Drohnen und Rauch überschatten Putins Wirtschaftsforum
Ein ukrainischer Drohnenschlag gegen St. Petersburg hat vor dem Wirtschaftsforum von Kremlchef Wladimir Putin schwarzen Rauch über der sonnigen Millionenmetropole aufziehen lassen.

Am frühen Morgen, als weiter Gäste für das bis Samstag angesetzte Grossereignis eintrafen, gab es mehrere Stunden Drohnenalarm. Eine Ölraffinerie am Hafen wurde getroffen und geriet in Brand.
In der Ukraine lobte Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Drohnenstreitkräfte – und wollte damit wohl ein weiteres Zeichen der Stärke in Russlands Angriffskrieg senden.
Auf Videos und Bildern hielten Anwohner Feuer und riesige Rauchsäulen fest, die etwa aus den Ölzisternen im Hafengelände stiegen. «Achtung! Es besteht Drohnengefahr auf dem Gebiet von St. Petersburg, möglich sind Störungen des mobilen Internets», hiess es in der versandten SMS.
Der Gouverneur von St. Petersburg, Alexander Beglow, bestätigte bei Telegram lediglich einen Angriff auf Infrastruktur. «Es sind einige Objekte beschädigt worden. Momentan läuft die Beseitigung der Folgen.» Konkrete Angaben zu den Schäden machte er nicht.
Alle Einsatzkräfte sind seinen Angaben nach in erhöhter Bereitschaft.
Beglow schrieb zudem, dass mehrere Menschen Verletzungen erlitten hätten. Es gebe aber keine Toten, betonte er. Im Umland der Millionenstadt haben Drohnentrümmer zudem Behördenangaben nach vier Einfamilienhäuser leicht beschädigt.
Am ersten Tag des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF), das vor allem in einem Messegelände ausserhalb der Stadt läuft, entging der Angriffe kaum jemandem. Die Rauchschwaden waren weithin sichtbar über der Altstadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört.
Für Putin kommt diese neuerliche Attacke, noch dazu auf eine Ölraffinerie in seiner Heimatstadt, zur Unzeit. Der Kremlchef richtet das Treffen für Unternehmer und Wirtschaftsvertreter aus Dutzenden Ländern seit über 20 Jahren als Schaubühne aus.
In Kriegszeiten will er auch zeigen, dass Russland trotz finanzieller Probleme, Rüstungswirtschaft und westlichen Sanktionen nicht in die Knie geht. Putin zeigt sich immer wieder siegessicher in seinem Krieg.
Dagegen sieht die Ukraine mit ihren Schlägen gegen die russische Ölindustrie, die für Putins Kriegsfinanzierung wichtig ist, den Konflikt an einem Wendepunkt.
An dem Wirtschaftsforum selbst ist das westliche Interesse deutlich zurückgegangen, seit Putin vor über vier Jahren den Krieg gegen die Ukraine befohlen hat. In diesem Jahr hofft der Kreml auf eine Rückkehr von Unternehmern aus Europa und den USA.
Tatsächlich sind neben der amerikanischen Handelskammer auch deutsche Unternehmer vor Ort. Die deutsch-russische Auslandshandelskammer richtet erstmals wieder selbst eine Veranstaltung aus.
Die ukrainischen Angriffe zeigten einmal mehr die Schwachpunkte Russlands im Krieg. Moskau kommt an der Front trotz hoher Verluste kaum voran und sieht sich zunehmend mit folgenschweren ukrainischen Drohnenangriffen im Hinterland konfrontiert.
«Auch rein militärische Ziele im Stützpunkt Kronstadt wurden getroffen», lobte Selenskyj seine Drohnentruppen. Kronstadt, eine Insel vor St. Petersburg, ist ein wichtiger Militärstandort und dient der russischen Ostseeflotte als Basis.
Selenskyj bezeichnete die Einschläge als «gutes Resultat» der gemeinsamen Arbeit von Drohneneinheiten verschiedener Truppengattungen und Geheimdienste. Die Ziele lägen fast 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, betonte er.
Laut dem Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, haben die Drohnen dabei auch die Korvette «Bojki» der russischen Kriegsflotte in Brand gesetzt.
Die meisten Einwohner reagierten gelassen und nahmen kaum Notiz von den schwarzen Wolken. Auch Stadtführer und ihre Touristengruppen besichtigten weiter die Sehenswürdigkeiten der Millionenstadt an der Newa.
Der Kreml nutzte den ukrainischen Drohnenangriff auf St. Petersburg am ersten Tag des Forums zur Begründung für die Fortsetzung des Kriegs in der Ukraine.
«Allgemein kann ich sagen, dass wir die militärische Spezialoperation auch deswegen fortführen, damit es solche Schläge nicht gibt», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Nachrichtenagenturen zufolge.
Peskow erwähnte nicht, dass Russland den Krieg begonnen und damit auch solche Gegenschläge provoziert hat.
Ein direkter Vergeltungsschlag liege in der Verantwortung des Verteidigungsministeriums, sagte Peskow. Putin sei auch über einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Reisebus im Gebiet Donezk informiert worden.
Nach Angaben der Besatzungsbehörden starben dabei mindestens acht Menschen. Es gebe auch elf Verletzte.










