Kanton Zürich soll bei CO2-Emissionen aus Verkehr vorwärts machen
Baudirektor Martin Neukom (Grüne) hat am Dienstag dargelegt, wo der Kanton Zürich in Sachen Klimastrategie auf Kurs ist und wo nicht: Wie gewünscht läuft es bei den Gebäuden, hinterher hinkt der Kanton hingegen beim Verkehr.

Der Zürcher Regierungsrat will den Ausstoss von Treibhausgasen rasch senken und die Auslandsabhängigkeit drosseln, wie der Regierungsrat Martin Neukom am Dienstag an einer Medienkonferenz bekannt gab. An diesen Kernpunkten orientiert sich der Kanton dabei:
Volle Wärme-Autonomie bis 2050
Heute deckt der Kanton rund ein Drittel seines Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien ab. Dank Wärmepumpe, tiefer Geothermie und Kehrichtwärme will Zürich bis 2050 komplett ohne fossile Heizungen heizen.
Ein Treiber: Seit Herbst 2022 laufen 95 Prozent aller neu bewilligten Heizungen mit erneuerbarer Energie. «Schaffen wir es auf erneuerbare Energien umzustellen, dann benötigen wir weniger Öl und Gas aus dem Ausland und können die Abhängigkeit von Europa reduzieren», sagte Neukom.
Fokus auf Solarstrom und Langzeitspeicher
Durch den Wechsel auf Elektroautos und Wärmepumpen steige der Zürcher Strombedarf bis 2050 um ein Drittel. Zwar liefern Solardächer an sonnigen Sommertagen über 80 Prozent des kantonalen Stroms. In den kalten Wintermonaten muss der Kanton aber auch 2050 rund zwei Drittel seines Stroms aus dem Ausland oder anderen Kantonen zukaufen.
Angesichts des heissen Sommers, der dazu führte, dass weniger Strom durch Wasserkraft produziert wurde, werde die Solarenergie immer wichtiger für die Versorgungssicherheit. Dies auch im Winter, führte Neukom aus. Der Kanton wolle deshalb auch die Schaffung von Langzeitspeichern fördern.
Der Verkehr bleibt das Sorgenkind
Generell seien die CO2 Emissionen rückläufig, gab Neukom bekannt. Seit 1990 konnten sie um 26 Prozent gesenkt werden. Während Industrie und Eigenheime ihren Ausstoss seit Jahren kontinuierlich drosseln und auf Zielkurs für 2030 liegen, gibt es ein Sorgenkind: den Verkehr.
Zwar kletterte der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge bei der Neuzulassung auf einen Rekordwert von fast 30 Prozent, wie Neukom mitteilt, doch sinken die Emissionen auf den Strassen langsamer als erhofft.
Für den nächsten Hitzesommer wappnen
Der diesjährige Hitzesommer habe den Handlungsdruck drastisch aufgezeigt. Hitzeperioden und Dürren setzten Wäldern, Böden und Gewässer stark zu. Neukom befürchtet, dass die Borkenkäfer bei den geschwächten Bäumen nun leichtes Spiel haben. Zudem seien 100'000 Fische, Krebse und andere Wassertiere diesen Sommer aufgrund der Trockenheit verendet.
Immerhin: Das Trinkwassernetz habe der Belastung stand gehalten, und der Schutz vor Unwettern laufe auf Hochtouren. Als Beispiele nannte Neukom den Entlastungsstollen Thalwil, die Gesetzesänderung zur klimaangepassten Siedlungsentwicklung und den sommerlichen Wärmeschutz wie Klimaanlagen. Letztere sollen bereits im nächsten Jahr möglicherweise weniger Bewilligungshürden erhalten.
Bund gibt den Takt vor
Nachdem das Zürcher Stimmvolk 2025 kantonale Klimaparagrafen abgelehnt hatte, orientiert sich die Exekutive an den Vorgaben des Bundes: 50 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 und Netto-Null bis 2050.






