Vergeltung Irans gegen Golfstaaten - Sorge vor Energiekrieg

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Nach iranischen Angriffen auf Flüssiggasanlagen in Katar und der Androhung von Vergeltung durch US-Präsident Donald Trump wächst die Sorge vor einem folgenreichen Energiekrieg.

donald trump
US-Präsident Donald Trump. - keystone

Das US-Militär werde das bedeutende Gasfeld «South Pars» im Persischen Golf massiv attackieren, sollte der Iran weiter Katars Gasindustrie angreifen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Der Preis für europäisches Erdgas stieg daraufhin in der Spitze um mehr als 30 Prozent.

Israel hatte «South Pars», das vom Iran und Katar ausgebeutet wird, bereits am Mittwoch angegriffen – laut Trump ohne sein Wissen und seine Genehmigung. US-Medienberichte legten am Donnerstag aber nahe, dass der US-Präsident sehr wohl eingeweiht war. Trump habe den Angriff ausdrücklich gebilligt, um den Druck auf den Iran zu erhöhen, die für den Ölmarkt bedeutende Strasse von Hormus freizugeben.

Trump schrieb, Israel habe das Gasfeld «aus Wut über die Ereignisse im Nahen Osten» angegriffen. In Versalien äusserte er, es werde keine weiteren israelischen Angriffe auf dieses «äusserst wichtige und wertvolle» Gasfeld geben – es sei denn, «der Iran beschliesst unklugerweise, einen völlig Unschuldigen anzugreifen, in diesem Fall Katar».

Die für den Weltmarkt bedeutenden Flüssiggasanlagen im katarischen Industriegebiet Ras Laffan wurden durch die iranischen Angriffe schwer beschädigt, wie der Betreiber Qatar Energy auf der Plattform X mitteilte. Das katarische Innenministerium erklärte wenig später, die Brände seien unter Kontrolle gebracht worden. Es gebe keine Verletzten.

Der Gaskonzern Shell bestätigte am Donnerstag Schäden an der Gasaufbereitungsanlage «Pearl» – den Angaben zufolge die grösste weltweit. Shell betreibt die Anlage zusammen mit Qatar Energy, dem staatlichen Konzern des Landes. Katar gehört zu den grössten Gasproduzenten der Welt und spielt eine Schlüsselrolle bei der globalen Versorgung mit Flüssiggas, das vor allem in Ras Laffan verschifft wird.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten schlossen die Behörden nach einem Raketenangriff eine Öl- und Gasanlage im Emirat Abu Dhabi. Herabstürzende Trümmerteile infolge eines Abwehreinsatzes der Luftabwehr hätten zu «Vorfällen» geführt, teilte die Regierung in Abu Dhabi mit, ohne weitere Details zu Schäden zu nennen. Betroffen ist demnach die Gasanlage Habschan und ein Ölfeld namens Bab. Auch der Ölpreis stieg im frühen Handel daraufhin weiter an.

Mit seinen gezielten Angriffen auf zivile Objekte und lebenswichtige Einrichtungen in Ländern der Region habe der Iran «alle roten Linien überschritten», erklärte das katarische Aussenministerium in Doha. Auch Saudi-Arabien forderte den Iran zur Einstellung der Angriffe auf die benachbarten Golfstaaten auf. Über der saudischen Ölraffinerie Samref stürzte nach offiziellen Angaben eine Drohne ab.

Irans Präsident Massud Peseschkian hatte zuvor auf der Plattform X vor einer Eskalation gewarnt. Die «aggressiven Handlungen» würden Israel, den USA sowie deren Verbündeten keinen Vorteil bringen, sondern die Lage verschärfen. Sie könnten «unkontrollierbare Folgen» haben, die sich weltweit auswirkten. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb, es habe eine neue Eskalationsstufe begonnen. Es gelte das Prinzip «Auge um Auge».

In der iranischen Bevölkerung verstärkten sich derweil Verunsicherung und Frust. Am Freitag beginnt das persische Neujahrsfest Norus. Doch die Basare und Einkaufspassagen sind leer, viele Familien harren in ihren Wohnungen aus. «Meine Frau und ich wissen nicht, was wir machen sollen», sagte Dschawad, ein 72 Jahre alter Rentner, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Wie lange soll das noch so weitergehen? Keiner hat eine Antwort!» Aussagen von Menschen im Iran gelangen derzeit seltener nach aussen.

Dschawad sagte, er befürworte eigentlich militärische Gewalt für einen Machtwechsel. «Auch nach drei Wochen Krieg ist das Regime noch da, Land und Volk aber sind am Ende», sagte der frühere Bankangestellte. «Wenn sie nun auch die Polizeiwachen und Öl- und Gasfelder angreifen, kommt es zu einem wahren Chaos. Keine Sicherheit mehr, noch mehr Kriminalität und irgendwann auch kein Strom.»

Die 18 Jahre alte Sana sagte, sie habe gehofft, dass es schnell zu einem Sturz der Regierung kommt. Gut drei Wochen nach Kriegsbeginn bestimmten jedoch Sorgen und Hoffnungslosigkeit ihren Alltag. «Dieses Land wird vollständig zerstört», sagte sie. «Ich habe keine Hoffnung mehr in dieses Land.»

Kommentare

User #3404 (nicht angemeldet)

NTV +++ 15:28 USA erwägen Aufhebung von Sanktionen gegen iranisches Öl +++ was für ein Witz

User #6029 (nicht angemeldet)

Qatar ist selber schuld. Als arabisches Land wird mit dem Westen geschlafen, dass das irgendwann zum Rohrkrepierer wird, war klar.

Weiterlesen

Hans Wicki Titlis Gondelbahn
33 Interaktionen
VR-Präsi perplex
donald trump
17 Interaktionen
«Geschwächt»

MEHR AUS STADT BERN

SC Bern
27 Interaktionen
«Peinlich»
Stalking
Ausbau des Angebots
BLS
22 Interaktionen
Umsatz brach ein