Junge orten Smartphone des Partners – Expertin warnt
Immer mehr junge Menschen tracken das Smartphone ihrer Partnerinnen und Partner. Warum ist das so? Und ist das Tracken in einer Beziehung ein Alarmsignal?

Das Wichtigste in Kürze
- Junge Paare kontrollieren ihre jeweiligen Standorte mithilfe ihrer Smartphones.
- Eine Expertin warnt: Es gibt keinen guten Grund, seinen Partner zu tracken.
- Langfristig verstärke das nur Unsicherheiten und untergrabe das Vertrauen.
Das Smartphone ist aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken.
Alt und Jung nutzen es, um zu kommunizieren, im Netz zu surfen und sich in sozialen Medien zu vernetzen. Doch immer öfter werden die Handys auch genutzt, um den Partner oder die Partnerin zu kontrollieren.
Denn: Wer ein Smartphone besitzt, schaltet die sogenannten Ortungsdienste selten aus. Und kann so mittels speziellen Apps aufgespürt werden.
Das Smartphone ist «ein permanentes Werkzeug»
Eine Möglichkeit, die vor allem bei jüngeren Paaren sehr beliebt ist, wie Katrin Lukas zu Nau.ch sagt. Sie berät Paare bei der Paarberatung im Kanton Zürich.
«Das Smartphone ist für viele junge Menschen ein erweitertes Körperteil. Und somit auch ein permanentes Werkzeug», sagt sie.
Es liege deshalb nahe, dass es auch zur «Beziehungssicherung» genutzt werde. Eben beispielsweise, indem es zur Überwachung benutzt wird.
Und das kann verheerend sein, wie Lukas klarstellt: «Es gibt keinen guten Grund, die Partnerperson zu tracken.»
Tracking vermittelt kurzfristig Beruhigung. «Aber langfristig verstärkt es Unsicherheiten.»
Grund dafür: «Wer ständig nachkontrolliert, verlässt sich nicht mehr auf die Beziehung, sondern auf Daten. Das untergräbt das Vertrauen.»
«Die Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf Bedrohungen»
Denn das Gefühl der Sicherheit sei eine Illusion und vollständige Überwachung sei unmöglich. Und auch Ängste würden nicht verschwinden, so Lukas.

Im Gegenteil, erklärt sie: «Die Aufmerksamkeit richtet sich noch stärker auf potenzielle Bedrohungen. Gleichzeitig entfernt man sich von der Fähigkeit, innere Sicherheit ohne Kontrolle herzustellen.»
«Kontrolle bleibt Kontrolle»
Doch ist das Tracking tatsächlich immer schädlich – auch dann, wenn alle einverstanden sind?
«Selbst wenn alle einverstanden sind, bleiben die Wirkmechanismen dieselben», meint Katrin Lukas. Ausserdem könne ein «Einvernehmen» aus Schuldgefühlen, Angst oder Konfliktvermeidung entstehen. Und nicht aus «echter Freiwilligkeit».

Denn: «Kontrolle bleibt Kontrolle. Eine Beziehung kann aus Überwachung kein verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.»
Natürlich setzen nicht alle jungen Paare auf gegenseitiges Handy- Orten. Die Expertin gibt zu bedenken, dass viele junge Menschen bewusst reflektieren, welche Wirkung Smartphones auf sich und ihre Beziehung haben.
Trotzdem: Tatsache ist, dass vor allem Junge zum Tracking greifen. Was steckt dahinter?
Gen Z ist sehr stark digital vernetzt
Generationenforscher Rüdiger Maas vermutet: «Die Gen Z ist mit dem Smartphone, seinen Apps und digitaler Vernetzung aufgewachsen. Sie ist es sich gewohnt, dass standortbasierte Dienste alltäglich sind.»
Demgegenüber würden die Millennials, die Gen X und die Babyboomer solche Funktionen weniger selbstverständlich nutzen. Und noch ältere Generationen wüssten oft nicht, wie man Standortfreigaben überhaupt einrichtet und überwacht.
Jahrgangs-Spannen der Generationen
Babyboomer: ca. 1946 - 1964
Generation X: ca. 1965 – 1980
Generation Y (Millennials): ca. 1981 – 1995/96
Generation Z (Zoomer): ca. 1995/96 – 2009/2010/2012
Generation Alpha: ca. 2010/2011 – 2024/2025
Generation Beta: ab ca. 2025
«Von dem her überrascht es mich nicht», erklärt der Generationenforscher.
«Unsere Studien zeigen, dass die Gen Z sehr stark digital vernetzt ist. Und ihre Beziehungen teilweise online pflegt.»
In jüngeren Generationen werde der ständige Austausch von Standorten sozial akzeptiert, so Maas. Ältere Generationen würden ein solches Verhalten derweil als eher «übergriffig und unhöflich» empfinden.
Tracking ist für Junge «normal»
Der Generationenforscher erklärt: «Das Bedürfnis nach Sicherheit, Kontrolle oder Bestätigung ist in Beziehungen bei jüngeren Menschen oft stärker mit digitaler Technologie verknüpft.»
Das zeige sich unter anderem darin, dass die Generation Z zwar im Allgemeinen weniger vertraue. Gleichzeitig aber ein grösseres Vertrauen in digitale Daten habe als ältere Generationen.
«Das kann die ‹digitale Kontrolle› gegebenenfalls noch verstärken.» Denn: Tracking werde als «normale» Art der Beziehungspflege gesehen. Und weniger als Kontrollverhalten oder Misstrauen.
Digitale Überwachung durch das Smartphone beschränkt sich längst nicht auf Liebesbeziehungen. Auch Apps greifen laufend auf Standortdaten zu – oft automatisch im Hintergrund.
Bei Datenlecks können diese Informationen gestohlen werden. Datenschützer warnen seit Jahren vor den Folgen dieser ständigen digitalen Begleitung. Je mehr persönliche Daten über das Smartphone gesammelt werden, desto grösser wird das Missbrauchsrisiko.


















