Bern: 150 Lehrlinge bangen um Job – Kanton hilft finanziell nicht
Rund 150 Lernende sind von der Schliessung der BiCT AG betroffen. Der Kanton Bern soll helfen, aber nicht mit Geld, heisst es aus dem Grossen Rat.

Das Wichtigste in Kürze
- Die BiCT muss schliessen, rund 150 Lernende sind betroffen.
- Der Kanton hilft mit einem runden Tisch und versucht, Lehrstellen zu vermitteln.
- Eine finanzielle Unterstützung kommt für Grossrats-Mitglieder aber nicht infrage.
Der Berner IT-Ausbildungsbetrieb BiCT AG muss schliessen. Schon per September stehen deshalb rund 150 Informatik- und Mediamatik-Lernende vor einer ungewissen Zukunft.
Als Gründe für das Aus nach 25 Jahren nennt Gründer und Geschäftsführer Armin Wyss einen noch nicht zurückgezahlten Covid-Kredit. Auch sei die Nachfrage nach IT-Fachkräften rückläufig. Dazu kämen auch Sparmassnahmen bei Partnerbetrieben und nicht zuletzt der zunehmende Einsatz von KI.
Gute Anschlusslösungen zentral
Im Berner Grossen Rat zeigen sich die Bildungspolitiker betroffen von der grossen Zahl an Lernenden, die um ihre Ausbildung bangen.
«KI führt zu grossen Verwerfungen in dieser Branche. Und kaum jemand kann die Auswirkungen bereits heute abschätzen», sagt etwa GLP-Grossrat Roland Lüthi.

«Ich nehme das mit grossem Bedauern zur Kenntnis», sagt auch SP-Grossrätin Katharina Ali-Oesch. Die berufliche Grundbildung sei einerseits wichtig für die Lernenden, andererseits für die Wirtschaft, die auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen sei.
«Deshalb ist es zentral, jetzt gemeinsam mit allen Beteiligten für die betroffenen Lernenden gute Anschlusslösungen zu finden.»
Diesbezüglich müssten sich die Lernenden keine Sorgen machen: Wie Nau.ch erfahren hat, soll Geschäftsführer Armin Wyss mit diesen Worten die Betroffenen letzten Freitag beruhigt haben.
Keine Finanzhilfe durch den Kanton
Wertvoll und zielführend sei der von Regierungsrat Reto Müller (SP) geleitete runde Tisch, betont Grossrätin Ali-Oesch. Denn eine Pflicht, Lehrabschlüsse zu garantieren, habe der Kanton nicht.
Im Zentrum stehe nun, gemeinsam mit allen Beteiligten tragfähige Lösungen für die Lernenden zu finden. «Und die Fortsetzung ihrer Ausbildung nach Möglichkeit sicherzustellen», so Ali-Oesch.

Das Parlament sei interessiert und werde von Müllers Bildungs- und Kulturdirektion (BKD) auch informiert, sagt GLP-Grossrat Lüthi.
Die BKD mache seiner Meinung nach sehr viel: «Sie hat mitgeholfen und die über 100 Firmen angeschrieben, um die Lehrlinge umzuplatzieren.»

Eine finanzielle Unterstützung der BiCT kommt für beide aber nicht infrage.
«Dazu fehlt schlicht die rechtliche Grundlage», betont Lüthi. Seiner Erfahrung nach gehe es im Lehrlingswesen selten ums Geld. Sondern um die Frage, ob man es im Betrieb organisieren könne: Etwa, ob Kapazitäten und die Berufsbildner für die Betreuung der Lernenden vorhanden seien.
GLP-Lüthi: «Branche ist auf diese Leute angewiesen»
Für Katharina Ali-Oesch ist es wichtig, dass die Ausbildungspartner Verantwortung übernehmen. Sie sollen soweit möglich einen Beitrag zu tragfähigen Lösungen ihrer Lernenden leisten.
Dies hängt mit dem – gemäss Lüthi «schon etwas speziellen» – Modell der BiCT zusammen: Die Lernenden verbringen die ersten zwei Lehrjahre ausschliesslich bei der BiCT, erst das dritte und vierte Jahr im Lehrbetrieb.
Zu den Ausbildungspartnern gehören unter anderem die Swisscom, Postfinance, der Kaffeemaschinen-Hersteller Jura und der Milchverarbeiter Emmi. Aber auch der Bund und die Stadt Thun – wo Katharina Ali-Oesch als Gemeinderätin für den Bildungsbereich verantwortlich ist.
«Die Stadt Thun ist kein Praktikumsbetrieb der BiCT AG und hat derzeit keine Lernenden im 1. Basislehrjahr bei der BiCT AG in Ausbildung», stellt sie klar. Doch grundsätzlich sei es Thun ein Anliegen, dass die betroffenen Lernenden ihre Ausbildung erfolgreich fortsetzen und abschliessen könnten.
Und darum: «Die Stadt ist offen, allfällige Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu prüfen.»
Die Zuversicht von BiCT-Geschäftsführer Wyss klingt auch in den Worten von GLPler Lüthi an. Die IT-Branche habe ein grosses Interesse, dass das Lehrlingswesen funktioniere, auch wenn es zunächst nicht rentiert. Viele der Lernenden machen nach der Lehre noch einen Hochschulabschluss: «Und auf diese Leute ist die Branche dann angewiesen.»








