Die Linke hat nach Ansicht ihres früheren Parteivorsitzenden Klaus Ernst ihre Stammwählerschaft vernachlässigt.
Janine Wissler und Dietmar Bartsch
Janine Wissler und Dietmar Bartsch - POOL/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Früherer Parteichef: Kernthemen zu wenig sichtbar.

«Die Linke muss die Interessenvertretung der abhängig Beschäftigten sein. Das ist unser Kern. Der war zu wenig sichtbar», sagte der Bundestagsabgeordnete der «Passauer Neuen Presse» vom Mittwoch. Das müsse im Bundestagswahlkampf korrigiert werden. Ernst nahm zugleich seine Parteikollegin Sahra Wagenknecht in Schutz, gegen die in Nordrhein-Westfalen ein Parteiausschlussverfahren läuft.

Wagenknecht müsse als Spitzenkandidatin in NRW selbstverständlich stark in den Bundestagswahlkampf einbezogen werden, mahnte Ernst. «In ihren Auftritten gelingt es ihr, die wirklich wichtigen Themen verständlich darzustellen», betonte er. Zuweilen halte sie dabei auch der eigenen Partei kritisch den Spiegel vor.

Parteikollegen werfen Wagenknecht vor, der Linken schweren Schaden zugefügt zu haben. Die Politikerin selbst verwahrte sich gegen den Vorwurf. Wagenknecht hatte unter anderem in ihrem Buch «Die Selbstgerechten» scharfe Kritik an ihrer Partei geübt, sie ist zudem wegen ihrer Äusserungen zur Flüchtlingspolitik umstritten.

Ernst sagte mit Blick darauf: «Natürlich muss sich eine linke Partei auch um Zuwanderung, Rassismus und Minderheiten kümmern.» Für ihn sei die entscheidende Frage aber, ob der eigentliche Sinn der Linken im öffentlichen Auftreten noch ausreichend erkennbar sei. Drängende Fragen sind laut Ernst die Themen Altersarmut, explodierende Mieten, Erhalt von Arbeitsplätzen in der ökologischen Umstellung der Industrie und die Verbesserung der Lage von Menschen, die Mindestlohn beziehen.

Mehr zum Thema:

Die Linke Spiegel