Nach zähem Beginn dreht die deutsche U21 beim 3:0 zum EM-Auftakt gegen Ungarn auf. Grossen Anteil am Erfolg hat der Wolfsburger Ridle Baku.
Überragender Mann beim deutschen U21-EM-Auftakt gegen Ungarn: Ridle Baku (3.v.r). Foto: Csaba Domotor/dpa
Überragender Mann beim deutschen U21-EM-Auftakt gegen Ungarn: Ridle Baku (3.v.r). Foto: Csaba Domotor/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Empfehlungsschreiben seines Matchwinners Ridle Baku nahm Stefan Kuntz gelassen entgegen.

«Liebend gerne», sagte der U21-Nationaltrainer auf die Frage, ob er den 22 Jahre alten Wolfsburger im Sommer wieder an Bundestrainer Joachim Löw für die A-Nationalmannschaft abgeben würde.

«Wenn er nicht bei uns spielt, sondern bei Jogi dabei ist, dann ist das schön.» Mit zwei Toren und einer Vorlage empfahl sich Baku beim perfekten EM-Start der deutschen U21 mit einem 3:0 (0:0) gegen Co-Gastgeber Ungarn für die Fussball-Nationalelf - und könnte damit die K.o.-Phase der U21-EM ab Ende Mai verpassen.

Mit 74 Bundesliga-Spielen ist Baku der erfahrenste in der aktuellen U21 und zudem der einzige, der bereits Erfahrung im A-Nationalteam sammeln konnte. Gegen Ungarn ging der frühere Mainzer, der nun auch unter Kuntz wie im Verein auf der rechten offensiven Seite spielte, nach zähem Beginn voran und half, die Partie zu entscheiden. Das 1:0 durch Lukas Nmecha bereitete er vor (61. Minute), zwei Tore erzielte der Fussball-Profi selbst (66./73.) «Das ist eins der schönsten Spiele, die ich gemacht habe», sagte Baku. «So kann es weitergehen.»

Der klare Erfolg gegen den wohl schwächsten Gruppengegner dürfte für dem EM-Zweiten von 2019 aber nur der erste Schritt gewesen sein in Richtung Minimalziel Viertelfinale. «Jetzt erwartet uns ein richtiger Gradmesser», sagte Baku mit Blick auf die nächste Partie gegen die Niederlande am Samstag. Der Favorit der Gruppe war zum Auftakt nicht über ein 1:1 gegen Rumänien hinausgekommen. «Das hat uns gar nicht überrascht», sagte Kuntz. «Da konnte man zumindest mal sehen, dass auch Rumänien eine extrem starke Mannschaft hat.»

Gegen die Niederlande könnte auch Youssoufa Moukoko erstmals in der U21 mithelfen. Den EM-Auftakt verpasste der 16-Jährige von Borussia Dortmund noch wegen einer Prellung. «Das dauert so ein, zwei Tage, dann bekommt man das hin», sagte Kuntz, der optimistisch ist, dass sein Ausnahmetalent am Samstag dabei sein kann. Bei einem Einsatz wäre Moukoko Deutschlands jüngster U21-Nationalspieler.

Kuntz, der seinen 30. Sieg im 44. Spiel als U21-Coach holte und damit in der Debatte um eine mögliche Bundestrainer-Nachfolge im Sommer weitere Pluspunkte gesammelt haben dürfte, war vor allem froh über die klare Leistungssteigerung seiner Mannschaft nach schwierigem Beginn. «Nach dem 1:0 fallen auf einmal unsichtbare Lasten ab, und alle können das zeigen, was sie eigentlich drauf haben», lobte er.

Grossen Anteil daran hatte auch Baku, der sich wie die gesamte Mannschaft nach schwächerer erster Halbzeit klar steigerte. «Auf dem Platz bin ich selbstbewusst», sagte der 22-Jährige, der nach seinem Wechsel aus Mainz zum VfL Wolfsburg mit fünf Toren in 26 Spielen auch eine starke Saison in der Bundesliga spielt. «Den Schwung nehme ich mit vom Verein», sagte er grinsend. «Im Verein läuft's, hier läuft's - ich bin einfach froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte.»

Bei der U21-EM wird Baku offiziell mit seinem eigentlichen Vornamen Bote geführt und nicht mit dem Spitznamen Ridle, der mittlerweile auch in seinem Pass steht. «Ich wurde von klein auf "Ridle" genannt. Mein Vater hat mir diesen Spitznamen wegen Karl-Heinz Riedle gegeben», berichtete Baku zu Beginn seiner U21-Karriere. Seine ersten Schritte in der U21 machte Baku gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Makana, der bei dem Turnier nicht mehr zur Auswahl gehört. Dessen Spitzname ist Rudi - weil der Vater auch Fan von Rudi Völler war.

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