Schuldenfalle Fussball-WM? «Leute blenden die Finanzen aus»

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Zürich,

Emotionen und Leidenschaft sorgen dafür, dass man mehr Geld ausgibt, als man hat. Deshalb kann die WM in den USA für Schweizer Fans finanzielle Folgen haben.

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Viele Schweizer reisen in diesen Tagen in die USA, um die Nati vor Ort anzufeuern. (Archivbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Heute geht es los mit der Fussball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada.
  • Auch Schweizer Fans sind angereist – und haben dafür tief in die Tasche gegriffen.
  • Die Kosten können dabei schnell das eigentliche Budget überschreiten.

Einmal an einer Fussball-WM live im Stadion mit dabei sein und die Schweiz anfeuern: Der Traum vieler Fussball-Fans.

Nach Russland (2018) und Katar (2022) scheinen die USA dafür eine attraktive Destination zu sein. So sind denn auch viele Schweizerinnen und Schweizer für die WM nach Amerika gereist.

Die Euphorie ist jedoch gemässigt. Die Zahlen seien ungefähr vergleichbar mit jenen der WM in Katar, wie der Schweizerische Fussballverband SFV auf Anfrage erklärt.

«Über den SFV wurden für die Gruppenspiele der Schweizer Nati rund 500 Tickets pro Spiel an Schweizer Fans verkauft», so Sergio Affuso, Medienverantwortlicher des Männer-Nationalteams.

Zusätzlich seien über den SFV weitere 1500 Tickets für den restlichen Verlauf des Turniers verkauft worden – also für potenzielle K.-o.-Spiele der Nati.

Tickets konnten aber auch direkt bei der FIFA bestellt werden. Diese Zahlen sind dort nicht mitgerechnet.

Budget für WM-Besuch kann rasch ansteigen

Ein solcher Trip geht denn auch ins Geld. So sorgen die Ticketpreise seit Monaten für harsche Kritik. Denn die günstigsten Finaltickets beginnen bei 4185 Dollar – das ist mehr als der 7-fache Preis des WM-Finals 2022.

Fan-Verbände kritisieren, dass ursprünglich Tickets ab 21 Dollar zugesagt worden seien. Tatsächlich hätten die günstigsten jedoch 60 Dollar gekostet. Diese wurden jedoch rasch für über 300 Dollar weiterverkauft.

Gianni Infantino
Der Fifa-Präsident aus dem Wallis, Gianni Infantino, verteidigt einen Tag vor WM-Start die teuren Tickets vor den Medien. - keystone

Einen Tag vor WM-Start verteidigt Fifa-Präsident Gianni Infantino die hohen Preise und sagt an einer Medienkonferenz, der Durchschnittspreis liege bei 500 Dollar. Das sei weniger als in den Playoffs im US-Sport, so sein Vergleich.

Die Tickets sind das eine. Das Drumherum ist das andere.

Das weiss auch Budgetberater Philippe Frei: «Viele rechnen zuerst nur mit den Ticket- und Reisekosten. Gerade bei Spielen im Ausland kommen aber schnell weitere Ausgaben dazu: Etwa Verpflegung, Transfers oder spontane Zusatzkosten vor Ort.»

Gefahr für Konsumkredite steigt

Bei den hohen Preisen in den USA zur WM seien das schnell mehrere hundert Franken. Und das läppert sich zusammen. «Problematisch wird es, wenn Menschen bereits teure Tickets gekauft haben und dann das Gefühl haben, den Rest jetzt auch noch irgendwie finanzieren zu müssen», so der Geschäftsführer der Budgetberatung Schweiz.

So steige die Gefahr, dass Kreditkarten oder Konsumkredite genutzt würden, weil das Geld eigentlich nicht ausreiche.

Hast du Schulden?

Denn: «Wo Emotionen und Leidenschaft im Spiel sind, werden Entscheidungen oft weniger rational getroffen.» Das gelte auch für Hochzeiten, geleaste Autos oder grössere Ferienreisen.

Mit verheerenden Folgen, wie Frei aufzeigt: «Wer unbedingt dabei sein will, ist eher bereit, die Finanzen auszublenden.» Das wüssten auch die Veranstalter.

Reist du für die Fussball-WM 2026 in die USA?

Entsprechend hoch seien bei der WM Preise für Tickets, Unterkünfte oder Reisen. «Wenn man das eigene Budget dabei massiv überzieht, kann sich das schmerzhaft rächen.»

Schulden als Warnsignal

Frei empfiehlt deshalb, für eine solche Art von Ausgabenposten vorab ein Budget zu erstellen. «Wer vorab alle Kosten ehrlich durchrechnet und die eigenen finanziellen Möglichkeiten realistisch einschätzt, kann einen solchen Anlass viel entspannter geniessen.»

Wenn hingegen Schulden gemacht werden müssen, um sich einen solchen Anlass leisten zu können, sei dies meist ein Warnsignal.

Kommentare

User #3819 (nicht angemeldet)

Es handelt sich um eine schweizerische Nationenmannschaft.

User #3361 (nicht angemeldet)

...ich blende die WM aus, dieser Geldvernichtungsveranstaltung...

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