Der seit zwei Jahren untergetauchte frühere Wirecard-Vorstand Jan Marsalek könnte laut Informationen der «Süddeutschen Zeitung» und der unabhängigen russischen Investigativ-Plattform «Dossier Center» in Moskau unter dem Schutz russischer Geheimdienste leben.
Wirecard rutsche 2020 spektakulär in die Insolvenz
Wirecard rutsche 2020 spektakulär in die Insolvenz - AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • «Süddeutsche» und Investigativplattform erhalten Infos zu Ex-Wirecard-Manager .

Wie die «Süddeutsche Zeitung» am Dienstag berichtete, sollen das unter anderem ein russischer Pass mit einem Foto Marsaleks sowie weitere Informationen belegen - darunter sogar Bilder.

Der österreichische Staatsbürger wird seit längerem in Russland vermutet, mehrfach gab es dazu schon entsprechende Medien- und Investigativberichte. Demnach gelang dem Manager, der seit langem enge Beziehungen zu russischen Geheimdiensten gepflegt haben soll, während der sich allmählich entfaltenden Wirecard-Insolvenz per Flugzeug die Flucht in das eng mit Russland verbündete Belarus. Offizielle Bestätigungen gibt es nicht.

So hatte etwa die «Bild»-Zeitung im April berichtet, dass Marsalek unter dem Schutz des russischen Inlandsgeheimdiensts in Moskau gelebt haben soll. Hinter den Kulissen wandte sich die deutsche Justiz demnach auch mit einem Festnahme- und Auslieferungsersuchen an die russische Regierung in Moskau.

Laut «Süddeutscher Zeitung» bekamen die Rechercheure des «Dossier Center» zu Beginn dieses Jahres von einer russischen Quelle zunächst den Hinweis auf einen russischen Pass auf den Namen German Bazhenov, den Marsalek angeblich in Moskau verwendet. Nach einem Foto des Passes kamen demnach immer weitere Hinweise und Informationen. So soll Marsalek etwa gern in einem bekannten Moskauer Luxusrestaurant verkehren, wobei sein Auto von einem Geländewagen mit mutmasslichen Bewachern eines russischen Geheimdiensts begleitet werde.

Darüber hinaus gab es weitere Hinweise aus russischen Quellen - so etwa zu angeblichen Moskauer Wohnadressen. Es existieren sogar Bilder, die Marsalek angeblich in Moskau zeigen sollen. Die «Süddeutsche» wies zugleich darauf hin, dass die Echtheit etwa des Passfotos nicht überprüft werden könne. Es besteht demnach durchaus die Möglichkeit, dass es sich um gezielt gestreute Falschinformationen handelt, die Marsaleks Aufenthaltsort nur verschleiern.

Marsalek war Vorstand des Ende Juni 2020 unter spektakulären Umständen in die Insolvenz gerutschten Finanzdienstleisters Wirecard. Die Chefetage des früher im Dax gelisteten Konzerns soll über Jahre hinweg Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben. Ex-Vorstandsvorsitzender Michael Braun sitzt in Untersuchungshaft, Marsalek tauchte damals unter. Nach ihm wird seit dem 22. Juni 2020 international wegen milliardenschweren Betrugs gefahndet.

Laut «Süddeutscher» handelt es sich bei dem Foto in dem am 10. Juni 2021 ausgestellten Pass wahrscheinlich um dasselbe Bild, das auch in Marsaleks altem österreichischen Ausweis zu sehen war und das als Fahndungsbild für ihn dient. Er trägt darauf lediglich andere Kleidung. Laut der russischen Quelle soll Marsalek diesen Pass aber nur in der Öffentlichkeit benutzen. Darüber hinaus soll er noch über eine weitere russische Identität verfügen.

Der Zeitung zufolge wollten weder Marsaleks Münchner Rechtsanwalt noch die Münchner Staatsanwaltschaft die Ergebnisse der Recherche ihr gegenüber kommentieren. Anfragen an die russische Regierung blieben unbeantwortet.

Die «Süddeutsche» kooperiert nach eigenen Angaben mit den Rechercheuren des «Dossier Centers». Die Investigativplattform wurde von dem Kremlkritiker und früheren russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski ins Leben gerufen, der ein Erzfeind des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist. In Russland selbst ist die unabhängige Rechercheplattform wie andere auch verboten.

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