4,5 Millionen Solothurner Zeitzeugnisse suchen Schutz
Das audiovisuelle Erbe des Kantons Solothurns ist in Gefahr. Ein Inventar der Zentralbibliothek Solothurn hat Mängel bei der Erhaltung von Fotografien, Filmen und Tonaufnahmen im Kanton aufgezeigt. Die langfristige Sicherung ist ungewiss. Der Kanton will handeln.

Ob historische Fotografien der Zellulosefabrik Attisholz, Aufnahmen vom Bau der Kantonsschule oder Filmdokumente lokaler Vereine: Das audiovisuelle Gedächtnis des Kantons Solothurn ist riesig, aber gefährdet.
Dies zeigt die Erhebung der Zentralbibliothek Solothurn im Auftrag des Amts für Kultur und Sport. Bei der Konservierung und Digitalisierung dieser Schätze bestehe dringender Handlungsbedarf, geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Schlussbericht hervor.
Im Rahmen des nationalen Programms «Kantonale audiovisuelle Übersichtsinventare der Schweiz», koordiniert von der Kompetenzstelle Memoriav, wurden 149 Institutionen, Vereine und Privatpersonen befragt.
Insgesamt wurden rund 4,5 Millionen physische und digitale Einheiten identifiziert. Der grösste Teil davon sind Fotografien, die vor allem in den Kulturzentren Olten, Solothurn und Grenchen lagern.
Die grössten Gefahren für die historischen Fotografien im Kanton Solothurn ergeben sich in erster Linie aus unzulänglichen Lagerbedingungen. Dies habe bei zahlreichen Beständen zu physischen Schäden geführt, wie aus dem Schlussbericht hervorgeht.
Ein weiteres erhebliches Risiko stelle die niedrige Digitalisierungsquote dar. Oft sei die Qualität bereits vorhandener digitalisierter Originale uneinheitlich. Da die digitale Langzeitarchivierung bislang nicht ausreichend geregelt sei, bestehe die Gefahr, dass auch digital vorliegende Zeitzeugnisse langfristig nicht gesichert seien.
Das Fehlen einer übergeordneten Strategie sowie ungeklärte Verantwortlichkeiten auf kantonaler Ebene erschwerten eine koordinierte Sicherung dieser gefährdeten Bestände.
Der Schlussbericht empfiehlt eine kantonale Strategie und die Klärung der Zuständigkeiten. Als Sofortmassnahme sollen die Bestände sachgerecht verpackt und die Lagerbedingungen verbessert werden. Das Amt für Kultur und Sport werde unter Einbezug der wichtigsten Beteiligten das weitere Vorgehen prüfen, hielt der Kanton fest.
Das Solothurner Inventar ist Teil eines schweizweiten Projekts von Memoriav, das im Auftrag des Bundesamtes für Kultur gemacht wird. Ziel ist es, sowohl bekannte als auch bisher unbekannte audiovisuelle Bestände in den Kantonen zu identifizieren und Informationen über deren Zustand zu sammeln, um das nationale Erbe zu sichern






