucksituationen anhält, habe sehr viele Einflussfaktoren, so Hirt. Klar sei, dass gerade Kastriot Imeri nach seiner Saison «jetzt natürlich sehr viel Selbstvertrauen hat».
Die Zeit des Genfers in Thun ist mit dem Saisonabschluss eigentlich beendet. Thun hat aber eine Kaufoption – noch ist unklar, ob der Meister sie zieht. Auch bei einem Transfer zum Schweizer Meister könnte Imeri umgehend weiterverkauft werden.
Meister-Run des FC Thun kein Zufall
Kastriot Imeri ist nicht der einzige Thuner, der in der abgelaufenen Saison von Kishore Hirts Hypnosetherapie profitierte. Auch Stürmer Brighton Labeau war zu Gast.
Die beiden sind Beispiele dafür, wie sich die Thuner Spieler unter Trainer Mauro Lustrinelli entwickelt haben. Kishore Hirt erklärt gegenüber Nau.ch, was der Meister-Coach, der nun zu Union Berlin gewechselt ist, aus seiner Sicht richtig gemacht hat.
«Mauro Lustrinelli geht Schritt für Schritt und setzt sich kleine und machbare Ziele. Eines kann beispielsweise sein, dass man in einem Spiel kein Gegentor kassiert. Darauf baut man dann auf und setzt das nächste Ziel.»
Ein weiteres kleines Ziel sei zum Beispiel auch, den Ball mit möglichst wenigen Kontakten sauber aus der Gefahrenzone zu spielen.

Der FC Thun habe durch die vielen kleinen Zielsetzungen rasch viele Erfolgserlebnisse generiert und sich in den Flow gespielt. «Den Flow kann man provozieren», sagt Hirt.
Jeder Spieler sei unter Lustrinelli besser geworden. «Das geht nur durch die richtige Zielsetzung und Erfolgserlebnisse.»
«Mentaltraining ist Persönlichkeitsentwicklung»
Beim Berner Oberländer Meister arbeitet Kishore Hirt derweil schon mit der nächsten Generation an Talenten zusammen. Im Rahmen des Projekts «Mentau parat bim FCT» hilft der Mentaltrainer dem Nachwuchs, Resilienz aufzubauen und die Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben.
Das hilft den jungen Fussballern auch abseits des Sports. Hirt findet: «Mentaltraining ist Persönlichkeitsentwicklung.»














