Expertin: Israel-Angriffe auch während Waffenruhe möglich
Auch während der Waffenruhe darf Israel sich gegen anstehende Angriffe aus dem Libanon wehren. Grosse Unsicherheiten bleiben bestehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Libanesen sind erleichtert über die Waffenruhe, Unsicherheiten bleiben aber.
- So darf Israel weiterhin anstehende Angriffe aus dem Libanon abwehren.
- Zudem muss Beirut die Hisbollah entwaffnen, was diese aber strikt ablehnt.
Am Donnerstagabend einigten sich Israel und die libanesische Regierung auf eine zehntägige Waffenruhe. Während dieser Zeit sollen Verhandlungen weitergeführt werden.
Im Libanon wurde der Beginn der Feuerpause mit Freudenschüssen und Feuerwerk gefeiert. Auch Meret Michel, in Beirut lebende freie Journalistin, spricht gegenüber «SRF» von einer grossen Erleichterung im Land. Die Menschen könnten «kurz aufatmen».
Aber: «Gleich hinter der Erleichterung gibt es grosse Unsicherheit.» Und das liegt an den Bedingungen und den Formulierungen im Waffenruhe-Abkommen.
So muss die Regierung versuchen, die Hisbollah von Angriffen abzuhalten und zu entwaffnen. Die vom Iran finanzierte Miliz will ihre Waffen aber auf keinen Fall abgeben. Ein hochrangiges Mitglied des politischen Rates der Hisbollah sagte der «BBC», man werde sich «nie und nimmer» entwaffnen lassen.
Das stellt die Regierung vor eine schwierige Situation. Einerseits muss sie die Entwaffnung versuchen. Andererseits ist sie gegenüber der mächtigen Hisbollah eher schwach. «Die Regierung riskiert einen bewaffneten Konflikt, was zu enormen inneren Spannungen führen könnte», sagt Meret Michel.

Wie die «BBC» berichtet, könnte der libanesische Präsident Joseph Aoun auf die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran hoffen. Denn in einem möglichen Abkommen könnte die Entwaffnung der Hisbollah enthalten sein.
Eine weitere Unsicherheit stellt die «vage Formulierung» dar, wie es Michel nennt. So darf Israel auch während der Waffenruhe gegen geplante oder stattfindende Angriffe aus dem Libanon vorgehen. Dadurch seien Angriffe auch während der Feuerpause nicht ausgeschlossen.
«Gefahr, dass Israel Angriffe nach Ablauf der Frist wieder aufnimmt»
Diese Formulierung könnte den Libanon in die Lage vor Beginn der jüngsten Kämpfe versetzen. Auch damals bestand eine Waffenruhe zwischen den beiden Ländern. Dennoch führte die israelische Armee fast täglich Angriffe gegen Ziele oder Personen, denen sie eine Verbindung zur Hisbollah vorwarf, durch.
Die dritte grosse Unsicherheit betrifft Sorgen um das libanesische Territorium. Trotz der Waffenruhe lässt Israel seine Truppen im Südlibanon stationiert. Das erklärte Ziel ist es, eine mehrere Kilometer breite Sicherheitszone zu errichten. Aus Beirut aber heisst es deutlich, dass man kein Gebiet abgeben werde.
Aufgrund dieser Unsicherheiten und grosser Differenzen zwischen den beiden Regierungen ist unklar, ob die Verhandlungen zum Erfolg führen werden. Meret Michel sagt gegenüber «SRF» deshalb: «Es besteht die Gefahr, dass Israel die Angriffe nach Ablauf der Frist wieder aufnimmt.»
















