Iran erstellt Webportal zur Meldung von Kritikern im Ausland
Der Iran hat ein Onlineportal zur Meldung mutmasslicher Kritiker im Ausland erstellt. Ziel des Überwachungssystems mit dem Namen «Aladsch» (Heilung) sei, «Verräter» zu identifizieren, hiess es in iranischen Medienberichten vom Montag.

Offiziell wurde es zum «Schutz der nationalen Sicherheit» gegründet. «Verrat am Iran hat einen Preis und zieht rechtliche Konsequenzen nach sich», schrieb etwa die Nachrichtenagentur Fars.
Iranerinnen und Iraner können den Berichten zufolge über ein Webportal, aber auch Kanäle in den sozialen Medien die vermeintlichen «Verräter» melden. Die Identität der Hinweisgeber werde vertraulich behandelt, hiess es in den Meldungen. Tatsächlich dürfte das System vor allem das Misstrauen in der iranischen Auslandsgemeinschaft verstärken. Wie stark das Portal in Zukunft genutzt wird, ist dabei völlig offen.
Im Ausland leben unterschiedlichen Schätzungen zufolge etwa vier Millionen Menschen mit iranischer Staatsbürgerschaft oder Migrationsgeschichte. Viele von ihnen haben das Land aus politischen Gründen verlassen. Der Einfluss des iranischen Sicherheitsapparats nach Europa und in die USA hat bereits seit langem dazu geführt, dass Iranerinnen und Iraner einander oft schwer vertrauen.
Der Iran-Krieg hat das Misstrauen und das Denunziantentum noch einmal verstärkt. Das Überwachungsportal «Aladsch» nennt konkret auch Befürworter von militärischen Angriffen auf den Iran und von Sanktionen gegen das Land als potenzielle Verräter. Nach Angaben der Website wurden bereits 600 Menschen durch die Bevölkerung gemeldet. Einige Identitäten im Ausland lebender Iraner wurden auf dem Portal veröffentlicht.










