Stadt Bern soll Lösung für zweisprachige Klassen finden
Der Berner Stadtrat hat am Donnerstag ein Zeichen für die von der Abschaffung bedrohten «Classes Bilingues» gesetzt.

Der Gemeinderat soll sich ernsthaft um eine Anschlusslösung bemühen, forderte das Parlament. Der Kanton betreibe die Ecole cantonale de langue française (ECLF), hiess es im Stadtparlament. Der Gemeinderat soll mit dem Kanton mögliche Anschlusslösungen ausloten.
Die ECLF steht Kindern von Angestellten des Bundes und des Kantons sowie Kindern von Angestellten einer Botschaft oder internationalen Organisation oder Personen mit einer starken Bindung zur französischsprachigen Kultur offen.

Bildungsdirektorin Ursina Anderegg berichtete dem Rat, dass die Stadt mit dem Kanton bereits Gespräche geführt habe. Die ECLF sei eine monolinguale Schule. Eine rechtliche Grundlage, um aus ihr eine bilinguale Schule zu machen, existiere nicht, hielt Anderegg fest.
Sie sicherte aber dem Rat zu, erneut auf den Kanton zuzugehen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit weiter auszuloten.
Ein Zeichen setzen
Der Stadtrat überwies eine entsprechende Richtlinienmotion klar mit 63 zu 1 Stimme. Richtlinienmotionen sind nicht verbindlich und lassen dem Gemeinderat bei der Umsetzung viel Spielraum. Mit der Überweisung konnte der Rat immerhin ein Zeichen setzen.
Ein weiterer Vorstoss, der den Erhalt der «Classes Bilingues» forderte, wurde vom Stadtrat abgelehnt.
In der Debatte legten sich manche Stadtratsmitglieder sogar auf Französisch ins Zeug für den Erhalt eines zweisprachigen Schulangebots. Bern sei die Hauptstadt eines zweisprachigen Kantons, betonten viele Rednerinnen und Redner.
Anfang Mai gab die Stadt bekannt, ihre deutsch-französischen Schulklassen im Sommer 2026 wieder aufzugeben. Zehn Lehrpersonen und über 90 Schülerinnen und Schüler sind davon betroffen.
Der zweisprachige Schulversuch wurde 2019 eingeführt. Der Unterricht erfolgt zur Hälfte auf Deutsch und zur Hälfte auf Französisch.
«Fachliche, organisatorische und finanzielle» Gegebenheiten
Dass die Stadt das Angebot nach knapp sechs Schuljahren nicht verlängert, begründet sie mit «fachlichen, organisatorischen und finanziellen» Gegebenheiten.
Zwei Sprachen gleichwertig zu unterrichten, gehe auf Kosten der obligatorischen Fächer, hiess es von der Stadt. Zudem hätten sich die Personalplanung, die Schulentwicklung und die Weiterbildung der Lehrpersonen vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels als «ausserordentlich anspruchsvoll» erwiesen.
Nicht zuletzt seien für den zweisprachigen Unterricht Mehrkosten von bis zu einer Million Franken pro Jahr entstanden.
Die Ankündigung der Schliessung der zweisprachigen Klassen sorgte in Bern für heftige Kritik.