Statt Aufnahmeprüfung: Kapo-Aspiranten müssen Französisch büffeln
Die abgeschafften Französisch-Aufnahmeprüfungen bei der Kapo Bern sorgen politisch für Wirbel. Nun erklärt der Regierungsrat, warum der Beschluss Sinn macht.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Kantonspolizei Bern schafft die Aufnahmeprüfung im Französisch ab.
- Der Entscheid sorgt politisch teilweise für Kopfschütteln.
- Der Regierungsrat relativiert die Zweifel in einer Interpellationsantwort.
- Der Test bei der Bewerbung sei zwar abgeschafft, dafür werde der Unterricht intensiviert.
Im April dieses Jahres wird bekannt, dass die Kantonspolizei Bern ihr Bewerbungsverfahren umstellt. Unter anderem werden für die Voll- und Teilzeitausbildung die bisherigen Fächer Allgemeinwissen und Französisch gestrichen.
Das Verfahren soll dadurch attraktiver, effizienter und ressourcenschonender werden. Sinkende Bewerbungszahlen seit der Pandemie und der Personalmangel sind dabei ebenfalls mitentscheidend für den Beschluss. Er tritt ab April 2027 in Kraft.
Nicht überall kommt dieser Entscheid gut an. Insbesondere die Abschaffung der Französisch-Prüfung sorgt im bilingualen Kanton Bern für Kopfschütteln.
Anfang Juni wird deshalb eine Interpellation beim Regierungsrat eingereicht – unterzeichnet von vier Berner Politikerinnen und Politikern: Marie Moeschler (Biel, SP), Samantha Dunning (Biel, SP), Maya Weber Hadorn (Ostermundigen, SP), Christoph Grupp (Biel, Grüne).
«Zweisprachigkeit ist keine Option»
Gerade in den Verwaltungskreisen Biel und Seeland müsse die Kantonspolizei zwingend zweisprachig sein, heisst es im Vorstoss. In dieser Region würden rund 38’000 Französischsprachige leben.
«Die Realität vor Ort führt dazu, dass die französischsprachigen Polizistinnen und Polizisten mit der deutschen Sprache konfrontiert werden.» Auch die deutschsprachigen Beamtinnen und Beamten würden gezwungenermassen regelmässig mit der französischen Sprache in Kontakt kommen.

«Zweisprachigkeit ist keine Option», finden die Verfasser. Vielmehr sei sie «eine operative Notwendigkeit, um einen echten Dialog zu gewährleisten und gefährliche Missverständnisse zu vermeiden». Gerade in Stresssituationen sei es entscheidend, dass die Polizei verstehe, was Personen ihnen mitteilen.
«Fehleinschätzungen vor Ort»
Die Abschaffung der Französischkurse stelle «eine besorgniserregende Verschlechterung der Ausbildungsqualität» dar, heisst es weiter. Sie führe zu mehreren grösseren Problemen.
So werde etwa die Dienstleistung für die Bevölkerung beeinträchtigt. Auch die öffentliche Sicherheit sowie die Vermeidung von Missverständnissen würde geschwächt. «Ein verarmtes Vokabular oder ein systemisches sprachliches Nichtverstehen führen unweigerlich zu schwerwiegenden Fehleinschätzungen vor Ort.»
Dabei wird konkret auf die Betreuung von Opfern häuslicher Gewalt eingegangen. Zudem wird in der Interpellation die Gerechtigkeit innerhalb des Polizeikorps in Frage gestellt.
Regierungsrat: Falsche Annahmen
Mitte August hat der Regierungsrat die Antwort auf die Interpellation publiziert. Man teile die Ansicht der Interpellantinnen und Interpellanten hinsichtlich der Bedeutung der Zweisprachigkeit in der Polizeiausbildung. Die Zweisprachigkeit sei und bleibe wichtig bei der Kapo, bestätigt der Regierungsrat.

Die Verfasser des Vorstosses würden von falschen Annahmen ausgehen, heisst es. Denn: Das Französisch-Niveau werde neu auf andere Weise und letztlich besser erreicht als bisher.
Der Regierungsrat erklärt: «Der Test bei der Bewerbung wird zwar abgeschafft, dafür wird der Französisch-Unterricht intensiviert.»
Täglich büffeln anstatt Aufnahmeprüfung
Die Ausbildungseinheiten zur Sprachfähigkeit der Aspirantinnen und Aspiranten würden im Rahmen ihrer Ausbildung deutlich erhöht. «Lektionen in der jeweils zweiten Amtssprache werden vervielfacht.»
Dazu seien neue Sprachangebote geplant. «Aspirantinnen und Aspiranten werden dazu verpflichtet, im Selbststudium täglich mindestens eine Kurzlektion in ihrer zweiten Amtssprache zu absolvieren.»
Heisst: Anstatt einer Aufnahmeprüfung müssen angehende Polizistinnen und Polizisten jeden Tag büffeln!

Die neue Praxis habe zum Ziel, das Sprachniveau in der jeweiligen anderen Amtssprache bis zum Schluss der Ausbildung zu verbessern.
Abschliessend heisst es: «Für den Regierungsrat hat der Wegfall der Französischprüfung im Bewerbungsverfahren keine Auswirkungen auf die französischsprachigen Dienste der Kantonspolizei Bern.»








