Bundeswehr-Inspekteur: KI neue Dimension der Cyberbedrohung
Der Chef der Cybertruppe der Bundeswehr ist besorgt, dass Sicherheitslücken und Software-Schwachstellen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ausgenutzt werden könnten. «Dies halte ich momentan für eine erhebliche Gefahr», sagte Vizeadmiral Thomas Daum der Deutschen Presse-Agentur bei einem Besuch in Litauen. Daum führt als Inspekteur den Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr.

Hochleistungsfähige KI-Anwendungen könnten eine unheimliche Potenz und Geschwindigkeit bei gegnerischen Versuchen entfalten, um in Systeme einzudringen und neue Methoden des Eindringens zu entwickeln.
Bei aller Qualität von Cybersicherheit in diesen Bereichen sei das Risiko aus seiner Sicht nun noch einmal «exponentiell angestiegen» und ein «weltweites Problem». Dies gelte nicht nur mit Blick auf die militärischen Systeme, sondern betreffe besonders in Deutschland auch komplett alle kritischen Infrastrukturen.
«Das ist das erste Mal in meinen sechs Jahren als Inspekteur, wo ich sage, das treibt mich wirklich um im Schlaf», sagte Daum unter Verweis auf die gegenwärtige Reaktionsfähigkeit. «Wir sind derzeit auf der Zeitachse gar nicht in der Lage, so schnell zu reagieren.»
Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport und Verkehr.
Nach Worten des obersten deutschen Cyber-Soldaten gehe es nicht um das Identifizieren, sondern das Schliessen einer Schwachstelle. Doch dazu müsse man diese erst einmal erkennen und den Patch dafür bereitstellen, der sie schliesst. «Das dauert in der Regel drei, vier, sechs Wochen, und das ist die Zeit, wo da im Grunde genommen in unseren Systemen eine Tür aufsteht, wo jeder Angreifer durchgeht und auf der anderen Seite seinen Unfrieden stiftet», sagte Daum der dpa.
Zuletzt hatte im Oktober eine gravierende Sicherheitslücke in der weit verbreiteten Programmiersprache PHP die IT-Welt weltweit alarmiert. Die Schwachstellen lösten einen Wettlauf zwischen Betreibern von Webseiten und Cyberkriminellen aus. Während die einen mit Hochdruck daran arbeiten, eine aktualisierte Version der Software zu installieren, suchen Angreifer nach ungeschützten Servern.
Dass viele Webseiten deshalb sicherheitshalber runtergefahren wurden, hält Daum für eine richtige Entscheidung – und auch in Zukunft in ähnlichen Fällen als Lösung für angebracht. «Wenn es um unmittelbare und schnelle Sicherheit geht, dann müsste man tatsächlich darüber nachdenken, viele Verbindungen in das Internet zu kappen», sagte der Inspekteur. Dies sei besser, als befürchten zu müssen, dass die Türen alle offen stehen.









