Höchststrafe für Terroranschlag in Deutschland

Keystone-SDA
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Deutschland,

Für einen islamistischen Messeranschlag auf feiernde Menschen in der deutschen Stadt Bielefeld ist der Attentäter zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

ARCHIV - Der Angeklagte Mahmoud M. (M) wartet auf den Beginn des Prozesses um einen mutmaßlich islamistisch motivierten Messeranschlag auf Fußballfans in Bielefeld. Foto: Federico Gam...
ARCHIV - Der Angeklagte Mahmoud M. (M) wartet auf den Beginn des Prozesses um einen mutmaßlich islamistisch motivierten Messeranschlag auf Fußballfans in Bielefeld. Foto: Federico Gam... - Keystone/dpa/Federico Gambarini

Das Oberlandesgericht Düsseldorf sprach den 36-jährigen Syrer Mahmoud M. wegen vierfachen versuchten Mordes schuldig, stellte die besondere Schwere seiner Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung an. Er habe mit dem Anschlag dschihadistische Ziele verfolgt, sagte der Vorsitzende Richter.

Damit verhängte das Gericht die Höchststrafe, wie sie von der Bundesanwaltschaft beantragt worden war. Dem Angeklagten fehle jegliche Empathie mit den Opfern. Wegen seiner radikal-islamischen Gesinnung sei der Syrer nach wie vor gefährlich und seine Prognose ausgesprochen ungünstig, hatte die oberste deutsche Anklagebehörde ausgeführt. Die Verteidiger hatten auf eine schwere Kindheit des Angeklagten verwiesen und auf die Depression, die ihm ein psychiatrischer Gutachter attestiert hatte.

Die vier Opfer hatten im Prozess berichtet, dass sie noch immer unter dem Anschlag litten. Vor gut einem Jahr waren sie nachts beim Feiern vor einer Bar in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) angegriffen und durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt worden. Der Angreifer habe dabei «Allahu akbar» gerufen, sagte der Vorsitzende Richter. Unter den Feiernden waren zahlreiche Fans des Fussballvereins Arminia Bielefeld.

Der Angeklagte hatte die Tat in der Untersuchungshaft Psychologen und Psychiatern gestanden und im Prozess in seinem Schlusswort eingeräumt. In der Untersuchungshaft hatte er darüber hinaus erzählt, bereits in Syrien zwei Menschen getötet zu haben, darunter seinen Halbbruder im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Nach Angaben des Staatsanwalts war der 36-Jährige bereits in Syrien jahrelang in den Reihen des IS aktiv, hatte den Treueeid auf den Kalifen geschworen, bevor er von kurdischen Einheiten als IS-Mann festgenommen und acht Monate inhaftiert gewesen sei. 2023 kam er nach Deutschland.

Vor dem Anschlag habe er ein Bekennervideo an einen IS-Kontaktmann geschickt, das aber nicht veröffentlicht worden sei. Zudem habe er einen Zettel mit der selbst gezeichneten IS-Flagge bei sich getragen.

Er habe möglichst viele Menschen töten wollen. Erst als er seinen selbst gebauten Stockdegen verlor und sich entschlossenem Widerstand gegenübersah, habe er die Flucht ergriffen. Einen Tag später, am Abend des 19. Mai, wurde er in Heiligenhaus bei Düsseldorf festgenommen, weil ihn ein Cousin an die Polizei verriet.

Laut psychiatrischem Gutachter ist der Angeklagte tiefgreifend islamistisch radikalisiert. Die islamistisch-dschihadistische Ideologie sei fester Bestandteil seiner Persönlichkeit und seines Wertesystems. Dafür habe er sogar den Kontaktabbruch zu seinen Kindern in Kauf genommen. Er sei kränkbar, intolerant und gewaltbereit.

In Deutschland habe sich seine psychische Lage verschlechtert, nachdem der Familiennachzug gestoppt worden sei, er keine Arbeit gefunden und kein Deutsch gelernt habe. Die Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm hatte der Syrer abgelehnt.

Kommentare

User #5856 (nicht angemeldet)

Ich leide seit Jahren an Depressionen, bin trotzdem bis zur Rente arbeiten gegangen und war nicht auf einem Weihnachtsmarkt tätig . Diese Entschuldigung finde ich zum Erbrechen.

User #5892 (nicht angemeldet)

In Russland hätte er die wohlverdiente Straffe bekommen.

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