Agglo Bern

    Horror-Spiel im Amateur-Hockey! Sogar Schiri verletzt

    Rowena Goebel
    Rowena Goebel

    Bantiger,

    Gleich zwei Ambulanzen müssen auffahren: In Worb BE erlebt ein Hockeyclub sein bisher «unglücklichstes Spiel» – fünf von 14 Spielern fallen aus.

    schiedsrichter
    Verletzungspech in der 2. Liga: Der Schiedsrichter wird im ersten Drittel zu Boden gestossen und verletzt sich am Knie. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Bei einem Berner Amateur-Hockeyspiel wurde neben fünf Spielern auch noch der Schiedsrichter verletzt.
    • Ein Spieler musste nach einem Schuss ins Gesicht notoperiert werden. Einer erlitt einen mehrfachen Beinbruch, ein dritter eine Hirnerschütterung. Zwei wurden leicht verletzt.
    • In den letzten Minuten konnte das betroffene Team nicht einmal mehr zwei Linien stellen – die Mannschaft verlor haushoch.

    Die Bilanz nach diesem Amateur-Hockeyspiel ist bitter: Fünf Spieler und einer von zwei Schiedsrichtern sind verletzt. Vor der Eishalle in Worb BE fahren nicht eine, sondern sogar zwei Ambulanzen auf.

    Die fünf verletzten Spieler gehören alle zur selben Mannschaft – dem regionalen Hockeyclub EHC Mirchel. Stürmer und Sportchef Pascal Zürcher sagt zu Nau.ch: «Wir starteten das Spiel mit 14 und beendeten es mit neun Feldspielern.»

    Für alle Nicht-Hockey-Experten: Während dem Spiel werden regelmässig die Feldspieler aus- und wieder eingewechselt. Eine Linie besteht aus fünf Feldspielern – schon zwei vollständige Linien sind eher knapp.

    Zuletzt konnte der Club nicht einmal mehr zwei Linien stellen.

    Puck im Gesicht, mehrfacher Beinbruch, Hirnerschütterung

    Ein Spieler wird von einem Puck im Gesicht getroffen, berichtet Zürcher. Er steht zwischen einem Stürmer des Gegners, dem EHC Brandis aus Hasle BE, und dem Tor, als dieser schiesst. Der Schuss trifft ihn aus nächster Nähe – er fällt zu Boden und kann nicht weiterspielen.

    Zürcher erklärt: «Der Spieler wurde operiert und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er wird jedoch für mehrere Wochen ausfallen.»

    Ein weiterer kollidiert heftig mit der Bande und kann nach dem Sturz nicht mehr aufstehen. «Ich musste wegsehen, es sah so brutal aus», berichtet ein Zuschauer.

    Auch er wurde dabei gröber verletzt, wie der EHC-Mirchel-Sportchef sagt: «Er erlitt mehrere Brüche im Bein und fällt mehrere Monate aus.»

    Ein anderer Spieler fällt ebenfalls länger aus – er erlitt eine Hirnerschütterung, berichtet Zürcher. Zwei weitere werden während dem Spiel leicht am Oberkörper verletzt.

    Schiedsrichter liegt verletzt am Boden

    Doch damit nicht genug: Auch einer der beiden Schiedsrichter muss das Spiel abbrechen. Bereits im ersten Drittel wird er versehentlich zu Boden gestossen.

    «Er konnte lange nicht aufstehen, erst dachte ich, er sei vielleicht sogar bewusstlos», berichtet ein Zuschauer. Doch dann zeigte sich: Er hat sich am Knie verletzt.

    Mit Müh und Not pfiff er das erste Drittel noch zu Ende, dann musste eine andere Schiedsrichterin einspringen.

    Wie es dem verletzten Schiedsrichter heute geht, ist unklar. Der Verband kann sich dazu nicht äussern, der Schiedsrichter hat eine Anfrage von Nau.ch bislang unbeantwortet gelassen.

    «So viel Pech hat wohl noch keine Mannschaft erlebt»

    «So viel Pech in einem Spiel hat wohl noch keine Mannschaft erlebt», fasst Sportchef Pascal Zürcher zusammen. «Das war unser bisher unglücklichstes Spiel.»

    Dem Gegner, dem EHC Brandis, macht er aber keine Vorwürfe. «Es waren unglückliche Situationen und Pech», meint er. Der Match sei auch nicht besonders brutal gewesen.

    pech
    Zuletzt stand es 8 zu 1 für den Gegner (in weiss) des vom Verletzungs-Pech geplagten Teams (in grün). - Nau.ch

    «Einzig die Aktion, die zur Hirnerschütterung geführt hat, habe ich nicht gesehen und kann ich nicht beurteilen», meint er.

    Bei all den Ausfällen beim EHC Mirchel hat der Gegner ein leichtes Spiel. Der Match endet mit einer satten Niederlage für Mirchel – 1 zu 8 steht es am Schluss.

    Luca Lüthi, Sportchef beim gegnerischen Team, dem EHC Brandis, bedauert das Verletzungspech. «Wir wünschen allen Verletzten eine rasche Genesung», sagt er zu Nau.ch.

    Ist Amateur-Hockey zu gefährlich?

    Für Pascal Zürcher ist trotz dem Verletzungspech von vergangener Woche klar: «Die Härte und der Körperkontakt gehören zum Sport – auch in der 2. Liga. Das Risiko gehört bei Sportarten mit Körperkontakt dazu.»

    Mehr Sicherheitsvorkehrungen fordert er nicht.

    Beinbruch, Puck im Gesicht, Hirnerschütterung und ein verletzter Schiedsrichter in einem Spiel – ist Amateur-Hockey zu brutal?

    Auch der Eishockeyverband Swiss Ice Hockey Federation SIHF sieht keinen Handlungsbedarf.

    Sprecher Finn Sulzer gibt bei Nau.ch zu bedenken: «Eishockey ist ein dynamischer Vollkontaktsport, bei dem es wie in anderen Sportarten zu Verletzungen kommen kann.»

    Der Verband wünsche allen Betroffenen eine rasche und vollständige Genesung. Er setze sich kontinuierlich dafür ein, das Verletzungsrisiko zu minimieren.

    «Dazu tragen verschiedene Massnahmen wie flexible Bandensysteme oder die Gitterpflicht für unter 18-Jährige sowie im Fraueneishockey bei.»

    Bei den Männern gilt die Gitterpflicht ab 18 Jahren nicht mehr. Das könnte auch dem Spieler vom EHC Mirchel zum Verhängnis geworden sein, der einen Schuss im Gesicht abbekam. Er trug lediglich ein Plexiglas zum Schutz der oberen Gesichtshälfte.

    Die SIHF betont, dass gemeinsam mit medizinischen Fachkräften die Sicherheitsvorkehrungen laufend überprüft und bei Bedarf weiterentwickelt würden.

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    Kommentare

    User #3942 (nicht angemeldet)

    Kein Gitter, aber Plexiglas Vollschutz müsste sowohl für Profis wie Amateure Vorschrift sein. Die Krankenkassen(-prämien) würden es danken.

    User #4768 (nicht angemeldet)

    ist kein Spiel mehr sondern nur Gewalt

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