In Peru demonstrieren Tausende. Anhänger des siegreichen Castillo und der Widersacherin Fujimori protestierten.
Kundgebung in Lima
Kundgebung in Lima - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Castillo gewann die Präsidentschaftswahl in Peru äusserst knapp.
  • Anhänger von Fujimori glauben an Wahlbetrug und demonstrieren.
  • Militärs im Ruhestand haben die Armee aufgefordert, die Amtseinführung zu verhindern.

Zwei Wochen sind seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Peru vergangen. Erneut haben am Samstag Anhänger des linksgerichteten Kandidaten Pedro Castillo als auch seiner rechtspopulistischen Widersacherin Keiko Fujimori demonstriert.

Im Zentrum der Hauptstadt Lima fand am Samstag (Ortszeit) ein Protestzug unter dem Titel «Grosser Nationaler Marsch» statt. Damit wollten dem Bürgerrechtsorganisationen und Linksparteien Castillos Wahlsieg unterstreichen.

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In Lima protestieren beide Seiten. - keystone

Ganz in der Nähe prangerten Fujimoris Anhänger in einem Marsch unter dem Motto «Respektiert meine Stimme» angeblichen Wahlbetrug an. «Wir werden nicht aufgeben, wir werden die Hände nicht in den Schoss legen», sagte Fujimoris vor ihren Anhängern.

Mit Blick auf Venezuelas sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro und seinen Amtsvorgänger Hugo Chávez fragte die Politikerin die Menge: «Wollt Ihr ein Land wie das von Maduro, wie das von Chávez?» und erntete wie geplant ein lautes «Nein». Castillo ist nach eigenen Angaben weder Kommunist noch Anhänger von Chávez.

Demonstrationen auch in anderen Städten

An beiden Kundgebungen in der peruanischen Hauptstadt nahmen tausende Menschen teil. Mehr als 3000 Polizisten waren im Einsatz, um für Ordnung zu sorgen. In den Anden-Orten Arequipa, Ayacucho y Huancayo und in weiteren Städten gab es Demonstrationen für Castillo.

Nach dem Urnengang am 6. Juni hatte sich Castillo zum Sieger ausgerufen. Nach Angaben der Wahlkommission kam er mit einem Vorsprung von etwa 44'000 Stimmen auf 50,12 Prozent.

Fujimori errang den offiziellen Angaben zufolge 49,87 Prozent der Stimmen. Sie sprach in der Folge von «Unregelmässigkeiten», ohne allerdings schlüssige Beweise vorzulegen.

Wahlgericht muss entscheiden

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) stufte die Wahl als ordnungsgemäss ein. Aus dem rechten Lager wird dennoch eine Annullierung der Wahlergebnisse gefordert. Militärs im Ruhestand riefen die Armee gar in einem Schreiben auf, Castillo an der Amtsübernahme zu hindern.

Übergangspräsident Francisco Sagasti wies dies zurück. Nun soll das Nationale Wahlgericht entscheiden und dazu tausende Wahlbeschwerden auswerten. Ein Termin für seine Entscheidung wurde nicht festgesetzt.

«Wir haben schon einen Sieger», sagte die Demonstrantin Maruja Inquira mit Blick auf Castillo. «Wir sind hier, um gerechte Wahlen zu fordern», sagte hingegen der 56-jährige Fujimori-Anhänger Moisés Hurtado. Es gebe Belege für «ziemlich starke Unregelmässigkeiten».

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