«Wir sind nicht emigriert, sondern wurden gezwungen, vorübergehend den Standort unseres Büros zu ändern», schrieb der inhaftierte Nawalny in einem Brief.
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Der Kremlgegner Alexej Nawalny sitzt derzeit im Straflager. (Archivbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Gericht hatte im Juni mehrere Organisationen Nawalnys als extremistisch eingestuft.
  • Kritiker beklagten, dass Oppositionsunterstützer damit ausgeschaltet werden sollten.
  • Nawalny betonte, dass das nicht gelungen sei.

Der inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny hat ungeachtet vieler aus Russland ausgewanderter Unterstützer eine Fortführung der Oppositionsarbeit angekündigt. «Wir sind nicht emigriert, sondern wurden gezwungen, vorübergehend den Standort unseres Büros zu ändern», schrieb der 45-Jährige in einem Brief, den das unabhängige Portal Meduza am Mittwoch veröffentlichte.

Im Juni hatte ein russisches Gericht den Anti-Korruptions-Fonds und andere Organisationen Nawalnys als extremistisch eingestuft und damit verboten. Kritiker beklagten, dass Unterstützer des Oppositionellen damit politisch ausgeschaltet werden sollten.

Nawalny betonte, dass das nicht gelungen sei. Prominente Mitstreiter wie Iwan Schdanow und Leonid Wolkow hätten die Infrastruktur seiner Organisationen erfolgreich ab- und andernorts wieder aufgebaut.

Putin: Oppositionelle nicht wegen politischer Tätigkeit im Straflager

Russlands Präsident Wladimir Putin betonte unterdessen erneut, dass Nawalny und andere Oppositionelle nicht wegen ihrer politischen Tätigkeit im Straflager sässen. «Ihre Gesetzesverstösse wurden ihnen wiederholt vergeben, aber irgendwann musste das einmal Konsequenzen haben», sagte Putin auf der Russischen Energiewoche vor internationalem Publikum. «Sorgen darum, dass die Demokratie in Russland gestorben ist, sind stark übertrieben», erklärte der Kremlchef zudem.

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Russlands Präsident Wladimir Putin. - keystone

Nawalny, der im vergangenen Jahr nur knapp einen Giftanschlag überlebte, ist seit Anfang des Jahres in Haft, weil er Meldeauflagen aus einem früheren Strafverfahren nicht eingehalten haben soll. Das Urteil steht als politisch motiviert in der Kritik. Unter anderem die Bundesregierung, die EU und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte haben die Freilassung Nawalnys gefordert.

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