Die Mitte kämpft für Mittellinien auf engen Strassen
Im Zuge von Strassensanierungen lässt der Kanton Luzern die Mittellinie bei schmalen Strassen weg. Nun wurde im Kantonsrat ein Vorstoss dagegen eingereicht.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Kanton Luzern verzichtet bei Strassen unter 6m Breite auf die Mittellinie.
- Das diene der Verkehrssicherheit.
- Eine Mitte-Politikerin hat Zweifel – und kämpft mit einem Vorstoss für mehr Mittellinien.
Strassen werden saniert, neu geteert und dann bald einmal mit weissen Linien verschönert: So soll es sein.
Oder auch nicht, sagt der Kanton Luzern: Bei Strassen, die weniger als sechs Meter breit sind, wird nach der Sanierung keine Mittelmarkierung mehr angebracht. Dies diene der Verkehrssicherheit, entspreche den geltenden Normen und der Empfehlung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU).
Mitte kämpft für Mittellinie
Damit überhaupt nicht einverstanden ist Eliane Graber. Die Gemeindepräsidentin von Fischbach LU und Mitte-Kantonsrätin hat einen Vorstoss eingereicht, der die Rückkehr der Mittellinienmarkierungen fordert.
Dass eine Mitte-Politikerin sich für Mittellinien einsetzt, habe im Kantonsrat indes noch nicht für faule Sprüche gesorgt. «Aber es stimmt natürlich, dass das auf der Hand liegt!», meint Graber lachend zu Nau.ch.

Immerhin haben ihren Vorstoss Mitglieder aus allen Parteien unterzeichnet. Die Mittellinien sind also nicht nur wegen der frisch geteerten Strecke von Fischbach nach Zell LU ein Thema. Auch andernorts werden die durchgezogenen und gestrichelten Strassenmarkierungen vermisst.
Was bremst besser: Eine Mittellinie – oder deren Fehlen?
Auch dass der Kanton auf Vorgaben verweist, lässt Graber nicht gelten. «Man sollte dies einmal überprüfen – und eigentlich hätten wir ja gerne sechs Meter breite Strassen.»
Vor der Sanierung habe es ja auf diesen Strecken auch Mittellinien gehabt. Es seien Strecken, die eher zu schnellem Fahren verleiteten, so Graber. «Eine Mittellinie würde hier bremsend wirken.»

Anders sieht es die BFU. «Ohne Mittellinie fahren die Autos zwar grundsätzlich stärker in der Mitte, dafür aber langsamer. Ihnen ist bewusst, dass sie bei Gegenverkehr ausweichen müssen», erklärt Mediensprecher Christoph Leibundgut.
«Wenn jeder seine Fahrbahn hat, hat auch jeder das Gefühl, dass die Strasse breit genug ist, um problemlos zu kreuzen», so Leibundgut weiter. Doch wenn ein Lastwagen komme oder ein Fahrzeug auf der Mittellinie fahre, werde es schnell eng.
Moderne Autos brauchen Mittellinie
Ganz egal, wie der Mensch nun gefühlsmässig auf vorhandene oder nicht vorhandene Linien reagiert: Viele Autos fahren heutzutage eh mit Fahrassistenzsystemen. Diese helfen, die Spur zu halten – oder sie meinen zumindest, dies zu tun.

Denn, hat Mitte-Kantonsrätin Eliane Graber beobachtet: Ohne Markierung geben die Assistenzsysteme auf, oder sie versuchen, das Fahrzeug in die Mitte der Fahrbahn zu manövrieren. «Man muss dann sofort selbst reagieren und das Auto an den rechten Rand ziehen und macht dann einen kleinen Schlenker.» Sicheres Fahren sieht wohl anders aus.
Moderne Assistenzsysteme müssten solche Strassen lesen können, entgegnet Christoph Leibundgut von der BFU. Fahrerassistenzsysteme seien Co-Piloten, die Person am Steuer bliebe für ihr Fahrzeug verantwortlich. «Sie darf das Lenken nicht dem Auto überlassen.»












