Namensnennung hat für Zürcher Sicherheitsdirektor ein Nachspiel
Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) muss sich für seine Aussagen nach dem Messerangriff von Winterthur rechtfertigen. Grüne und AL wollen von ihm unter anderem wissen, weshalb er den Namen des Täters nannte.

Sicherheitsdirektor Fehr kam am Tag des Messerangriffs ohne Umschweife zur Sache: Er redete bereits wenige Stunden nach der Tat von einem «Terrorakt» und nannte den vollen Namen des türkisch-schweizerischen Doppelbürgers, der am Hauptbahnhof drei Männer mit einem Messer verletzte. Zu diesem Zeitpunkt war der Angreifer bereits verhaftet und stellte keine Gefahr mehr dar.
Grüne und AL wollen von Fehr nun genau wissen, weshalb er dies tat. Mit der Nennung des Namens würden oft auch Angehörige in schwere Bedrängnis gebracht. «Haben der Sicherheitsdirektor und die ihm unterstellten Amtsstellen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, damit Angehörige nicht in Gefahr kommen?», schreiben sie in ihrer Anfrage an den Regierungsrat, respektive an Mario Fehr.
Zudem könne eine sehr frühe Bekanntgabe der Täteridentität die Ermittlungen behindern, insbesondere wenn dadurch weitere Beteiligte gewarnt und diese Beweise vernichten würden. Damit habe der Sicherheitsdirektor die Arbeit der Polizei erschwert.
Auch die rasche Einstufung als «Terrorakt» wirft bei Grünen und AL Fragen auf. Erst die Ermittlungen würden zeigen, ob die Tat wirklich als terroristisch einzustufen sei. Fehr habe das Resultat der Untersuchungen vorweggenommen. Dies könne aber ein späteres Gerichtsurteil beeinflussen. Fehr wird nun in den kommenden Wochen Stellung zu den Fragen beziehen.
Der Angreifer sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen mehrfachen versuchten Mordes sowie Unterstützung beziehungsweise Beteiligung an einer terroristischen Organisation.
Allerdings können die Ermittler das Handy und den Laptop des Beschuldigten nicht durchsuchen. Der 31-Jährige liess die Geräte versiegeln. Solange in der Sache nicht entschieden ist, können die Ermittler somit nicht überprüfen, ob es vielleicht ein Netzwerk im Hintergrund gab.
Am 28. Mai kurz vor 8.30 Uhr griff ein 31-Jähriger am Bahnhof Winterthur drei Passanten mit einem Messer an. Da der Angreifer bei der Tat mutmasslich «Allahu Akbar» rief, gingen die Behörden früh von einem dschihadistischen Hintergrund aus. Der Mann wurde wenige Minuten nach dem Angriff am Tatort verhaftet.
Erst am Tag zuvor verliess er die Integrierte Psychiatrie Winterthur (IPW), wo er als «nicht fremd- und selbstgefährdend» eingestuft wurde. Der Mann war den Sicherheitsbehörden bereits seit 2015 wegen der Verbreitung von IS-Propaganda bekannt. Er bewegte sich unter anderem im Umfeld der als extremistisch geltenden früheren Winterthurer An'Nur Moschee.






