Der Fussball-Weltverband FIFA will die Rechte der Spielervermittler wieder einschränken. Aber müssen die sich überhaupt den Sportverbänden unterwerfen? Dazu steht eine wegweisende Entscheidung des OLG Frankfurt/Main an.
Vor Gericht ging es unter anderem um die Pflicht, sich als Spielerberater beim DFB registrieren zu lassen. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild
Vor Gericht ging es unter anderem um die Pflicht, sich als Spielerberater beim DFB registrieren zu lassen. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Firmensitz von Rogon ist eine denkmalgeschützte Villa im Landhausstil im pfälzischen Frankenthal.

Geschäftsführer Roger Wittmann gilt als ein Big Player unter den Spielervermittlern.

Auf der Homepage des Unternehmens heisst es: «Rogon wird niemals Geld von einem Jugendspieler oder seiner Eltern für ihre Beratung verlangen.» Auch darum geht es in einem jahrelangen Rechtsstreit des 61-Jährigen mit dem Deutschen Fussball-Bund. Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main verkündet am 30. November (9.30 Uhr) eine Entscheidung in dem Berufungsverfahren, das in der Profibranche mit Argusaugen beobachtet wird.

Fast 200 Millionen Euro gab die Bundesliga 2019/2020 für Spielerberater aus. Das Treiben der meist öffentlichkeitsscheuen Agenten ist nach Ansicht von Kritikern längst aus dem Ruder gelaufen. Wittmann hat Klienten wie Julian Draxler, Roberto Firmino, Marcel Sabitzer, Thilo Kehrer, Lukas Nmecha und Eric Maxim Choupo-Moting. Bekannt ist er auch für seine Drähte nach Brasilien und Asien sowie seine Verbindungen zu Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp.

Streitpunkt: Das 2015 eingeführte Beraterreglement

In der Auseinandersetzung mit dem DFB um das 2015 eingeführte Beraterreglement steht vor allem die Vorgabe, sich als Spielerberater beim DFB registrieren zu lassen und damit dem Verband zu unterwerfen. Die Rogon-Partei beruft sich darauf, dass es bei ihrer Tätigkeit um den wirtschaftlichen Aspekt des Fussballs geht.

Wittmann lässt in dieser Causa seinen Anwalt sprechen. Alexander Fritzsche von der Frankfurter Kanzlei Gleis Lutz ist Kartellrechtsexperte. «Der DFB nimmt für sich in Anspruch, den Markt für Spielervermittler zu regeln. Der DFB ist vieles, aber unter anderem auch das Kartell der Clubs, und er koordiniert, zu welchen Bedingungen die Clubs Spielervermittlungsleistungen einkaufen», sagt Fritzsche. «Nach dem Kartellrecht sind wettbewerbsbeschränkende Einkaufsregeln verboten, auch wenn es Ausnahmen gibt.»

Die Deutsche Fussballspieler-Vermittler-Vereinigung steht «absolut» hinter der Klage ihres Mitglieds Wittmann. «Müssen sich Spielervermittler der Sportgerichtsbarkeit des DFB und dem Reglement für Spielervermittlung unterwerfen - ohne dass man als Spielervermittler Mitglied des Verbandes ist und auch nicht werden kann?», fragt DFVV-Geschäftsführer Philipp Wehler. «Wenn wir nicht mitreden können, dann kann man uns auch keine Pflichten aufbürden. Das OLG hat in der mündlichen Verhandlung bereits zu erkennen gegeben, dass es diesen Sachverhalt kritisch sieht.»

Nachwuchskicker vor Fake-Agenten schützen

Geklärt werden soll auch, ob für minderjährige Fussballer Provisionen bezahlt werden dürfen. Die Scouts überall auf der Welt fahnden längst nach Talenten, die wesentlich jünger als 18 sind. Mit Vollendung des 16. Lebensjahres darf man in der Bundesliga spielen. Ausnahmekicker wie Florian Wirtz (Leverkusen) und Jamal Musiala (FC Bayern) sind bereits mit 18 Nationalspieler.

«Talente stehen bei Verhandlungen mit Vereinen diesen komplett unerfahren gegenüber, insofern geschieht eine Beratung auch zum Schutz der jungen Spieler», sagt DFVV-Vertreter Wehler. Und es sei ein genauso grosser Aufwand, minderjährige Fussballer zu vertreten - «vielleicht sogar ein noch grösserer» als bei Älteren. Rogon pocht auch hier auf den Grundsatz des freien Wettbewerbs. Als Drittes geht es bei dem OLG-Verfahren noch darum, ob Vermittler bei einem späteren Weiterverkauf eines Profis an einen dritten Club teilhaben dürfen.

Die Vereinigung der Vertragsfussballspieler (VDV) in Deutschland hat schon länger einen umfangreichen Forderungskatalog zur Reform des Rechts für Spielervermittler aufgestellt. Die Spielergewerkschaft will zum Beispiel die Provisionshöhe für Vermittler «auf ein faires Mass» begrenzen und die Lizenz unter anderem mit einer Integritätsprüfung wieder einführen. Präventionsarbeit soll ihrer Meinung nach gestärkt werden, «um insbesondere Nachwuchsspieler vor Fake-Agenten und kriminellen Machenschaften besser zu schützen».

Neue Regeln werden noch viel eingreifender sein

Auch international ist viel Bewegung im Ringen um Regeln des Milliardengeschäfts. Der Weltverband FIFA stellt sich gerade beim Transferwesen neu auf und will die vor fünf Jahren gelockerten Vorschriften für Spielerberater wieder verschärfen.

In der vergangenen Woche nahm das EU-Parlament einen Bericht mit zahlreichen Forderungen an Verbände und Institutionen an. Unter anderem sprachen sich die Abgeordneten dafür aus, die Transparenz und Rechenschaftspflicht im Spielertransfermarkt in allen Sportarten zu verbessern. Die Tätigkeit von Vermittlern müsse reguliert werden. «Die neuen Regeln werden noch viel eingreifender sein, weil sie auch Provisionen deckeln. Dies ist rechtlich gesehen ein Einkaufspreiskartell. In anderen Branchen werden dafür Millionenbussgelder verhängt», sagte Rogon-Anwalt Fritzsche.

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