Offener Drogenkonsum in Zürcher Innenstadt nimmt zu
In den Sommerwochen zieht es Personen, die Drogen konsumieren, vermehrt in den öffentlichen Raum. Die Stadt Zürich hat mit intensiveren polizeilichen Kontrollen und sozialarbeiterischen Massnahmen reagiert.

Insbesondere rund um die Bäckeranlage, das Kasernenareal, den Bereich am Gleis 3 des Hauptbahnhofs sowie der Gessnerallee und am Abend beim Schanzengraben sehe man vermehrt, wie Personen Drogen konsumieren, teilte die Stadt Zürich am Dienstag mit. An den besagten Orten komme es zu sichtbarem Konsum und Drogenhandel.
Zudem befänden sich dort grössere Gruppen wodurch Konflikte entstünden. Ein Aufenthalt oder eine Nutzung der öffentlichen Orte sei für andere Menschen daher nur erschwert möglich.
Seit rund einem Monat behandelt die Stadtpolizei die besonders belasteten Gebiete in den Kreisen 1 und 4 als «Brennpunkte». Mit «lageangepassten Patrouillen», vermehrten Fusspatrouillen, Personenkontrollen und Wegweisungen bei Störungen der öffentlichen Ordnung, versucht sie der Entwicklung entgegenzuwirken.
Zudem ermittelt sie gegen den Betäubungsmittelhandel, denn «Drogenkonsum und -handel werden im öffentlichen Raum nicht toleriert», teilte die Stadt mit.
Als weitere Massnahme organisiert die Stadt auf der Bäckeranlage den ganzen Sommer über Veranstaltungen. Damit möchte sie das Gebiet beleben und durchmischen. Die Orte werden regelmässig gereinigt und Unterhaltsarbeiten durchgeführt. Regelmässig vor Ort ist auch das Beratungsangebot «Ein Bus». Dieser ist in den Sommermonaten zusätzlich zum Thema Suchtmittel und Mischkonsum für junge Erwachsene präventiv unterwegs.
Der Stadtzürcher Gemeinderat will keine festgesetzte Drogenszene und auch Konsum in der Öffentlichkeit vermeiden, hielt er noch im Mai an einer Parlamentssitzung fest. Dazu setzt er neben Repression auf Prävention, das Parlament steht hinter der «Vier-Säuen-Politik» des Stadtrats, die nach Auflösung der offenen Drogenszenen auf dem Platzspitz und dem Letten eingeführt wurde.
Bereits drei Anlaufstellen haben in der Stadt Zürich eröffnet. Alle drei sind stark ausgelastet, vor allem wegen Crack- und Freebase-Konsumenten. Neben dem Container-Dorf auf der Kasernenwiese können Süchtige auch in Einrichtungen in Oerlikon und Selnau in geschütztem Rahmen Crack und Freebase rauchen. Die Pfeifen dazu erhalten sie von der Stadt Zürich für vier Franken pro Stück. Der Mikrohandel mit den Drogen wird toleriert, damit dieser nicht auf der Strasse stattfindet.
Zudem betreibt die Stadt Zürich an der Bederstrasse eine Anlaufstelle für Personen, die nicht aus der Stadt Zürich kommen. Dort werden sie betreut und sollen an ihre Heimatgemeinden vermittelt werden. Rund die Hälfte der schätzungsweise 400 Crack-Süchtigen in der Zürcher Innenstadt kommt von ausserhalb.
Das schnell süchtig machende Crack tauchte vor drei Jahren rund um die Bäckeranlage auf. Die Stadt erklärte dies mit der damaligen Schliessung der Anlaufstelle auf dem Kasernenareal. In den Abgabestellen beobachtete sie das Phänomen schon ab 2020. Bald machten sich Sorgen breit, dass sich im Park im Kreis 4 eine offene Drogenszene bilden könnte.
Vor allem Anwohnerinnen und Anwohner erwarten mehr von der Stadt, auch Repression. Keine Unterstützung im Parlament fanden indes mehrere Vorstösse der SVP, die mehr Repression gegen Konsumentinnen und Konsumenten von Crack und Freebase forderten, insbesondere konsequente Kontrollen und Wegweisungen.






