150 Lehrlinge: Hat Kanton Bern BiCT-Lehrstellen zurecht bewilligt?
Eltern zweifeln, ob die finanziellen Probleme der BiCT AG nicht Grund genug gewesen wären, um 36 neue Lehrstellen gar nicht erst zu bewilligen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die BiCT AG – und damit 150 Lernende – steht aus finanziellen Gründen vor dem Ende.
- Doch eben erst hatte der Kanton 36 neue Lehrstellen bewilligt, die Betroffenen suchen nun Anschlusslösungen.
- Oder hätte sich dies verhindern lassen? Eltern hinterfragen die Entscheide beim Kanton Bern.
Das Gebäude der privaten Berufsbildungsinstitution BiCT AG wird Ende September schliessen. So die letzte Information an die rund 150 betroffenen Mediamatik- und Informatik-Lernenden.
Im Juli waren Lehrlinge und Eltern informiert worden, dass die BiCT AG mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte.
Mitte August war dann klar: Es gibt keinen Ausweg, BiCT muss schliessen und die Lehrlinge müssen alle umplatziert werden.
Die Bildungs- und Kulturdirektion (BKD) unter Regierungsrat Reto Müller organisiert runde Tische, um mit der Branche Anschlusslösungen zu finden.
Letzter Hoffnungsschimmer: Kanton finanziert
Am 9. September soll nun eine weitere, womöglich letzte Informationsveranstaltung sein.
Viele Eltern haben die Hoffnung nicht aufgegeben: So soll den Lernenden mitgeteilt worden sein, dass die Chance auf eine Fortführung ihrer Lehre fifty-fifty sei.

Dies allerdings unter der Bedingung, dass der Kanton spätestens bis zum 9. September Geld spreche.
Nur: Der Kanton sieht keinerlei Verpflichtung dazu, wie er von Anfang an klar machte. Es müsste also einen politischen Entscheid geben.
Doch auch im Grossen Rat scheint sich die Begeisterung für finanzielle Unterstützung der BiCT in Grenzen zu halten. Wichtig seien jetzt primär Anschlusslösungen, hiess es gegenüber dem BärnerBär.
Neue Lehrlingsverträge bewilligt
Oder hätte es gar nicht so weit kommen müssen? So laute der Hauptvorwurf der Eltern, sagt einer der Väter, Christoph K.* aus Bern, zum BärnerBär: «Weshalb hat der Kanton Bern 36 Lehrlingsverträge genehmigt im Wissen, dass BiCT vor solchen massiven Problemen steht?»
Die Lernenden im ersten Lehrjahr haben schliesslich erst wenige Tage vor dem endgültigen Kollaps der BiCT überhaupt ihre Lehre begonnen.
Nachdem sie in der Zwischenzeit brieflich über die «wirtschaftlich anspruchsvolle Phase» informiert worden waren.
Kanton: Wurden erst später informiert
Zuständig für die Bewilligung von Lehrstellen ist das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA), das in der BKD angesiedelt ist. Das MBA prüft die Lehrbetriebe gemäss bestimmten gesetzlichen Kriterien und kann allenfalls Nachbesserungen verlangen.
Die finanzielle Situation ist im Gesetz beziehungsweise der Verordnung zwar nicht explizit erwähnt. Jedoch muss ein Lehrbetrieb unter anderem den Lehrvertrag einhalten können – was bei einem Konkurs ja schlecht möglich ist.

Gemäss BiCT-Geschäftsführer Armin Wyss war die BiCT AG seit Januar 2026 daran, einen Ausweg aus der finanziellen Misere zu finden.
Die BKD stellt auf Anfrage aber klar: Der Kanton sei erst Anfang Juli über die wirtschaftliche Lage der BiCT AG informiert worden.
«Die Bewilligungen der Lehrverträge wurden von Seiten MBA zu einem früheren Zeitpunkt erteilt», sagt BKD-Kommunikationsleiter Yves Brechbühler zum BärnerBär. «Die Voraussetzungen zur Bewilligung wurden erfüllt.»
Seit Juli arbeite der Kanton mit Hochdruck daran, eine Lösung für die betroffenen Lernenden zu finden.
Wie Eltern dem BärnerBär berichten, lautet die offizielle Empfehlung des Kantons an die Lernenden deshalb: Informiert euch beim BIZ – und sucht eine andere Lehrstelle.
*Name geändert







