Notschlafstelle in Chur stösst im Winter an ihre Grenze
153 Personen haben 2025 die Notschlafstelle in Chur GR für 3505 Übernachtungen genutzt. Besonders in den Wintermonaten wurde das Kapazitätslimit gemäss dem Jahresbericht der Überlebenshilfe Graubünden häufig erreicht.

Von November bis März war die Notschlafstelle gemäss Jahresbericht 2025 der Überlebenshilfe Graubünden (UHG) mit 16 Plätzen regelmässig voll ausgelastet.
Wie UHG-Geschäftsleiter Carlo Schneiter gegenüber Keystone-SDA festhält, wurden teilweise dann auch mit zusätzlichen Matratzen oder anderen provisorischen Schlafgelegenheiten weitere Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen. Abweisungen würden nur zwei bis drei Mal pro Jahr vorkommen. «Dabei handelt es sich in der Regel um Personen, die ausserhalb der festgelegten Zugangszeiten erscheinen», so Schneiter.
Diese Personen würden meist ohnehin im Freien übernachten «und verfügen über entsprechende Bewältigungsstrategien». Falls erforderlich, stelle die UHG aber Schlafsäcke und Decken zur Verfügung, «damit die Betroffenen die Nacht möglichst sicher verbringen können».
Wie die UHG im Jahresbericht schreibt, sei trotzdem eine Erweiterung des bestehenden Standortes oder ein neuer Standort mittelfristig notwendig. Weil der Schwerpunkt derzeit auf dem im April eröffneten Konsumraum mit Kontakt- und Anlaufstelle liege, habe die Erweiterung aber noch nicht vertieft bearbeitet werden können, wie Schneiter erklärt. Er erachtet für Spitzenzeiten eine Erweiterung auf rund 20 Plätze als sinnvoll. Eine bauliche Erweiterung gestalte sich am bestehenden Standort jedoch als anspruchsvoll.
Anspruchsvoll ist auch die Situation des Wohnungsmarkts in Chur. Das macht den Ausbau eines weiteren Projekts schwierig – nämlich das begleitete Wohnen. Dieses bietet obdachlosen Menschen – teilweise mit Suchtkrankheiten oder psychischen Erkrankungen – eine eigene Wohnung mit Betreuung.
Das Angebot umfasst gemäss Schneiter aktuell zehn reguläre Plätze und ein Notzimmer. «Seit mehreren Jahren ist das Angebot nahezu durchgehend ausgelastet, weshalb wir eine Warteliste führen müssen», sagt Schneiter.
Ungeplante Austritte würden nur vereinzelt vorkommen. «In seltenen Fällen wird die Zusammenarbeit beendet, wenn die vereinbarten Regeln des Zusammenlebens wiederholt nicht eingehalten werden», so Schneiter. Im vergangenen Jahr habe es nur einen Austritt aus diesem Grund gegeben. «Eine weitere Person konnte ausserdem erfolgreich in eine eigene Wohnung wechseln.»
Die hohe Auslastung sei darauf zurückzuführen, «dass viele Klientinnen und Klienten nach Wiedererlangung ihrer Wohnfähigkeit keine geeignete Wohnung finden.»






